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Der Jubel nach dem Ausgleich kannte bei Jürgen Klinsmann (r.) keine Grenzen © getty

Ralf Rangnick ist nach der Pleite gegen den FC Bayern reichlich angefressen. Beim Rekordmeister herrscht durchweg gute Laune.

Von Daniel Rathjen und Martin Volkmar

München - Es war bezeichnend. Ralf Rangnick stapfte mit finsterer Miene durch die Katakomben der Allianz Arena.

Der Trainer des Tabellenführers 1899 Hoffenheim war tief getroffen von der 1:2 (0:0)-Pleite beim FC Bayern durch den Last-Minute-Treffer von Luca Toni.

"So zu verlieren ist bitter, brutal", verdeutlichte Rangnick.

Nur kurz zuvor hatte Münchens Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge an gleicher Stelle freudig verkündet: "Wir haben das, was wir wollten und sind vollkommen zufrieden."

Hoeneß'sche Glücksgefühle

Manager Uli Hoeneß kam, offenbar noch berauscht vom Glücksgefühl, schelmisch aus dem Hintergrund dazu und überraschte mit einer "Hasenohr"-Geste hinter Rummenigges Kopf.

Tristesse auf der einen Seite, ausgelassene Stimmung auf der anderen.

Hoffenheim, der freche Neuling, der die bayerische Festung eigentlich im Sturm erobern wollte, erlebte bei seinem fulminanten Aufstieg einen Rückschlag. Die Bayern drehen weiter auf.

Bayern drehen Spiel

Noch ist der "Emporkömmling" wegen der besseren Tordifferenz Spitzenreiter der Liga, doch spürt er den Atem des punktgleichen Verfolgers heißer denn je.

Dabei lief es in einem rassigen, aufregenden Spitzenspiel zunächst gar nicht so gut für den deutschen Rekordmeister.

Top-Torjäger Vedad Ibisevic hatte den couragierten Aufsteiger in der 49. Minute durchaus verdient in Führung gebracht, ehe Philipp Lahm in der 60. Minute ausglich.

Die Gäste waren dem 2:1 näher als die Münchner. Oft taten die sich schwer, gegen taktisch geschickt und aggressiv verteidigende Hoffenheimer, den entscheidenden Pass zu spielen.

Der Sieg kam am Ende auch mit Glück zustande.(Die Aufstellungen)

"Die beste Mannschaft der Bundesliga"

"Wir haben das gezeigt, was wir angekündigt haben. Wir haben 90 Minuten auf Sieg gespielt. Leider hat Sejad Salihovic in der 87. Minute den Matchball vergeben. Außer dem Ergebnis gibt es nicht so viel zu kritisieren", resümierte Rangnick.

Sein Pendant Jürgen Klinsmann analysierte: "Dass wir am Ende das Spiel noch gewinnen konnten, ist natürlich super. Hoffenheim ist aber die beste Mannschaft in der Bundesliga, die gegen uns gespielt hat."

Letztlich war es einmal mehr der Killerinstinkt der Bayern und wohl auch die Erfahrung aus zahlreichen Topspielen, die den Unterschied ausmachten.

"Wir müssen daraus lernen", stellte Ibisevic klar.(Die Torjäger)

Kampf um Vormachtsstellung

Darin, dass Hoffenheim das Potenzial hat, in dieser Saison und darüber hinaus mit dem FC Bayern um die Vormachtstellung in Fußball-Deutschland zu kämpfen, waren sich alle einig.

Rummenigge nannte das erste Duell der beiden Teams "klasse", Bayerns Kapitän Mark van Bommel sprach von einer Begegnung, "die alles hatte".

"Wir sind enttäuscht, die Niederlage ist hart. Aber ich glaube, wir haben viele mit unserer Art hier beeindruckt", sagte Hoffenheims Neu-Nationalspieler Tobias Weis, der Gegenspieler Franck Ribery mit bissiger Art weitgehend in Schach hielt.

"Es ist schade, der Sieg der Bayern ist unverdient", fand Ibisevic indes.

"Ein großartiges Gefühl"

Matchwinner Toni hielt aber dagegen: "Der Sieg war nicht glücklich, wir hatten sehr viele Chancen. Es ist ein großartiges Gefühl, so zu gewinnen - mit einem Tor in letzter Minute. Zum Glück habe ich den Treffer noch gemacht, sonst wäre ich wohl schuld gewesen, wenn wir nicht gewonnen hätten", spielte er auf seine vielen vergebenen Möglichkeiten an.

Sein Teamkollege Lahm sprach die Defizite aber noch einmal klar an: "Insgesamt war das Spiel zu offen. Wir haben zu viele Konterchancen zugelassen. So wollten wir eigentlich nicht spielen, wir wollten defensiv besser stehen."(Ergebnisse und Tabelle)

Die Bayern müssen sich also definitiv noch einmal strecken. In der nächsten Woche steht die Partie beim VfB Stuttgart an, während Hoffenheim den FC Schalke empfängt.

Beim Rennen um die Herbstmeisterschaft sind die beiden Topteams auf Augenhöhe.

Und, das hat das Gipfeltreffen gezeigt: Spätestens jetzt ist Hoffenheim - vom Potenzial betrachtet - in jedem Fall auch ein Kandidat für den Titel.

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