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Zwischen Frust und Freude: Hoffenheims Coach Ralf Rangnick in München © getty

Ralf Rangnick schwankt im Interview nach der Pleite bei Bayern zwischen Frust und Zufriedenheit über Hoffenheims Auftritt.

Von Martin Volkmar und Daniel Rathjen

München - Als das Spektakel beendet war, brachen alle Dämme.

Und während der Jubel beim Last-Minute-Sieger FC Bayern grenzenlos war, ärgerten sich die unglücklichen Hoffenheimer beinahe schwarz.

"Ich finde das Ergebnis zum Kotzen", schimpfte 1899-Geschäftsführer Jochen Rotthaus.

"Das war wieder mal der typische Bayern-Dusel", meinte auch Präsident Peter Hofmann.

Und im fernen Florida herrschte Frust bei Urlauber Dietmar Hopp. "Das späte Gegentor war ein ganz bitterer Moment", sagte Hoffenheims Mäzen der "Bild".

Auch Trainer Ralf Rangnick war die tiefe Enttäuschung deutlich anzumerken. Dennoch zeigte er sich im Interview auch zufrieden über den starken Auftritt des Überraschungs-Spitzenreiters in der ausverkauften Allianz Arena.

Frage: Ralf Rangnick, wie groß ist die Enttäuschung?

Ralf Rangnick: Mit null Punkten heimzufahren ist schon heftig. Es ist extrem bitter und ärgerlich, wenn man in der 92. Minute so verliert. Es war ein Spiel zweier Mannschaften, die richtig gut drauf sind - nur leider nicht mit dem richtigen Ergebnis.

Frage: Wie bewerten Sie die Vorstellung Ihrer Mannschaft?

Rangnick: Jeder, der im Stadion war, hat gesehen, dass wir das, was wir vor dem Spiel gesagt haben, auch umgesetzt haben. Wir waren 20 Minuten etwas übermotiviert, wurden danach aber präziser und ruhiger. In der zweiten Halbzeit hatten wir dann eine Phase, in der wir ganz stark waren. In der 87. Minute hatten wir dann sogar einen Matchball durch Salihovic. Das hätte das 2:1 sein müssen.

Frage: Was gibt es sonst noch zu kritisieren?

Rangnick: Ich habe am Spiel nicht viel auszusetzen. Insgesamt hätten wir nicht viel besser spielen können in dieser Konstellation. Ich bin relativ sicher, wenn das Spiel morgen noch mal gespielt werden würde, wäre bei unserer Mannschaft einiges an Fortschritten erkennbar.

Frage: Kann man etwas aus der Niederlage lernen?

Rangnick: Bei einem 1:1 oder einem 1:0 für uns hätten wir genauso gelernt. Dazu hätten wir nicht das Tor in der Nachspielzeit gebraucht. Die Mannschaft ist 22 Jahre alt und hat hier den FC Bayern teilweise richtig, richtig gefordert. In der Phase zwischen der 45. und 65. haben wir fast im Stile eine Heimmannschaft hier gespielt.

Frage: Könnte das späte Gegentor umgekehrt Ihrem jungen Team einen Knacks geben?

Rangnick: Nein, auf keinen Fall. So wie die Mannschaft gespielt hat, gibt es dazu auch gar keinen Grund. Die Jungs haben sich richtig gewehrt und gezeigt, welche Entwicklung sie in den letzten Monaten gemacht haben. Ich bin sicher, dass uns das Spiel einen enormen Schritt weitergebracht hat.

Frage: Wie wollen Sie Ihr Team wieder aufbauen?

Rangnick: So wie nach der Niederlage in Bremen und der Niederlage bei Hertha. Die Mannschaft hat gut gespielt, das habe ich ihr auch gesagt. Alles Weitere machen wir völlig unaufgeregt wie schon seit zweieinhalb Jahren.

Frage: Sehen Sie sich jetzt auf Augenhöhe zu Bayern München?

Rangnick: Ich weiß nicht, wer darauf kommt, dass wir auf Augenhöhe zum FC Bayern sind. Der FC Bayern steht seit 30 Jahren an der Spitze. Da können wir nicht in Anspruch nehmen, auf Augenhöhe mit ihnen zu sein. Wir haben vor zwei Jahren hier noch im Grünwalder Stadion völlig zu Recht gegen die zweite Mannschaft der Bayern verloren. Wenn alles normal läuft, wird der FC Bayern auch wieder Deutscher Meister.

Frage: Was kann man von Hoffenheim nach der Winterpause erwarten?

Rangnick: Jetzt spielen wir erstmal am Sonntag gegen Schalke. Da müssen wir sehen, dass wir so wie in München wieder absolut ans Limit gehen. Wir wollen versuchen, uns mit einem Heimsieg von den Fans in Mannheim zu verabschieden und dann schöne Weihnachten feiern.

Frage: Das bedeutet, Sie wollen Herbstmeister werden?

Rangnick: Das ist für uns nicht wichtig. Für uns ist wichtig, dass wir Punkte holen und dass wir Fortschritte sehen bei der Mannschaft. Und das hat man auch bei den Bayern trotz der Niederlage wieder erkennen können. Und dann werden wir uns gezielt auf die Rückrunde vorbereiten, um da wieder möglichst viele Punkte zu sammeln.

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