vergrößernverkleinern
Bayerns neuer Stürmer und sein Vorgänger: Nils Petersen (l.) und Miroslav Klose © getty

Petersen tritt in große Fußstapfen: Doch der neue Bayern-Stürmer hat mit seinem Vorgänger einiges gemein. SPORT1 vergleicht.

Von Tobias Hlusiak

München - Nils Petersen ist ein zurückhaltender Typ. "Ich kann keine großen Töne spucken", sagt der neue Bayern-Stürmer in der "Abendzeitung", der von Zweitligist Energie Cottbus an die Isar wechselt. (241095DIASHOW: Bayerns Planspiele)

Seinen Anspruch untermauert Petersen trotzdem: "Ich will aber Kloses Erbe antreten, wenn meine Zeit gekommen ist."

Der 22-Jährige tritt damit in große Fußstapfen. 98 Mal schnürte Miroslav Klose in der Bundesliga für den Rekordmeister die Schuhe.

24 Tore machte der Nationalstürmer, ehe er nun zu Lazio Rom wechselte. (Bericht: Kloses neuer Klub: Höhenflüge und tiefe Abgründe)

Wollitz glaubt an Ex-Schützling

Zwar dürfte Petersen keineswegs sofort Klose eins zu eins ersetzen, mittel- bis langfrisistig trauen ihm die Verantwortlichen das aber zu - vor allem auch Claus-Dieter Wollitz.

"Wenn er nicht das Zeug hätte, hätte er es nicht gemacht", meint der Trainer bei SPORT1 - und verspricht: "Da kommt ein absoluter Top-Top-Profi zu den Bayern. Petersen ist einer, der auch bei Bayern nicht die Bodenhaftung verliert."

"Ich war zwar der beste Stürmer der Zweiten Liga, aber so weit wie ein Klose bin ich noch nicht", weiß der Ex-Cottbuser selbst.

"Das ist eine andere Welt"

Und ergänzt: "Das ist eine andere Welt mit einer ganz eigenen Mentalität. In München ist alles moderner und professioneller. Ich muss das alles erst begreifen und freue mich auf die Zukunft."

Ähnlich erging es auch Klose, der 2007 allerdings als gestandener Bundesliga-Akteur von Werder Bremen nach München kam.

SPORT1 vergleicht den neuen Bayern-Stürmer und dessen Vorgänger - und entdeckt durchaus Gemeinsamkeiten:

Herkunft und vorheriger Klub:

2007 startete Petersen seine Profikarriere in der Zweiten Bundesliga beim FC Carl Zeiss Jena.

In der Winterpause 2008/'09 wechselte er zum Bundesligisten Energie Cottbus, für den er am letzten Spieltag gegen Bayer Leverkusen (3:0) sein Erstligadebüt gab. Nach dem folgenden Abstieg schaffte Petersen seinen Durchbruch, wurde nach neun Treffern in der ersten Spielzeit in der nun abgelaufenen mit 25 Toren bester Knipser.

[kaltura id="0_elkeatx1" class="full_size" title="Petersens Vorstellung im Video"]

Auch deshalb lockte Bayern mit einem Dreijahresvertrag beim FC Bayern (Petersen: "Da war ich erst mal sprachlos").

Klose damals schon Bundesliga-Routinier

Als Klose dagegen zum Rekordmeister kam, blickte er bereits auf eine erfolgreiche Bundesliga-Karriere beim 1. FC Kaiserslautern und in Bremen zurück.

Schon 209 Spiele und 97 Tore standen für den Nationalstürmer zu Buche, der sich zudem Vize-Weltmeister 2002 und WM-Dritter 2006 nennen durfte.

Lediglich Titel gingen dem Pfälzer noch ab, die er in der Folge einheimsen sollte.

Konkurrenz und Situation:

Petersen wird in Bayerns Sturm-Hierarchie voraussichtlich Stürmer Nummer vier sein. Torschützenkönig Mario Gomez ist als alleinige Spitze gesetzt, dahinter scharrt der wiedergenesene Ivica Olic mit den Hufen.

Sollten die beiden nicht zur Verfügung stehen, wird Jupp Heynckes wohl auf Thomas Müller ? sonst im Mittelfeld eingesetzt - als Speerspitze setzen, erst dann dürfte Petersen kommen.

Dessen Chance könnte aber die vom neuen Coach anvisierte Rotation sein. Die Bayern werden in drei Wettbewerben an den Start gehen. Das schafft Minuten für Petersen.

Mit Toni und Podolski

2007 waren die Münchner in der "Abteilung-Attacke" nicht minder Prominent aufgestellt. Neben Klose wechselte Luca Toni zu den Bayern.

Dazu gesellten sich Lukas Podolski, Jan Schlaudraff und Sandro Wagner.

Klose kam in seinem ersten Jahr beim Rekordmeister auf zehn Tore und acht Vorlagen in 27 Bundesligaspielen. Mit Toni bildete er ein gefürchtetes Sturm-Duo, was allerdings auch darin begründet lag, dass der FCB vor vier Jahren noch mit zwei echten Spitzen antrat.

Mentalität und Ausstrahlung:

"Ich war immer zurückhaltend. Viele haben das oft als Schwäche gesehen, aber ich betrachte das als eine Stärke an mir", beschreibt Petersen seinen eigenen Charakter. "Bis jetzt bin ich damit gut gefahren. Ich werde mich nicht verstellen."

Der 22-Jährige präsentierte sich auch bei seiner Vorstellung an der Säbener Straße ruhig und in sich gekehrt, allerdings zielstrebig.

In diesem Punkt sind sich beide Stürmer wohl am ähnlichsten: Auch der spröde Klose ist nicht gerade ein Lautsprecher. Zwar übernahm er mit zunehmender Erfahrung Aufgaben eines Führungsspielers, äußerte Kritik allerdings zumeist mannschaftsintern.

Zwei Familienmenschen

Der Nationalstürmer lebt - frei von Skandalen - mit seiner Frau Silvia und den Zwillingen Noah und Luan.

Auch Petersen ist in festen Händen. Seine Freundin Annemarie gibt ihm den nötigen Rückhalt beim Neuanfang in München.

"Sie hat immer gesagt, dass sie überall mit mir hingeht", sagt der ehemalige Cottbuser, der sich selbst als "Familienmensch" bezeichnet. Wie auch Klose.

Stärken und Schwächen

Petersens Kopfballstärke, sein Torriecher sowie die Fähigkeit, mit dem rechten und linken Fuß zu schießen, haben ihn zum besten Stürmer der Zweiten Bundesliga gemacht. Seine Schnelligkeit hilft zudem im Konterspiel.

Manche Experten bezeichnen den 22-Jährigen deshalb als "perfekten Stürmer".

An Erfahrung mangelt es ihm noch. Zudem wird er sich an das technisch anspruchsvolle Kombinationsspiel der Münchner, gerade zusammen mit Franck Ribery und Arjen Robben, gewöhnen müssen.

Klose kein Joker

Klose galt zu Beginn seiner Karriere lange als reiner Kopfballspieler. Erst mit zunehmendem Alter entwickelte er sich auch "auf dem Boden" weiter.

Zudem ist der Neu-Laziali ein mitspielender Angreifer, der sich stets in den Dienst der Mannschaft stellt.

Kloses ist allerdings ein Spieler, der als "Joker" nur schwer auf Touren kommt. In seinen vier Jahren bei Bayern erzielte er nur vier Tore nach Einwechslungen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel