vergrößernverkleinern
Der Brasilianer Diego wechselte 2010 von Juventus Turin zum VfL Wolfsburg © getty

Mit einer empfindlichen Summe geht Wolfsburg gegen den Brasilianer vor und setzt ein Zeichen. Felix Magath fordert sogar Sperren.

Von Barnabas Szöcs

München - Diese Strafe reißt ein großes Loch in Diegos Urlaubskasse.

Wegen seiner abrupten Flucht vor dem letzten Saisonspiel gegen Hoffenheim, als ihn Trainer Felix Magath nicht nominiert hatte, muss der Wolfsburger Ballzauberer eine Rekordsumme an die Niedersachsen zahlen (DATENCENTER: Bundesliga-Spielplan 2011/12).

Ein ganzes Monatsgehalt kostet den 26-jährigen Brasilianer laut "Sport Bild" der Hoffenheimer Abgang - bei einem Jahressalär von sechs Millionen Euro wären das immerhin 500.000 Euro.

Für Magath ein durchaus angemessener Betrag: "Wir haben für die Schwere des Vergehens das richtige Strafmaß gefunden", ließ der 57-Jährige verlauten.

Höchstsatz für Diego

Wolfsburg setzt mit der drastischen Strafe ein deutliches Zeichen. Laut Paragraf 6 in den Muster-Arbeitsverträgen können Vereine ihre Spieler mit Summen bis zu einem gesamten Monatsgehalt sanktionieren - wie im Fall Diego geschehen.

Dies bestätigt DFL-Justiziar Jürgen Paepke der "Sport Bild": "Der Muster-Arbeitsvertrag sieht als Höchstsatz für eine Vertragsstrafe ein Monatsgehalt des Spielers vor."

Klare Ansage an Diego

Diego selbst ließ über seinen Sprecher Leo Scheinkman ausrichten, dass er während seines Urlaubs nicht zu sprechen sei.

Am kommenden Freitag bestreitet Wolfsburg in Gifhorn ein Testspiel gegen eine Regionalauswahl und plant dabei fest mit dem Brasilianer: "Freitagmittag muss er in der Kabine sein", sagte Vereinssprecher Gerd Voss: "Ich vermute, dass Diego heute in Brasilien in den Flieger steigt."

Probleme bereits bei Werder

Wolfsburgs Reaktion ist durchaus nachvollziehbar, denn Diego gilt nicht unbedingt als Beispiel eines Muster-Profis. Bereits während seiner Zeit bei Werder Bremen fiel er durch Trainings-Verspätungen nach Urlauben auf (420225DIASHOW: Der Start in die Vorbereitung). Auch beim Meister von 2009 leistete sich Diego mehrere Undiszipliniertheiten.

Doch nun hat der VfL genug ? und geht sogar noch einen Schritt weiter: In Zukunft sollen Arbeitsverweigerer durch die FIFA noch härter rangenommen und verbandsrechtlich bestraft werden.

Magath appelliert

"Solche Vorfälle wie mit Diego können wir nur vermeiden, wenn der Verband und die Klubs Hand in Hand arbeiten. Das wäre zielführend und wichtig", erklärt Magath den Wolfsburger Vorstoß.

Nach dem Wunsch des VfL soll die FIFA empfindliche Sperren durchsetzen, um Provokateure, die ihren Rauswurf provozieren, abzuschrecken. Derzeit arbeiten die Niedersachsen an einem Konzept, um mit Hilfe anderer Bundesliga-Vereine, der DFL und des DFB beim Weltverband vorstellig zu werden.

Zwanziger unterstützt Vorstoß

Unterstützung erhält der Vorschlag von DFB-Präsident Theo Zwanziger: "Wie sind immer in solch einer Situation auf der Seite der Vereine und der Statuten. Und wir müssen ja als Verbände helfen, die Vereine zu stärken und zu schützen. Wenn Wolfsburg dieses Anliegen hat, werden wir das in unseren rechtlichen Bereichen prüfen."

Dabei macht Zwanziger deutlich, dass der DFB durchaus zum Handeln bereit ist: "Und wenn sich da in der Tat eine Veränderungsnotwendigkeit zeigt, dann werden wir versuchen, es umzusetzen."

Keine Ablöse bei Entlassung

So könnten "Problem-Spielern" große Steine in den Weg gelegt werden - unwillige Athleten würden ihre Aktionen sicherlich doppelt überdenken.

Im Fall von Diego würde Wolfsburg bei einer Entlassung des Spielers keine Ablöse erhalten, was dem Verein insbesondere wirtschaftlich hart treffen würde - an Juventus Turin flossen im Jahr 2010 für den Brasilianer 15 Millionen Euro.

Der VfL Wolfsburg jedenfalls erwartet den Brasilianer zum Trainingsstart am 23. Juni zurück - pünktlich.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel