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Luca Toni (l.) schoss gegen Hoffenheim seinen achten Saisontreffer © getty

Im Spitzenspiel ging es nicht nur um die Vorherrschaft im deutschen Fußball, sondern auch um die Frage nach dem besten Torjäger.

Von Martin Volkmar und Daniel Rathjen

München - 92 Minuten waren am Freitagabend in der Allianz Arena gespielt, als die Bayern-Fans Michael Rensing mit wütenden Pfiffen zur Eile drängten.

Etwas erschreckt schlug der Keeper den Ball ein letztes Mal hoch und weit in die Hoffenheimer Hälfte.

Dann ging alles ganz schnell und plötzlich kam Luca Toni freistehend zum Schuss ? und traf zum nicht mehr erwarteten und deshalb umso ekstatischer gefeierten 2:1-Siegtreffer.

Toni erleichtert

"Lucas Tor ist aus dem Nichts gefallen", gab hinterher sogar FCB-Kapitän Mark van Bommel zu.

Was den Italiener allerdings nicht im Geringsten störte. "Es ist fantastisch in der 90. Minute zu treffen. Das ist noch schöner als sonst", sagte Toni strahlend.

Zumal dem letztjährigen Torschützenkönig ein riesiger Stein vom Herzen gefallen war. "Ich bin sehr glücklich, dass ich das Tor noch gemacht habe", erklärte er. "Sonst wäre ich nämlich Schuld daran gewesen, dass wir nicht gewonnen hätten."

Ibertsberger nicht schuldlos

Was nicht ganz verkehrt war: Denn Toni vergab zuvor eine Reihe bester Chancen, ehe ihm doch noch sein achter Saisontreffer gelang.

Maßgeblichen Anteil daran hatten allerdings neben Rensing Miroslav Klose und Andreas Ibertsberger.

Der ebenfals glücklose Bayern-Stürmer schirmte den Ball so ab, dass ihn der Hoffenheimer Verteidiger nur noch in Richtung des eigenen Tores wegspitzeln konnte ? und dort stand "Il Bomber".

"Kein glücklicher Sieg"

Während der Unglücksrabe aus Österreich "keine Zeit" vorgab, um sein Missgeschick zu kommentieren, fasst 1899-Spielführer Marvin Compper den Last-Minute-Schock kurz und bündig zusammen: "Ein Fehler von uns und die Abgezocktheit der Bayern haben das Spiel entschieden", ärgerte sich der Neu-Nationalspieler.

Das war es aber nicht alleine, denn die forschen Hoffenheimer mussten am Ende auch ihrem hohem Tempo Tribut zollen und wurden nach Philipp Lahms Ausgleich nach einer Stunde von den stürmischen Bayern immer mehr in die Defensive gedrängt.

"Der Sieg war nicht glücklich. Wir hatten viele Torchancen, die drei Punkte haben wir uns verdient", meinte Matchwinner Toni.

Kein Trost für Ibisevic

Sein frustrierter Hoffenheimer Sturmrivale sah das erwartungsgemäß völlig anders. "Wir haben sehr viel investiert in dieses Spiel und am Ende bekommen wir nichts dafür. Das ist sehr schade", lamentierte der Bosnier.

"Der Sieg ist unverdient. Das Leben geht weiter, aber wir müssen daraus schnell lernen, dass man solche Spiele nicht verlieren darf."

Deshalb war auch sein 18. Saisontor kein Trost für Ibisevic, obwohl dieser damit seine phänomenale Torquote ausbaute und weiter auf den Spuren des "echten Bombers" Gerd Müller wandelt.

Toni: Schalke ist gefährlicher

Diese Tatsache nervt Toni, der bislang insgesamt dreimal in Bundesliga, Serie A und Serie B Torschützenkönig war, gewaltig. "Es ärgert mich, weil ich es gewohnt war, gejagt zu werden. Und jetzt bin ich eben der Jäger", hatte er vor der Partie gesagt.

Nach der Begegnung hingegen waren dem Mann des Abends solche Nebensächlichkeiten egal. Selbst Toni würde für die Meisterschaft auf die Torjäger-Krone verzichten.

Der erneute Titelgewinn steht für ihn ohnehin fest. "Sie haben sich gut verkauft und eine sehr starke Mannschaft. Aber wir sind stärker", meinte der 31-Jährige.

Bei der Frage nach dem härtesten Konkurrenten im Titelkampf zeigte sich Toni dann aber wesentlich weniger treffsicher als auf dem Platz: "Schalke", teilte er den staunenden Umstehenden mit, "die machen mir mehr Angst als Hoffenheim".

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