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Erwies seinem Team mit der Roten Karte einen wahren Bärendienst: Claudio Pizarro (l.) © getty

Pizarro und Diego laufen bei der 0:1-Pleite gegen Karlsruhe Amok und verschärfen die Krise bei Werder. Der KSC atmet auf.

Von Tobias Schneider

München - Der Frust hat sich über Wochen hinweg aufgestaut:

Talfahrt in der Bundesliga, desolates Auftreten in der Champions League und dann auch noch der späte Gegentreffer - ausgerechnet gegen den bis dato Tabellenletzten.

Als Ausrede darf es trotzdem nicht gelten, was sich die Bremer Claudio Pizarro und Diego in der Schlussminute gegen den Karlsruher SC (0:1) geleistet haben.

Nach einer plumpen Schwalbe ließ sich Pizarro zu einer Tätlichkeit hinreißen, wischte seinem Gegenspieler Martin Stoll mit der Hand einmal quer durchs Gesicht.

Während Schiedsrichter Guido Winkmann dem Südamerikaner die Rote Karte unter die Nase hielt, ging Diego Christian Eichner an die Gurgel und würgte den KSC-Kapitän.

Diego droht Sperre

Dem Brasilianer blieb der Platzverweis erspart, Winkmann hatte die Attacke wohl nicht gesehen.

Dennoch droht Diego ein unangenehmes Nachspiel: Der DFB hat ein am Sonntag Ermittlungsverfahren eingeleitet und könnte den heißblütigen Brasilianer für einige Spiele aus dem Verkehr ziehen.

Schließlich war es nicht die erste Disziplinlosigkeit, zu der sich Bremens Spielgestalter hinreißen ließ.

"Das schadet nicht nur dem einzelnen Spieler. Das schadet auch der Mannschaft und dem Verein", äußerte Werder-Manager Klaus Allofs Unverständnis.

Zwar zeigte sich Pizarro nach Spielende reumütig ("So etwas darf mir nicht passieren"), trotzdem müssen die beiden Übeltäter vermutlich nicht nur mit Sanktionen seitens des DFB, sondern auch mit Strafmaßnahmen ihres Klubs rechnen.

Ein ständiges Auf und Ab

Nach dem fulminanten 5:0 am vergangenen Spieltag gegen Eintracht Frankfurt sah sich Werder endlich auf dem richtigen Weg. Weit gefehlt. Nach einem Lichtblick folgt prompt der nächste Tiefschlag. Elf Punkte beträgt bereits der Rückstand auf Spitzenreiter Hoffenheim (Ergebnisse und Tabelle).

Werder droht, im Tabellenmittelfeld zu versinken.

Das einzig Konstante bei den Hanseaten ist die Unbeständigkeit - und die eklatante Auswärtsschwäche. Erst einen Sieg landete Werder auf fremden Platz.

Dieser gelang dem Meister von 2004 ausgerechnet mit dem 5:2 am 20. September bei den Bayern - seitdem holten die Grün-Weißen maximal einen Zähler in der Fremde.

"Das kann doch kein Zufall sein und ist schlimm. Diese Situation hatten wir in dieser Saison ja schon öfter. Es fehlt die letzte Konsequenz, unser Tor zu verteidigen", moserte Werder-Kapitän Frank Baumann.

Allofs kritisiert Einstellung

Während die Gastgeber aufopferungsvoll kämpften und dadurch spielerische Defizite wettmachten, haperte es bei Werder an allen Ecken und Enden.

Die viel gelobte Offensive lahmte gehörig, die stark kritisierte Abwehr wackelte abermals.

Die Außenverteidiger Dusko Tosic und Clemens Fritz setzten keine Akzente, auch aus dem Mittelfeld entstand viel zu wenig Druck. Zudem war Spielmacher Diego von seiner Bestform zumindest in diesem Spiel meilenweit entfernt.

"Der KSC ist bis an die Grenzen gegangen, wir nicht. Wir haben den Kampf nicht angenommen", kritisierte Allofs. Trainer Thomas Schaaf verfällt trotz der sportlichen Misere nicht in Panik:

"Wir werden den Weg weiter gehen und aufzeigen, was falsch läuft."

Erleichterung beim KSC

Während sich die Bremer Spieler mit der dargebotenen Leistung wohl bald noch einmal auseinandersetzen dürfen, herrscht in Karlsruhe Erleichterung.

Durch den Sieg hat sich der KSC vom letzten Tabellenplatz verabschiedet.

Besonders groß war die Freude beim Siegtorschützen Stefan Buck (Spielerporträt), der nur aufgrund von Verletzungen in die Startformation gerückt war:

"Das ist ein besonders schöner Tag für mich. Dieser Sieg war eminent wichtig für uns", strahlte der 28-Jährige, der in dieser Saison erst 18 Minuten auf dem Platz stand.

Nach dem ersten Sieg im neunten Spiel war sogar KSC-Coach Edmund Becker zu Späßen aufgelegt: "Es ist eine ungewohnte Situation für mich, einen Sieg zu analysieren."

Er hat sich gerne damit arrangiert.

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