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In schweren Zeit heißt es zusammenhalten: die Bochumer machen einen Kreis © getty

In Bochum ist die Situation ernst. Für Team und Trainer könnte die letzte Hinrundenpartie von entscheidender Bedeutung sein.

Von Christian Stüwe

München - Der VfL Bochum rutscht immer tiefer in die Krise.

Nur elf Punkte hat das Team einen Spieltag vor Schluss der Hinrunde auf dem Konto, seit zwölf Spielen warten die Westfalen auf einen Sieg.

In der Tabelle ist der VfL auf Rang 17 abgestürzt - ein direkter Abstiegsplatz.

Fast schlimmer noch als die nackten Zahlen ist jedoch das Auftreten der Bochumer bei ihrem Auswärtsdebakel in Frankfurt zu bewerten.

Denn speziell in der zweiten Hälfte nach dem dritten Gegentreffer präsentierten sich die seit sieben Monaten auswärts sieglosen Bochumer desolat und waren am Ende mit dem 0:4 gut bedient.

(Noch) keine Trainerdiskussion

Während in anderen Klubs in solchen Situationen die branchenüblichen Mechanismen greifen, ist eine Entlassung von Trainer Marcel Koller beim VfL allerdings kein Thema. Zumindest vorerst.

"Die Trainerfrage stellt sich aktuell immer noch nicht", erklärte Bochums auch Sportvorstand Thomas Ernst nach dem Spiel in Frankfurt. Wobei die zweite Hälfte des Satzes durchaus Interpretationsspielraum lässt.

Doch Vereinsboss Werner Altegoer wurde noch deutlicher. "Ich will mich nicht jede Woche wiederholen müssen. Unser Trainer steht nicht zur Diskussion", erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende den "Ruhr Nachrichten".

"Bei solchen Geschehnissen, wie sie in Frankfurt passiert sind, ist man doch machtlos. Marcel Koller ist auch in der Rückrunde unser Mann."

Rückendeckung "das Wichtigste"

Koller selbst freut sich über die Rückendeckung. "Das ist das absolut Wichtigste", erklärte Koller Sport1.de. "Und dass sie sehen, wie ich mit der Mannschaft arbeite."

Dennoch wird auch für den Schweizer (Porträt) viel davon abhängen, wie sich die Bochumer beim letzten Heimspiel gegen Köln in die Winterpause verabschiedet. Ausgerechnet gegen den Verein, bei dem Koller im Juni 2004 entlassen wurde.

"Ich erwarte von der Mannschaft, dass sie gegen Köln ihren Mann steht und wir mit einem Sieg in die Winterpause gehen", nahm Ernst Team und Trainer in die Pflicht.

Schwache Offensive

Doch damit es gegen Köln zu einem Sieg reicht, muss sich einiges verbessern. Vor allem die Offensive schwächelt. Stanislav Sestak hat bisher sechs Tore erzielt, seine Sturmkollen Marcin Mieciel (2) und Joel Epalle (0) sind noch weitaus weniger treffsicher.

"Es zieht sich wie ein Roter Faden durch die ganze Saison", ärgerte sich Marcel Maltritz: "Wir stehen immer ganz gut, aber letztendlich kommt nichts dabei raus."

Torhüter patzen gegen Frankfurt

Doch die Offensive ist nicht die einzige Bochumer Baustelle. Gegen Frankfurt waren die Torhüter Daniel Fernandes und Rene Renno maßgeblich an der Niederlage beteiligt.

Fernandes verschuldete zunächst einen Elfmeter, sah dann die Rote Karte wegen einer Notbremse, verletzte sich zu allem Übel bei der Aktion und droht auszufallen. Ersatzmann Renno sah bei den Gegentreffern drei und vier schlecht aus.

"Wir müssen jetzt erst einmal die Kernspintomographie bei Fernandes abwarten. Dann werden wir sehen, ob wir im Winter noch was machen müssen", kündigte Koller an.

"Tabellensituation extrem schwierig"

"Unsere Tabellensituation ist extrem schwierig, die Spieler haben den Kopf unten", erklärte er weiter: "Nun müssen wir sie bis zum Spiel gegen Köln wieder aufbauen."

Allerdings wird auch Mimoun Azaouagh nach seiner fünften Gelbe Karte fehlen. Und so gehen die Bochumer ersatzgeschwächt in das Spiel, dem für das nächste halbe Jahr entscheidende Bedeutung zukommen könnte.

Mit einem Sieg dürfte Koller auf jeden Fall weiterarbeiten, um dann mit einer eventuell verstärkten Mannschaft eine Aufholjagd zu starten.

Wenig Geld für Verstärkungen

Doch die finanzielle Situation ist der sportlichen Lage ähnlich. "Wir halten die Augen offen und werden handeln, wenn uns das möglich ist", erklärte Altegoer und ergänzte: "Wirtschaftlich geht es uns wie Cottbus, Bielefeld oder Karlsruhe. Und wo stehen die in der Tabelle?".

Bielefeld (14.) und der KSC (15.) haben je 13 Punkte, Cottbus hat auf Platz 16 momentan zwölf Zähler.

Mit maximal noch möglichen 14 Punkten (Ergebnisse und Tabelle) aus der Hinrunde ist in Bochum mal wieder Abstiegskampf bis zum Schluss angesagt.

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