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Schalkes Matchwinner Gerald Asamoah (l) lässt sich feiern von Benedikt Höwedes © getty

Matchwinner Asamoah beendet Schalkes Krise und festigt den Trainer - doch für den angezählten Klub-Manager bleibt die Lage angespannt.

Von Christian Paschwitz

München/Gelsenkirchen - Er grinste bis über beide Ohren, wie er das schon lang nicht mehr tat.

Als Gerald Asamoah kurz vor Abpfiff Levan Kobiashvili Platz machte, ging nicht nur der Matchwinner beim 1:0 (0:0)-Sieg des FC Schalke 04 gegen Hertha BSC. Mit ihm verzog sich auch die königsblaue Krise. Zumindest fürs Erste.

Nach fünf Niederlagen aus den letzten sechs Spielen und dem blamablen Aus selbst im UEFA-Cup schaffte S04 den Befreiungsschlag. Sie haben sich wieder lieb auf Schalke.

Jedenfalls vorerst: Die Fans, die vor Anpfiff noch mit einem Boykott gedroht hatten, waren nach dem Erfolg nicht mehr ganz so wütend auf ihre zuletzt so schwachen Stars sowie die angeknockten Trainer Fred Rutten (Trainerporträt) und Manager Andreas Müller.

Tönnies erleichtert

"Uns fällt ein Stein vom Herzen. Der Knoten ist durchgehauen", sagte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies hinterher. Damit war dann auch die Weihnachtsfeier gleich nach Abpfiff gerettet.

Und Müller meinte hinsichtlich des vielumjubelten Torschützen, zudem dienstältester Akteur bei den Knappen (seit 1999 im Verein): "Es freut mich besonders, dass Asa das Tor erzielt hat. Er ist der Ur-Schalker schlechthin."

Als solcher dürfte Müller im Grunde genommen selbst gelten, schließlich gewann er 1997 mit Schalkes Eurofightern den UEFA-Cup, aus dem man sich nun durch das 1:2 in Enschede fast sicher und äußerst peinlich verabschiedete.

Rutten unantastbar?

Im Gegensatz zu Asamoah (Spielerporträt), der erst zum dritten Mal in dieser Saison in der Startformation stand und sein erstes Tor erzielte, wirkt Müller jedoch weiter mit dem Rücken zur Wand - und dürfte nur kurz durchatmen können.

Tönnies sagte auf die Frage nach der Zukunft von Trainer und Manager: "Fred Rutten ist sowieso in keiner Weiser in der Diskussion."

Die Frage, ob die sportliche Führung in der Rückrunde jedoch auch aus Müller besteht, brachte nur ein verwässertes Bekenntnis hervor: "Davon gehe ich fest aus. Ich bin fest davon überzeugt, dass Andi eine gute Zukunft hat auf Schalke."

Denn Tönnies, der Müller kürzlich zum Rapport zitierte, gab obendrein zu verstehen: "Ein Aufsichtsrat muss dafür sorgen, dass die Gegebenheiten rund um den Sport funktionieren. Wenn die totale Erfolglosigkeit Einzug hält, dann müssen wir handeln."

Tadel mit drohendem Verweis

Bedeutet: Rutten ist derzeit unantastbar. Müller bleibt belastet mit einem Tadel und hat die Gefahr des Verweises noch lange nicht gebannt.

Immerhin fand der Protest gegen Manager und Team diesmal nur auf wenigen Transparenten Ausdruck ("Mannschaft ohne Pulsschlag, Vorstand ohne Ratschlag"). Pfiffe gab es allein nach der kämpferisch geführten, aber torlosen ersten Halbzeit.

Danach aber zeigte das um drei Plätze auf Rang sechs gekletterte S04 eine spielerisch verbesserte Leistung, die dank Asamoah endlich Ertrag brachte.

Farfan und Engelaar glänzen

"Wir haben den Gegner neutralisiert und unser eigenes Spiel gemacht", freute sich Rutten und durfte erstmals richtig zufrieden sein mit den teuren Zugängen Jefferson Farfan und Orlando Engelaar. Der eine leitete das Siegtor mit einer langen Flanke ein, Engelaar überzeugte als Passgeber in den Angriff.

Den Schalter um legte dann aber erst Asamoah: "Jetzt versuchen wir, in Hoffenheim zu punkten. Dann haken wir die Hinrunde ab und wollen in der Rückrunde alles geben", sagte der 30-Jährige.

Ihm dürfte jedoch klar sein, dass im Kraichgau gegen Ex-Trainer Ralf Rangnick ein anderes Kaliber wartet als die enttäuschenden Berliner, die mit der Pleite nach zuletzt vier Siegen in Folge ihre Chance auf die Herbstmeisterschaft verspielten.

Friedrich selbstkritisch

Die davor noch zweitbeste Auswärtsmannschaft blieb den Beweis eines Spitzenteams komplett schuldig: "Wir hätten mehr investieren müssen", bekrittelte Kapitän Arne Friedrich.

Auf eine Wende mit Langzeitwirkung hoffen dagegen die Schalker: "Wir werden den Kader in der Winterpause optimieren und dann mit neuem Schwung ins neue Jahr starten", kündigte Müller an.

Blick auf die Champions-League

Dass er dabei nach wie vor Platz drei und die derzeit fünf Punkte entfernte Champions-League-Teilnahme als Perspektive nannte, erhöht indes nur unnötig den Druck auf ihn selbst.

Müller braucht Ergebnisse, sonst kann er gehen. Aber vielleicht hilft ihm dabei wieder der "Ur-Schalker".

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