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Arturo Vidal wechselte 2007 von Chiles Top-Klub Colo Colo nach Leverkusen © imago

Arturo Vidal rudert zurück und realtiviert seine Wechsel-Forderung. Vom Ausgang des Pokers hängen einige weitere Personalien ab.

Von Matthias Becker

München - Christian Nerlinger muss als Sportdirektor des FC Bayern in diesem Sommer ein dickes Fell beweisen.

Trotz des erfolgreich beendeten Transfer-Pokers um Torhüter Manuel Neuer kann sich der Ex-Profi nicht zurücklehenen - und muss sich sogar verspotten lassen.

"Jemanden haben zu wollen und jemanden zu verpflichten sind zwei unterschiedliche Dinge. Ich hätte auch gerne Messi und einen Ferrari", stichelte Mike Rigg, Sportdirektor von Manchester City, unlängst.

Dabei wollen die Bayern von den "Citizens" gar keinen Messi sondern "nur" Jerome Boateng auslösen.

Geschacher um Millionen

Mit dem Spieler haben sich die Münchner auf einen Vierjahresvertrag geeinigt, mit dessen Klub liegt man bezüglich der Ablösesumme noch weit auseinander. 20 Millionen Euro wollen die Engländer angeblich haben, die Bayern aber nur 12,5 zahlen.

Es wird zum wiederkehrenden Thema dieses Transfer-Sommers, dass die Klubs ihre Position, Wunschspieler des FC Bayern in ihren Reihen zu haben, genüsslich ausspielen.

Der Rekordmeister will nach der enttäuschenden vergangenen Saison mit aller Macht wieder nach oben - und das wissen auch die potenziellen Geschäftspartner. (241095DIASHOW: Bayerns Planspiele)

Vidal rudert zurück

Auch im Poker um Leverkusens Arturo Vidal macht diese Ausgangslage Nerlinger das Leben schwer. Beim Chilenen durften sich die Münchner am Mittwoch schon auf einem guten Kurs wähnen.

Er wolle auf jeden Fall zu den Bayern - und zwar sofort, wurde Vidal da zitiert.

Nun ruderte er im Trainingslager der chilenischen Nationalmannschaft für die Copa America angeblich zurück. Er habe "kein Problem damit in Leverkusen zu bleiben", versicherte Vidal dem "Corriere dello Sport". Schließlich spiele Bayer kommende Saison in der Champions League.

[kaltura id="0_3cuw8okx" class="full_size" title="Vidal fordert Freigabe"]

Zudem habe Sportdirektor Rudi Völler einem Wechsel eine Absage erteilt: "Damit ist das Thema für mich vom Tisch."

Träsch als Ersatz?

Das glaubt sicherlich nicht mal Völler. Der Ex-Stürmer erklärte in der Münchner "tz" aber auch, dass er von den Wechselabsichten Vidals gar nicht überzeugt sei. "Das hat auch sein Berater gegenüber uns richtiggestellt", so Völler.

Das Belauern geht also weiter. Denn obwohl Vidal sportlich schwer zu ersetzen wäre, geht es Bayer - wie ManCity im Fall Boateng - auch darum, ein saftiges "Schmerzensgeld" zu erzielen.

Zumindest so viel, um einen ähnlich starken Ersatz holen zu können. Der Name Christian Träsch macht die Runde, der Nationalspieler des VfB Stuttgart lehnte eine Vertragsverlängerung bei den Schwaben ab. Da sein Vertrag nur noch bis 2012 läuft, ist ein Sommer-Wechsel zu erwarten.

Gleiches gilt eigentlich auch für Vidal. Die Bayern müssten aber "richtig Geld regnen lassen", um den Chilenen aus seinem bis 2012 laufenden Kontrakt auszulösen, zitiert die "Süddeutsche Zeitung" aus Vereinskreisen.

Überangebot im Mittelfeld

Mit solch einem Geldregen würden die Münchner eine weitere Personalentscheidung beeinflussen. Denn mit der Verpflichtung eines weiteren defensiven Mittelfeldspielers (Vidal), würde das Überangebot im Münchner Mittelfeld weiter wachsen.

Erst im Winter holten die Bayern für einen zweistelligen Millionenbetrag Luiz Gustavo aus Hoffenheim. Mit Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos, Anatoliy Tymoshchuk, Danijel Pranjic und David Alaba stehen fünf weitere Profis im Kader, die potenziell als Sechser eingesetzt werden könnten.

"Ich hätte überhaupt nichts dagegen, wenn Arturo kommt", behauptet zumindest Gustavo in der "tz".

Alaba noch ein Jahr in Hoffenheim?

Bei Alaba sieht es da etwas anders aus. "Ich möchte Fußball spielen", sagte der österreichische Nationalspieler dem "kicker".

Kommt Vidal, schwindet die Chance darauf bei den Bayern noch ein bisschen mehr, Alaba könnte ein weiteres Jahr als "Praktikant" in Hoffenheim reüssieren.

Usami-Deal so gut wie fix

Immerhin an einer Front sind die Münchner nach "kicker"-Informationen erfolgreich gewesen: Japan-Talent Takashi Usami von Gamba Osaka wird mit Kaufoption ausgeliehen.

Der Wechsel sei "so gut wie klar", verkündete Sportdirektor Christian Nerlinger. Usami wird aber erst Mitte Juli in München einfliegen, bis dahin muss er noch für seinen bisherigen Klub auflaufen.

Aber solche Kleinigkeiten dürften Nerlinger kaum noch aus der Bahn werfen.

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