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Frank Arnesen gewann mit Eindhoven 1988 den Europapokal der Landesmeister © imago

Der FC Chelsea Hamburg wird immer konkreter. Arnesen baut ein neues Team auf. Bekommen die jungen Spieler auch die nötige Zeit?

Von Christian Stüwe

München - Es geht auch anders, das hat David Rozenhal in der vergangenen Saison am eigenen Leib erfahren.

Beim Hamburger SV ausgemustert, wurde der tschechische Innenverteidiger an OSC Lille verliehen.

In Frankriech wurde Rozenhal nach einer frustrierenden Spielzeit beim HSV wieder zur gefragten Stammkraft und feierte mit Lille sensationell das Double.

Der HSV wurde derweil: Achter.

"Alle erwarten Erfolge"

Was andernorts, etwa bei den Tabellennachbarn in Kaiserslautern (7.) und Freiburg (9.), Grund zur Freude ist, sorgte bei den ambitionierten Hanseaten für tiefe Frustration.

Der Traditionsklub sehnt sich nach Erfolgen wie in den goldenen Tagen Anfang der 80er-Jahre.

Für Rozenhal ist das ein Grund für die Misere. "Der Druck in Hamburg ist enorm groß", erklärte der Tscheche der "Hamburger Morgenpost": "Fans, Journalisten, eigentlich alle erwarten nur Erfolge."

Der Anspruch des Bundesliga-Gründungsmitglieds ist es, um Titel zu spielen, zumindest aber dauerhaft im internationalen Geschäft beheimatet zu sein.

HSV wagt Neuanfang

In den letzten beiden Spielzeiten machten die Hamburger aber eher durch häufige Trainerwechsel, eine epische Sportdirektoren-Suche und den Zirkus um Ex-Vorstandschef Bernd Hoffmann

Deshalb soll jetzt der großen Schnitt erfolgen. Der Neuanfang ist nach dem erneuten Verpassen des internationalen Wettbewerbs nicht nur finanziell eine Notwendigkeit.

Mit dem neuen Spordirektor Frank Arnesen und Trainer Michael Oenning soll die Wende hin zu besseren Zeiten geschafft werden.

In der Serie "Raus aus der Krise" nimmt SPORT1 den Neubeginn in Hamburg unter die Lupe.

Sportdirektor als Hoffnungsträger

Hoffnungsträger in Hamburg ist Arnesen. Der Däne kam vom FC Chelsea und fast scheint es, als wollte er eine Filiale der "Blues" in Hamburg machen.

Drei Spieler seines Ex-Klubs hat Arnesen bereits verpflichtet, ein vierter steht unmittelbar vor einem Engagement in Hamburg. 316092(DIASHOW: Bundesliga-Wechselbörse)

[kaltura id="0_qgqpqv54" class="full_size" title="Mancienne in Hamburg gelandet"]

Sala und Töre als Perspektivspieler

Allerdings handelt es sich hierbei keinesfalls um Spieler aus der ersten Reihe des Londoner Starensembles, sondern um Profis aus der zweiten Mannschaft beziehungsweise den Jugendteams der Engländer.

Während Jacopo Sala und Gökhan Töre, beide 19 Jahre alt, vor allem als Investitionen in die Zukunft gelten, soll Michael Mancienne sofort helfen. Der 23-Jährige Defensiv-Allrounder bringt es auf 50 Premier-League-Einsätze, die er allerdings vor allem als Leihspieler für die Wolverhampton Wanderers absolvierte.

Auch der 19-jährige niederländische Nationalverteidiger Jeffrey Bruma wäre sofort ein Spieler für die erste Elf des HSV.

Wenn er den Medizincheck problemlos absolviert, ist der Wechsel perfekt. (BERICHT: "Blaue Welle" bei den "Rothosen")

Junge, hungrige Spieler sollen es richten

Die vier Youngster zeigen auf, wohin der Weg gehen soll. Der Kader wird mit jungen, hungrigen Spielern aufgefrischt, nachdem Alt-Stars wie Ruud van Nistelrooy, Ze Roberto oder Joris Mathijsen den Klub verlassen haben, oder kurz davor stehen.

Auch Dribbler Jonathan Pitroipa dürfte gehen, laut Hamburger Medienberichten soll Stade Rennes bereit sein, sechs Millionen Euro für den Burkiner zu zahlen.

Mathijsen weilte am Donnerstag zum Medizincheck beim spanischen Mittelklasse-Klub FC Malaga, dort war schon Landsmann Ruud van Nistelrooy untergekommen.

Das Budget wird knapper

Der Niederländer könnte dem HSV bis zu drei Millionen Euro Ablöse einbringen - und würde zudem das Gehaltsbudget entlasten.

Denn der Hamburger Umbruch ist auch aus der Not geboren, die Das Personalausgaben von 55 Millionen auf 45 Millionen Euro kürzen zu müssen.

"Wer zwei Jahre nicht in den internationalen Wettbewerb kommt, muss so handeln", räumte Vorstandsboss Carl Edgar Jarchow im "kicker" ein.

Wohin führt der Weg?

Von daher wird der personelle Umbruch in Hamburg durchaus kritisch gesehen. Fast scheint es, als ob die Wiederholung des achten Platzes aus der Vorsaison schon ein Erfolg wäre.

Vereinzelt wurde sogar über eine mögliche Verwicklung in den Abstiegskampf spekuliert.

Ein Wettanbieter sieht Coach Oenning als "Favoriten" für die erste Trainer-Entlassung der Saison.

"Junge Spieler brauchen Zeit"

Steffen Freund kennt die Neuverpflichtungen des HSV nicht, dafür aber Frank Arnesen. "Er wollte mich 1996 zu PSV Eindhoven holen", berichtet der U-17-Nationaltrainer im Gespräch mit SPORT1:

"Ich glaube, dass der HSV einen sehr guten Manager geholt hat, der sich sehr gut im englischen und europäischen Fußball auskennt. Er hat bei Tottenham Hotspur und bei Chelsea gearbeitet, bei großen Vereinen."

Wenn man Arnesen vertraue, könne sich in Hamburg "einiges entwickeln", glaubt Freund.

"Junge Spieler brauchen aber Zeit", sagt der 41-Jährige: "Es ist dann die Frage, ob man sie in Verbindung mit dem jeweiligen Trainer bekommt."

Die Geduld fehlt

Und genau hier könnte das Problem liegen. Denn Zeit ist etwas, was die Verantwortlichen in Hamburg in den letzten Jahren nie hatten.

Das weiß nicht nur David Rozenhal. Der müsste eigentlich wieder beim HSV antreten, will aber lieber dauerhaft in Lille bleiben.

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