vergrößernverkleinern
Jens Lehmann wechselte im Sommer von Arsenal London zum VfB Stuttgart © getty

Im Fall Markus Babbel und seiner fehlenden Lizenz als Trainer des VfB Stuttgart fordert Jens Lehmann ein "Umdenken" vom DFB.

Stuttgart - Ex-Nationalkeeper Jens Lehmann hat bei der Trainerausbildung in Deutschland nicht nur im Fall Markus Babbel für Ausnahmeregelungen plädiert.

Zudem fordert er DFB-Sportdirektor Matthias Sammer zu einem Umdenken auf.

"Bei diesem Thema sollte er sich noch einmal hinterfragen. Natürlich ist diese Trainerausbildung für manche Leute wichtig. Aber man darf nicht alle gleichsetzen", sagte der Torwart des VfB Stuttgart dem "kicker".

Kahn gibt Sammer Rückendeckung

Lehmanns jahrelanger Konkurrent Oliver Kahn liegt dagegen eher auf einer Wellenlänge mit Sammer.

"Ich gebe ihm recht, die Trainer brauchen eine fundierte Ausbildung. Eine lange Karriere als Spieler qualifiziert mich noch lange nicht für die Karriere eines Trainers", erklärte der.

Für Lehmann drehe sich indes die Kernaufgabe eines Cheftrainers um Taktik und Mannschaftsführung: "Und wo lerne ich das am besten? Nur in einer theoretischen Trainerausbildung?", fragte der 39-Jährige rhetorisch und gab die Antwort gleich selber:

"Ich bezweifle, dass es für jemanden wie Markus Babbel oder mich mit unserer Erfahrung notwendig ist, da für elf Monate hinzugehen", erklärte die ehemalige deutsche Nummer eins weiter, die sich vehement für eine Weiterbeschäftigung von Teamchef Babbel beim VfB einsetzt (Babbel bringt den Umschwung) .

"Er muss eine Chance bekommen"

Laut Lehmann sollte man sich bei Babbel freuen, "dass da ein Mann ist aus einer Generation, der in England in der Top-Liga der Welt gespielt hat und von dort auch seine Erfahrungen mit nach Deutschland bringt. Ob da eine durch ein Zeugnis gesicherte Qualifikation vorliegt, ist nicht entscheidend. Er muss eine Chance bekommen".

Babbel und er konnten in der Premier League "sehr viele wertvolle und innovative Erfahrungen sammeln", so Lehmann weiter. "Ich habe fünf Jahre unter einem der besten Trainer der Welt gearbeitet. Ich habe mir fünf Jahre Notizen darüber gemacht." (Datencenter).

Und weiter: "Ich habe von Arsene Wenger so viel gelernt, dass sich mir im Hinblick auf die Trainerausbildung die Frage stellt: Kann ich dort noch mehr lernen?"

Auf Dauer keine Ausnahmen

Er würde sich freuen, "wenn mir jemand aus Deutschland noch wirklich etwas Neues über den Fußball erzählen kann", ergänzte Lehmann, der selbst einmal Trainer werden will.

Und er fügte eine weitere Spitze gegen den Deutschen Fußball-Bund an: "Beim DFB gibt es doch auch einige Jobs, die anscheindend keine bestimmte Qualifikation voraussetzen."

Auch VfB-Manager Horst Heldt erhofft sich Möglichkeiten, "dass ein Mann wie Babbel die theoretischen Stunden per Fernstudium oder in Abendkursen erledigt".

Babbel darf mit einer Sondergenehmigung des DFB und der Liga bis zum Saisonende als Teamchef beim VfB Stuttgart fungieren.

Anschließend müsste er die elfmonatige Ausbildung zum Fußballlehrer absolvieren. Sammer, ehemals Mitspieler von Babbel und Lehmann, hatte zuletzt schon verdeutlicht, dass er keine Ausnahmen mehr zulassen werde.

Zum Forum - hier mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel