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Rafinha (l.) spielte von 2005 bis 2010 beim FC Schalke © imago

Der Brasilianer soll Lahms perfektes Pendant werden. Doch wie fügt sich der Ex-Schalker mit dem Rüpel-Image in München ein?

Von Christoph Gschoßmann

München - Dass die Defensive des FC Bayern nach der für Münchner Verhältnisse fast katastrophalen Saison verstärkt werden musste, war überdeutlich.

Nur dank der glänzend aufgelegten Abteilung Attacke um Arjen Robben, Franck Ribery und vor allem Torschützenkönig Mario Gomez schaffte der Rekordmeister am Saisonende noch sein Minimalziel und erreichte Platz drei.

Mit der Verpflichtung des Ex-Schalkers Rafinha sollen die Defensivsorgen des Rekordmeisters nun deutlich verringert werden (241095DIASHOW: Bayerns Planspiele).

Rafinha selbst kann es kaum erwarten, dabei zu helfen und das rote Trikot überzustreifen: "Der Traum meines Lebens wird wahr. Ich werde diese Chance nutzen. Jetzt heißt das Motto: Attacke!", sagte der Brasilianer in einem Interview mit der "Sport Bild".

Brasilianische Skandalnudel

Gerade auf der rechten Abwehrseite sucht der FCB seit Jahren händeringend für ein adäquates Pendant für die einzige Konstante der Münchner Hintermannschaft, Nationalspieler Philipp Lahm. Doch ist ausgerechnet Rafinha die Lösung?

Während seiner ersten Bundesligastation war der 25-Jährige alles andere als ein Kind von Traurigkeit.

Schier unendliche Wechseltheater, ausschweifende Partynächte bis zum Polizeieinsatz, Trunkenheit am Steuer und seine unerlaubte Abreise zu Olympia 2008 sind nur einige der Duftmarken, die der Verteidiger auf Schalke hinterließ.

Flucht mit dem Stinkefinger

Fast schon legendär sind die Fotos des flüchtenden Rafinha vor seinem Peking-Trip, als er sich von den wartenden Journalisten mit dem Stinkefinger verabschiedete.

Die 700.000 Euro Strafe, zu der ihn die fuchsteufelswilden Königsblauen anschließend zur Kasse boten, zahlte er erst gar nicht.

"Er sucht immer nach der Grenze", sagt auch Schalkes Ex-Coach Fred Rutten über die Ausschweifungen des Brasilianers.

[kaltura id="0_9fwzw1gs" class="full_size" title="Boateng Bin mir mit Bayern einig"]

Versöhnung mit Ribery

Aber nicht nur im eigenen Lager ist Rafinha in seiner ersten Bundesligazeit angeeckt. Durch seine extrem hartnäckiges Zweikampfverhalten machte er sich bei den Gegnern keine Freunde. Gerade in den Duellen mit Ribery ging es heiß her.

Rafinha weiß: "Er mag meine Art zu spielen nicht. Ich war immer sehr nickelig und hart gegen ihn. Ich weiß, dass meine Art, zu decken und zu spielen, die Gegenspieler nervt."

Ein Problem sieht er im Wiedersehen mit seinem alten Kontrahenten nicht: "Ich werde auf Franck zugehen und den Ärger mit ihm klären. Meine neuen Mitspieler werden merken: Ich tue alles für den Erfolg." Worte, die auch aus dem Mund vom ehemaligen Bayern-Kapitän Mark van Bommel hätten kommen können.

In van Bommels Fußstapfen?

Rafinha mit seiner unnachgiebigen Art könnte das Vakuum des abgewanderten Aggressive Leaders füllen, dass der Abgang des Niederländers im physischen Bereich hinterlassen hat.

"Ich bin gerne giftig und habe auch nichts gegen den Vergleich mit van Bommel. Nur: Ich bin Rafinha, und meine Art steht für sich", stellt der Brasilianer klar.

An Selbstbewusstsein mangelt es Rafinha sicher nicht - ebensowenig an Vertrauen in seine zukünftigen Kollegen:

Lahm geht zurück auf links

"Das ist eine geile Mannschaft, eine Vereinigung der besten Spieler überhaupt. Sportlich muss sich keiner hinterfragen."

Sportlich ist ebenfalls es kaum zu bezweifeln, dass Rafinha den Bayern weiterhelfen kann.

Auch Kapitän Lahm, der mit Freuden wieder auf die linke Seite zurückgeht, ist sich dessen sicher: "Wir brauchen Qualität in unseren Reihen. Und da bringt uns Rafinha mit Sicherheit weiter", sagte Lahm zur "tz".

"Ich trage das Bayern-Gen in mir"

Nur bleibt abzuwarten, ob Charakterkopf Rafinha ins Mannschaftsgefüge passt und er ein skandalfreies Dasein fristen wird.

Dass Rafinha mehr als willig ist, alles für den Erfolg zu tun, steht außer Frage: "Ich war schon immer unheimlich ehrgeizig und gierig nach Erfolg. Christian Nerlinger hat mir von einem 'Bayern-Gen' erzählt. Ich glaube, ich trage dieses Gen in mir."

Alles tun für den Erfolg. Das Motto bei Rafinha sollte vielleicht aber lauten: Nichts tun für den Erfolg.

Denn wenn er sein Privatleben in der ständig wachsamen Medienstadt München in geregelten Bahnen führt und "die Füße still hält", könnte er in der Tat die perfekte Verstärkung für die Münchner sein.

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