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Opfer von Hoeneß' verbalen Angriffen: Hoffenheimsd Trainer Rangnick (r.) © getty

Nach dem verbalen Nachtreten des Bayern-Managers gegen Hoffenheims Trainer setzt sich der "Überraschungs-Emporkömmling" zur Wehr.

Von Thorsten Mesch

München - Zuerst bezichtigte Uli Hoeneß Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick der "Besserwisserei", dann wetterte der Bayern-Manager im DSF-Doppelpass gegen den Trainer des unterlegenen Gegners.

"Bisher hat er (Rangnick) in seiner Karriere immer im ersten Jahr Super-Leistungen gebracht und im Jahr später war er entlassen", polterte Hoeneß.

In Hoffenheim stießen die Tiraden des Bayern-Managers auf Unverständnis.

Auf laute Töne wartete man beim Tabellenführer jedoch vergebens. (Artikel: Hoeneß attackiert Rangnick)

"Auf das Niveau lasse ich mich nicht herab"

"Auf das Niveau von Herrn Hoeneß lasse ich mich nicht herab", sagte Rangnick der Münchner "tz" und ergänzte: "Vielleicht sollte man Herrn Hoeneß sagen, dass ich schon im dritten Jahr in Hoffenheim arbeite."

Rangnick kritisierte im Gegenzug Hoeneß' Verhalten während des Spitzenspiels in der Münchner Arena. "Wenn Sie wissen möchten, wie sich Herr Hoeneß vor, nach und während der Partie verhalten hat, dann fragen Sie doch mal Bernhard Peters oder Jan Schindelmeiser", meinte der Coach. (Rangnick im Interview)

Peters über Hoeneß verwundert

Sportdirektor Peters bekam die Aufregung des Bayern-Managers nach Abpfiff im Kabinengang am eigenen Leib zu spüren.

"Ich bin auf ihn zugegangen, habe die Hand ausgestreckt und ihm zum Sieg gratuliert", berichtete Peters der "Bild".

Darauf habe Hoeneß "mit rotem Kopf und in sehr aggressivem Ton laut erregt losgelegt: 'Das ist eine unglaubliche Sauerei, was ihr da macht'".

Hoeneß habe die Hoffenheimer als "Rangnicks linke Schauspielertruppe" bezeichnet und sich auch auf Peters' gutes Zureden nicht beruhigen können.

Bayern klagen über Theatralik

Darüber erregten sich auch die Spieler. "Die Hoffenheimer treten, machen versteckte Fouls", behauptete Bayern-Keeper Michael Rensing in der "tz".

"Selbst liegen sie bei jeder Kleinigkeit am Boden, vollkommen überdreht. Wir spielen Fußball und nicht Schach - lächerlich!"

In der Halbzeit soll Hoeneß daher Schiedsrichter Florian Meyer angeschrien haben, um auf das vermeintlich unfaire Spiel des Aufsteigers hinzuweisen. "Die fallen nur um, und Sie fallen auch noch darauf herein. Wenn man so etwas durchgehen lässt, ist das der Tor des Fußballs", rief er laut "kicker". (Nachbericht zum Spitzenspiel)

Kopfschütteln bei Schindelmeiser

"Sehr emotional redete er auf die Schiedsrichter ein", berichtete auch Hoffenheims Psychologe Hans-Dieter Hermann über die Szene. Auch er, so Hermann, sei von Hoeneß mit deutlichen Worten bedacht worden, "die ich nur als Beschimpfung unseres Spiels und unserer Spieler interpretieren konnte".

Kopfschüttelnd nahm Hoffenheims Manager Jan Schindelmeiser die Attacken seines Münchner Kollegen zur Kenntnis. "Ich finde das schade, weil es keinen Grund gibt, das gute Verhältnis zwischen den Klubs zu trüben", sagte Schindelmeiser.

Hoeneß-Attacken "klares Kalkül"

Für Hoeneß' Attacken gegen Rangnick fand er deutlicherer Worte. "Mit zwei Tagen Abstand persönlich verletzend nachzusetzen, ist klares Kalkül", behauptete Schindelmeiser. Wer persönliche Verletzungen einkalkuliert, werde "der besonderen Rolle, die man im Fußball hat, nicht gerecht".

Hoffenheims Manager störte sich nicht auch an Hoeneß' Behauptung, in Hoffenheim werde mehr Geld gezahlt als man annehme: "Das ist absoluter Humbug. Unser Personal-Etat liegt bei 20 Millionen. Das ist eine andere Galaxie."

Über die respektvollen Worte von Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge ("Das wird kein Selbstläufer auf dem Weg zur Meisterschaft. Wir werden gegen Hoffenheim fighten müssen") war Schindelmeiser hingegen erfreut. (Artikel: Bayern hat neuen Erzfeind)

"Das ist angenehm, dass man uns als Konkurrenz wahrnimmt. Vielleicht sind sie ja deshalb so nervös."

Löw: "Nächstes Jahr in der Champions League"

Neben Rummenigge traut auch Joachim Löw dem Aufsteiger Großes zu. "Hoffenheim wird bis zum Schluss oben dabei bleiben", sagte der Bundestrainer, der das Spiel live in der Allianz Arena sah, dem "kicker."

"Dieses Team lebt nicht von der Euphorie eines Aufsteigers, es hat Substanz, Konstanz und wird noch dazulernen. 2009/10 kann ich mir 1899 sehr gut in der Champions League vorstellen."

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