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Horst Heldt ist seit Juli 2010 Manager bei Schalke 04 © getty

SPORT1 blickt auf den Neuaufbau der Krisenklubs: Schalke will die Fehler der vergangenen Saison aufarbeiten und den Kader umbauen.

Von Thorsten Mesch und Björn Seitner

München - Will man die vergangene Saison aus Sicht des FC Schalke 04 in Worte fassen, dürfen "Achterbahn" und "emotional" nicht fehlen.

Betrachtet man den Sieg im DFB-Pokal und das Erreichen des Halbfinales in der Champions League, war die Spielzeit eine der erfolgreichsten in der Vereinsgeschichte.

In der Bundesliga konnten die Königsblauen aber die Erwartungen bei weitem nicht erfüllen und landeten nur auf Platz 14.

Die schlechteste Platzierung seit 1994.

Überschattet wurde alles durch die dauernde Kontroverse um Felix Magath, die letztendlich in der Entlassung des Trainers endete.

Risse im Verein kitten

"Es gab tiefe Risse in unserem Verein, es gab eine große emotionale Spaltung", erklärte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies am Mittwoch.

"Wir müssen darüber sprechen, was passiert ist und weshalb. Und wir müssen diskutieren, was wir daraus lernen für die Zukunft", forderte der Vereinsboss.

Diskutiert werden soll die Zukunft der Königsblauen am Sonntagmittag auf der Jahreshauptversammlung in der Emscher-Lippe-Halle in Gelsenkirchen.

Werte wichtiger als eine Meisterschaft

"Natürlich können wir über vieles kontrovers diskutieren und uns so richtig die Meinung sagen - aber ohne die gegenseitigen Vorwürfe, kein 'guter Schalker' zu sein", betonte Tönnies.

Man müsse "diese ungeheure Energie, diese wahnsinnige Power, die in diesem Verein steckt, bündeln und in eine Richtung lenken. Wir müssen wieder zusammenwachsen".

Werte, eine Philosophie, der Umgang miteinander und "diese positive Beklopptheit", die Schalke auszeichnet, seien dabei "wichtiger, als einmal Meister zu werden."

Klare Philiosophie und Identität gefragt

Die Aufgabe von Sportvorstand Horst Heldt und Trainer Ralf Rangnick sei es, "eine Mannschaft mit einer klaren Philosophie und einer Identität" aufzubauen, betonte Tönnies.

Nach der wilden Einkaufstour von Felix Magath im vergangenen Jahr scheint Schalke diesmal alles anders machen zu wollen - und vor allem alles richtig.

In der Serie "Raus aus der Krise" nimmt SPORT1 den Neubeginn auf Schalke unter die Lupe.

Keine wilden Einkaufstouren mehr

Zwar stellt der Wechsel von Kapitän Manuel Neuer zum FC Bayern sportlich und menschlich einen großen Verlust für die oft zitierte "Schalker Familie" dar.

Finanziell ist er jedoch zunächst ein Gewinn. Die Einnahmen aus der Champions League und die Verlängerung des Vertrags mit dem Hauptsponsor "Gazprom" bringen Schalke zusätzlichen finanziellen Spielraum.

Über eine Rückkehr von Jens Lehmann als Ersatzkeeper wurde spekuliert, die vier Millionen (plus Bonus), die der 41-Jährige für sein Bundesliga-Comeback angeblich verlangt, wären aber wohl anderweitig besser angelegt. (BERICHT: Lehmann zu gierig für Schalke?)

Mit dem Österreicher Christian Fuchs von Mainz 05 haben Heldt und Rangnick bereits die Defensive verstärkt, Nationalspieler Lewis Holtby kehrt nach einer starken Saison in Mainz zurück, Marco Höger kommt von Zweitligist Aachen für das Mittelfeld.

[kaltura id="0_z272ucdd" class="full_size" title="Kann Lehmann es nicht lassen "]

Knipser für das Sturmzentrum gesucht

Aber im Sturm gibt es noch Luft nach oben. Mit nur 38 erzielten Toren war Schalkes Angriff in der vergangenen Saison der drittschwächste der Liga.

Nur Magaths Transfer-Coup Raul schlug mit 13 Toren voll ein. Klaas-Jan Huntelaar, der allerdings lange verletzt war, traf acht Mal, Edu und Jefferson Farfan erzielten beide nur drei Tore.

Zwei Franzosen im Blick

Rangnick hat bereits zwei Kandidaten für den Angriff im Visier. Während seines Urlaubs sah er sich das französische Erstliga-Spiel zwischen Stade Brest und dem FC Toulouse an.

Brest-Stürmer Nolan Roux und Toulouse-Mittelfeldakteur Etienne Capoue haben das Interesse des Trainers geweckt. Beide haben bei ihren Klubs jedoch noch Vertrag und wären somit keine Schnäppchen.

Farfan noch unentschlossen

Verlängern wollen die Schalker mit Farfan, der sich nach Magaths Abschied wieder auf Schalke wohlfühlt.

"Ich habe noch ein Jahr Vertrag. Jetzt muss man sehen, was passieren wird", sagte Farfan zuletzt zu SPORT1(Farfan im Interview).

Der Peruaner will nach Triumph im Pokal auch in der Bundesliga wieder um den Titel mitspielen.

"Wir haben eine sehr starke Mannschaft, wenn wir unser Potenzial ausschöpfen", glaubt der 26-Jährige, der 2010 mit Schalke Vize-Meister wurde.

Aufgeblähter Kader wird verkleinert

Heldt und Rangnick sind dabei, den aufgeblähten Kader mit Personalkosten von 70 Millionen Euro auf ein halbwegs gesundes Maß zu verkleinern.

Tore Reginiussen (zu Odense BK), Ali Karimi, Angelos Charisteas (beide Ziel unbekannt), Ciprian Deac (Rapid Bukarest, ausgeliehen), Vasileios Pliatsikas (MSV Duisburg, ausgeliehen) und Danilo Avelar (Karpaty Lviv, war ausgeliehen) sind bereits weg, weitere Spieler sollen gehen.

Pander vor Wechsel nach Hannover

Auch Christian Pander wird den Verein verlassen. Hannover scheint der aussichtsreichste Kandidat zu sein, auch Magaths Wolfsburg ist angeblich interessiert.

Lukas Schmitz ist bei Werder Bremen und dem FC Augsburg im Gespräch, Hoffenheim will den zuletzt an den FC St. Pauli ausgeliehnen Carlos Zambrano verpflichten.

Für Bankdrücker wie Christoph Moritz, Nicolas Plestan, Anthony Annan und Hao Junmin einen Abnehmer zu finden, wird jedoch eine echte Herausforderung.

"Einen Manuel Neuer zu verkaufen, ist nicht schwierig", sagt Heldt. "Für Spieler, um die sich keiner reißt, einen Käufer zu finden - das ist die große Kunst."

Champions-League-Platz als Ziel

Die Aufarbeitung der Vergangenheit und der Weg zu einer Schalker Identität sind die zentralen Punkte, die sich die Verantwortlichen auf die Fahnen geschrieben haben.

Dennoch dürfen die sportlichen Ziele nicht aus den Augen verloren werden.

"Wir müssen wieder einen Champions-League-Platz erreichen", sagt Huntelaar.

Eine Ansage, der sich auch Clemens Tönnies wohl nicht verschließen wird.

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