vergrößernverkleinern
Fredi Bobic (r.) ist seit Juli 2010 Sportdirektor beim VfB Stuttgart © imago

Stuttgarts Sportdirektor Fredi Bobic bereitet die nächste Saison vor. Bei SPORT1 spricht er über Träsch, Labbadia und Ziele.

Von Christian Stüwe

München - Ende Juli ist Fredi Bobic seit einem Jahr als Sportdirektor des VfB Stuttgart im Amt (DATENCENTER: Stuttgart zum Auftakt gegen Schalke).

Es dürfte sicherlich eines der schwereren Jahre in der Karriere des ehemaligen Nationalstürmers gewesen sein.

Eine katastrophale Hinrunde mit zwölf Punkten und zwei Trainerwechsel hielten die Schwaben in Atem, bevor unter dem neuen Coach Bruno Labbadia nach einer starken Rückserie der Klassenerhalt gesichert wurde. (ZUR MELDUNG: Topfit gegen den Fehlstart-Flucht)

Aktuell arbeitet Bobic am Kader für die neue Saison, der 39-Jährige reiste auf der Suche nach neuen Spielern für den VfB durch Japan und Argentinien.

Im SPORT1-Interview spricht Fredi Bobic über die Planungen der Stuttgarter, die Personalie Christian Träsch und Labbadia.

Außerdem zieht er eine Zwischenbilanz seiner Zeit als VfB-Manager und äußert sich zu den Zielen der neuen Saison.

SPORT1: Herr Bobic, Sie sind aus Japan zurückgekommen. Gibt es etwas Neues zu vermelden?

Fredi Bobic: Nein, es gibt nichts Neues zu vermelden. Ich habe mir den Markt angeschaut, Spieler beobachtet und auch Gespräche geführt. Eben diese Dinge, die man in dieser Phase macht. Genau wie bei meiner Reise nach Argentinien zuvor. Was sich daraus ergibt, wird sich dann in den nächsten Wochen zeigen. Es ist wichtig, sich bestimmte Dinge direkt vor Ort anzuschauen, um sich selbst ein Bild zu machen.

SPORT1: Auf welchen Positionen sehen Sie Handlungsbedarf?

Bobic: Wir müssen vorbereitet sein, das ist das Wichtigste. In der Transferperiode kann es immer wieder zu Positionswechseln kommen. Es kann sein, dass uns Spieler verlassen. Darauf muss man vorbereitet sein und dann Alternativen parat haben. Das ist das Entscheidende. Welche Positionen das sein könnten, wird man dann sehen.

SPORT1: Christian Träsch hat ein Angebot zur Vertagsverlängerung abgelehnt. Sehen Sie die Chance, dass er trotzdem nächstes Jahr in Stuttgart spielt?

Bobic: Diese Chance gibt es nicht nur, sie ist Realität. Er hat bis 2012 Vertrag bei uns. Sportlich planen wir absolut mit ihm. Und der Sport steht im Vordergrund. Es ist ja nicht so, dass wir ihn angeboten hätten. Er hat die langfristige Vertragsverlängerung erstmal abgelehnt.

SPORT1: Hat es Sie persönlich enttäuscht, dass Träsch das Angebot abgelehnt hat?

Bobic: Man muss es respektieren und akzeptieren, wenn ein Spieler ein Angebot nicht annimmt. Das habe ich gemacht. Da muss man Sportsmann sein. Ich habe es bedauert, aber wir arbeiten weiter daran, es in die richtige Richtung zu bekommen, allerdings haben wir hier keinen Druck, denn er hat noch ein Jahr Vertrag bei uns.

SPORT1: Erschwert sich die Suche nach neuen Spielern dadurch, dass der VfB international nicht dabei ist? (316092DIASHOW: Die Wechselbörse)

Bobic: Nein, ich glaube nicht. Der VfB ist immer eine sehr gute Adresse in der Bundesliga. Das hat nichts damit zu tun, dass wir dieses Jahr mal nicht in der Champions League oder Europa League spielen. Uns werden trotzdem Spieler mit klangvollen Namen angeboten. Aber wir haben neben dem sportlichen Aspekt natürlich immer auch den wirtschaftlichen im Blick

SPORT1: Neuzugang William Kvist ist schon da. Der Däne wär Kapitän und Führungsspieler beim FC Kopenhagen. Kann er auch direkt beim VfB den Ton angeben?

