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Depression bei den Borussia-Spielern nach 33 Gegentoren und Platz 18 © getty

Mönchengladbach fällt auf den letzten Tabellenplatz zurück. Dafür gibt es Gründe, Hans Meyer will keinen davon so recht akzeptieren.

Von Mathias Frohnapfel

München/Mönchengladbach - Für Hans Meyer hat sich nichts geändert.

Als der Trainer seinen Job bei Borussia Mönchengladbach antrat, war das Team Letzter.

Und jetzt? "Sind wir wieder Letzter", stellte Meyer nach der 1:3-Heimpleite gegen Bayer Leverkusen fest.

Das Einzige, was die Borussia in dieser Zeit gesteigert hat, dürfte die Zahl der versiebten Torchancen sein.

Hans Meyer nahm die Verlängerung des Dramas während der Partie vor 44.000 Zuschauern stoisch auf.

Leiden und kein Ende

Bei der x-ten vergebenen Gelegenheit sprang er nicht mal mehr von seiner Trainerbank auf.

Michael Bradley (68.) hatte es nicht geschafft, den Ball aus vier Metern an Torwart Rene Adler vorbei ins Netz zu befördern.

33 Gegentore hat Mönchengladbach (Teamseite) in dieser Saison kassiert und nur 17 Mal selbst getroffen. Die Partie gegen Leverkusen war ein Spiegelbild dieser Problematik: Während die Borussia sich vergeblich mühte, schossen Stefan Kießling (25., 37.) und Patrick Helmes Bayer nach 54 Minuten mit 3:0 in Front und entschieden die Partie bereits früh.

Dickes Lob für Kießling

Schnörkelos hatten die Stürmer getroffen, die beide höchst effektiv ihren Job erledigten.

Bayer-Sportdirektor Rudi Völler lobte den Doppeltorschützen Kießling (Spielerporträt) daher kräftig: "Er gewinnt Kopfballduelle, Zweikämpfe, fällt nicht mehr um und schießt Traumtore."

Kein "Garantieschein am Klassenerhalt"

Und Gladbach stand da wie die Lehman-Bank nach dem Offenbarungseid. "Habe ich gesagt, dass ich einen Garantieschein an den Klassenerhalt hänge?", meckerte Meyer auf die Frage, ob er noch an den Ligaverbleib glaube.

Die schnoddrige Art sollte in dem Moment womöglich von der schmerzlichen Lage als Tabellenletzter ablenken. Nach dem Spiel wirkte es jedoch eher hilflos.

Immerhin bescheinigte Meyer seiner Mannschaft, "unser bestes Spiel bisher" gezeigt zu haben.

Chancen machen auch Mut

Der Mutmacher: "Wir hatten richtig hochkarätige Chancen. Ich sehe dem Frühjahr nicht hoffnungslos entgegen."

Außerdem war da auch noch Tony Jantschke (Spielerstatistik). Der 18-Jährige traf in seinem zweiten Bundesligaspiel zum 1:3 (61.). Danach starteten die "Fohlen" eine durchaus sehenswerten Sturmlauf. Jedoch verpassten Rob Friend, Roberto Colautti und zig andere Spieler beste Gelegenheiten.

Vorne fahrig, hinten fahrlässig

Tobias Levels analysierte ehrlich: "Wir hatten Mega-Chancen, das Spiel für uns zu entscheiden. Wir hätten vielleicht sieben, acht Tore machen können. Im Gegenzug bekommen wir Tore, die sind nicht akzeptabel."

Tatsächlich verteilte die Borussia-Abwehr wie bei den ersten beiden Toren, als Steve Gohouri und Christian Dorda eine unglückliche Figur machten, freundlich Nikolausgeschenke.

Labbadia: "Ein wichtiger Sieg"

Derweil genossen die Leverkusener den letztlich abgeklärt herausgespielten Erfolg.

Bruno Labbadia kommentierte: "Das war ein wichtiger Sieg. In der Bundesliga muss man gegen jeden erstmal arbeiten. Gladbach hat uns das Leben schwer gemacht, und wir mussten uns Millimeter für Millimeter erkämpfen."

Besonders erfreulich war aus seiner Sicht, dass seine Mannschaft "wieder zurück in die Spur" gefunden hat. Er gestand auch ein: "Nach dem 3:0 hatten wir nicht so die Ruhe, aber Gladbach hat das auch gut gemacht."

Leverkusen winkt Herbsttitel

Leverkusen könnte sogar die Vorrunde noch als Herbstmeister abschließen. Bei einem Sieg gegen Cottbus am kommenden Spieltag wäre Bayer Erster, sollten Hoffenheim (gegen Schalke) und Bayern (in Stuttgart) verlieren.

Hans Meyer verabschiedete sich derweil mit einem typischen Spruch in den Samstagabend.

"Hans Meyer", wandte er sich an den TV-Reporter "werden Sie nicht überreden, jetzt schon aufzugeben."

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