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Bange Blicke gen Kraichgau: Die Bayern-Bosse Rummenigge und Hoeneß © imago

Eines ist nach dem Kräftemessen zwischen dem FC Bayern und 1899 klar: Die Emotionen versprechen den Beginn einer Rivalität.

Von Daniel Rathjen

München - Am Freitagabend standen sich die beiden besten Mannschaften Deutschlands gegenüber.

Das erste Duell zwischen dem FC Bayern und 1899 Hoffenheim elektrisierte die ganze Nation. (der Nachbericht).

Münchens Trainer Jürgen Klinsmann jubelte wie in Ekstase, sein Pendant Ralf Rangnick fluchte nach dem Last-Minute-K.o. mindestens ebenso emotionsgeladen.

"Radikaler Impuls"

Auch außerhalb Deutschlands hinterließ die in 168 Länder übertragene Partie einen gewaltigen Eindruck.

"Wer hätte gedacht, was für Gefühle ein Treffer gegen den 'Dorfklub' auf der Münchner Bank hervorrufen kann?", fragte die "Neue Zürcher Zeitung".

Hoffenheims "Wunderbande" hätte zwar nicht die Ordnung der Vergangenheit geändert, "ihr radikaler Impuls wurde jedoch nicht niedergeschmettert", schrieb die "Gazzetta dello Sport".

Rummenigge zollt Respekt

Denn eines wurde deutlich: In Hoffenheim wächst ein Rivale heran, der den Bayern dauerhaft gefährlich werden könnte.

"Das ist ein Konkurrent, den wir absolut respektvoll behandeln müssen. Wir werden hart fighten müssen, um uns am Ende gegen Hoffenheim durchzusetzen und Deutscher Meister zu sein", befand Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge.

Ob er langfristig um die Vormachtstellung des FC Bayern in Deutschland fürchte?

Rummenigge: "Hoffenheim ist im Kommen, keine Frage. Für einen Machtwechsel braucht man allerdings ein paar Jahre, nicht ein paar Spiele. Hoffenheim wird aber, bei den Voraussetzungen, die sie haben, auch längerfristig oben eine Rolle mitspielen."

Hoeneß attackiert

Das ahnt auch Manager Uli Hoeneß. Dessen Nerven liegen aber bereits blank, und er stichelt wie einst gegen Schalke, Dortmund, Bremen oder Leverkusen. Im DSF-Doppelpass wurde das explizit deutlich (zum Artikel: Hoeneß attackiert Rangnick).

Er kämpft mit offenem Visier, wenn er sagt: "Von einem Machtwechsel zu sprechen, ist noch viel zu früh. Die Hoffenheimer sollen nächstes Jahr erstmal international spielen."

Hoeneß ergänzt: "Wir schauen dann weiter, wenn auch Hoffenheim fünf, sechs schwere Champions-League-Spiele in den Knochen hat. Wir kommen am nächsten Spieltag aus Lyon nach Stuttgart, die Hoffenheimer ruhen sich die ganze Woche auf der Couch aus."

Der Manager will sich partout nicht einschüchtern lassen. "Es gab viele Gegner, die sich mit dem FC Bayern gemessen haben, aber am Ende eben nicht die Kraft - auch die Wirtschaftskraft - gehabt hatten", weiß er.

Konkurrenz ohne Konstanz

"Die Bremer haben uns jetzt so lange geärgert und irgendwann geht halt jedem ein bisschen die Luft aus", blickt Hoeneß zurück.

"Es war der HSV. Es waren auch Leverkusen, Schalke 04 - ich versteh das: Wenn du immer dran bist und am Ende den Titel nicht gewinnst, dann ist es eben extrem schwierig. Deswegen ist die Liga ja so happy, dass Hoffenheim gekommen ist."

Im Subtext schwingt bei ihm jedoch stetig ein wenig Sarkasmus mit.

Obwohl er Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp "extrem" als Person schätzt: Dass dieser mit seinem Geld einen so starken Konkurrenten erschaffen hat, grämt ihn. Der Eindruck entsteht, ob Hoeneß es zugibt oder nicht.

Rangnick im Visier

Abgesehen hat er es allerdings wohl auch auf Rangnick. Für Hoeneß ist der Hoffenheimer Coach ein "Besserwisser".

"Wenn ich lese, dass er das hohe Tempo im Spiel von seiner Mannschaft erwartet hat und von den Bayern nicht, dann mache ich mir große Sorgen. Denn bisher hat Rangnick immer ein gutes erstes Jahr erlebt und anschließend wurde er entlassen. Er wird noch feststellen, dass Höhenluft viel dünner ist, als die Luft, die er derzeit genießt."

Es zeichnet sich ab: Die Bayern haben in Hoffenheim mit Rangnick und Hopp einen neuen Erzfeind.

"Die Bemerkungen gingen zu weit"

Er habe Hoeneß' Auftritt nicht gesehen und "kein Interesse an persönlichen Verunglimpfungen", erklärte Rangnick dem "kicker". (Rangnick im Interview).

"Die Bemerkungen gegen Rangnick gingen zu weit", ergänzte Manager Jan Schindelmeiser.

Doch die Attacken sorgten ebenso wenig für anhaltenden Frust bei Schindelmeiser wie die unglückliche Niederlage. Vielmehr glaubt er an einen wertvollen Lerneffekt:

"Das Bewusstsein, über weite Strecken mit den Bayern mitgehalten zu haben, gibt noch mehr Selbstvertrauen. Dass das Spiel am Ende verloren geht, ist bitter, wird uns aber insgesamt noch ein deutliches Stück voranbringen."

Und noch mutiger fügte er hinzu: "Wenn wir im nächsten Jahr in München auflaufen, werden die Jungs das noch viel besser machen als diesmal."

Entscheidendes Duell im Rückspiel?

Bei den Bayern ahnen sie längst, was da noch auf sie zukommen könnte. "Wir haben gegen die beste Mannschaft in der Bundesliga gespielt", sagte Klinsmann.

"Wir haben in der Bundesliga einen neuen Konkurrenten", meinte auch Bastian Schweinsteiger und ergänzte in der "Bild": "Ich kann mir vorstellen, dass es am 33. Spieltag im Rückspiel gegen hoffenheim dann das entscheidende Duell um die Meisterschaft gibt."

Die Reaktionen beider Seiten zeigen: Die erste Begegnung der Teams verspricht nur den Auftakt einer spannenden Rivalität.

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