Bobic: Jeder Neuzugang braucht seine Zeit, um sich zu akklimatisieren. Bei William Kvist bin ich mir sehr sicher, dass das schnell gehen wird. Er spricht schon relativ gut Deutsch, hat sich in Kopenhagen ein Standing erspielt und ist Nationalspieler. Er hat ein gutes Auftreten und einen guten Charakter. Im Spiel besticht er durch seine Beständigkeit. Wir haben ihn lange gescoutet und sind froh, dass der Transfer bereits vor Trainingsstart über die Bühne gegangen ist.

SPORT1: Der VfB ist in den letzten Jahren fast schon traditionell schlecht gestartet. Was muss getan werden, um diesmal einen Fehlstart zu vermeiden (DATENCENTER: Stuttgart zum Auftakt gegen Schalke)?

Bobic: Am besten gewinnen wir das erste Spiel. Das wäre schon mal gut, um die Tradition zu brechen. Wir werden in der Vorbereitung alles dafür tun, um topfit in die Saison zu gehen.

SPORT1: Gibt es deswegen spezielle Maßnahmen in der Vorbereitung?

Bobic: Nein. Wichtig ist, dass die physischen Grundlagen da sind. Die Voraussetzungen dafür werden in der Vorbereitung gelegt. Dann muss man hoffen, dass man nicht zu viele Verletzte hat. Sollte das der Fall sein, werden wir eine schlagkräftige Elf auf das Feld bringen, die mindestens genauso stark auftritt, wie sie es in der Rückrunde getan hat.

SPORT1: Sie sind jetzt fast ein Jahr Sportdirektor beim VfB. Wie fällt ihr Zwischenfazit aus?

Bobic: Es gibt viel zu tun und wir haben schon einiges verändert, vor allem die Strukturen. Das geht in der U 17 los und bei den Sportlichen Leitern in der Jugend. Wir haben unter anderem einen neuen U-19-Trainer, einen VfB II- und Torwarttrainer. Ich glaube, wir sind gut aufgestellt. Wir konnten mit vielen Perspektivspielern langfristig verlängern. Das ist sehr wichtig für uns. Wir wollen Spieler, die wir selbst ausgebildet haben, bis in die Bundesliga-Mannschaft durchbringen. Derzeit spielen 21 Spieler aus unserer Jugend in der zweiten Mannschaft.

SPORT1: Steckt Ihnen die schwierige letzte Saison noch in den Knochen?

Bobic: Nein, das war mit dem Klassenerhalt abgeschlossen. Da muss man direkt nach vorne schauen.

SPORT1: Stuttgart hat in den letzten Jahren viele verschiedene Trainer gehabt. Denken Sie, Bruno Labbadia kann für Kontinuität auf dieser Position sorgen?

Bobic: Absolut!

SPORT1: Sie trauen ihm also zu, über Jahre hinweg in Stuttgart etwas aufzubauen?

Bobic: Jeder Verein lechzt nach Kontinuität. Das ist auch bei uns nicht anders. Auf der Position des Cheftrainers wollen wir langfristig mit jemandem zusammenarbeiten. Das ist ganz klar. Der Sport gibt es manchmal allerdings nicht her. Aber ich bin überzeugt davon, dass Bruno Labbadia das schaffen kann.

SPORT1: Wo sehen Sie den VfB in der nächsten Saison?

Bobic: Wir wollen auf jeden Fall eine gute Runde spielen. Der Tabellenplatz ist nicht das Entscheidende, sondern wie wir auftreten. Und dass wir so auftreten, dass wir nicht in so eine Situation wie in der letzten Saison kommen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel