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Jürgen Klopp unterschrieb für zwei Jahre in Dortmund, mit der Option auf ein weiteres Jahr © getty

Mit Jürgen Klopp soll es in Dortmund wieder bergauf gehen. Im Sport1-Interview spricht der Trainer über seine neue Aufgabe beim BVB.

von Thorsten Mesch

München/Dortmund - In der letzten Saison stand Borussia Dortmund so schlecht da wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Platz 13 am 34. Spieltag - der Champions-League-Sieger von 1997 war weit entfernt vom internationalen Geschäft. Das soll sich ändern.

Mit ihrem neuen Trainer Jürgen Klopp als Hoffnungsträger soll es in der kommenden Saison wieder aufwärts gehen.

Dabei will der Trainer nicht der Star sein - diese Rolle schreibt er der Mannschaft zu.

Im Sport1-Interview spricht Jürgen Klopp über die Erwartunghaltung in Dortmund, den Stand der Vorbereitungen und darüber, dass die Arbeit beim BVB für ihn kein normales Arbeitsverhältnis ist.

Sport1: Herr Klopp, wie beurteilen Sie den Stand der Vorbereitung wenige Tage vor dem Bundesliga-Auftakt in Leverkusen?

Jürgen Klopp: Im Großen und Ganzen haben die Jungs sehr gut gearbeitet. Wir haben Spiele gewonnen ? gegen teilweise sehr starke Gegner. Gegen Juventus waren wir zwar drei Tage nach dem Bayern-Spiel deutlich unterlegen, und gegen Tottenham haben wir 0:3 verloren, aber das waren trotzdem keine schlechten Spiele. Ob ich insgesamt zufrieden bin, kann ich nicht sagen, da ich nicht weiß, wann ich das das letzte Mal wirklich zufrieden war. Aber ich kann sagen, dass ich auf jeden Fall nicht unzufrieden bin.

Sport1: Macht sich vor Ihrem ersten Bundesligaspiel mit Borussia Nervosität breit?

Klopp: Nervosität nicht, aber eine gewisse Anspannung ist schon da, die muss sich jetzt auch steigern. Jetzt geht es wirklich dahin, worauf man sich die ganze Zeit gefreut hat. Die Vorbereitung hat natürlich auch ein bisschen etwas von einem luftleeren Raum, aber ist eben zwingend notwendig.

Sport1: Was wollen Sie in Leverkusen von Ihren Spielern sehen?

Klopp: Wir wissen, wie hart wir trainiert haben, die Öffentlichkeit weiß das dagegen nicht immer hundertprozentig einzuschätzen. Deshalb müssen wir gerade zum Start entsprechend fit sein. Man muss man klar erkennen können, was wir bis dato getan und geleistet haben und vor allem, was wir uns vorgenommen haben.

Sport1: Wie ist ihre Eingewöhnungszeit in Dortmund verlaufen, und was sind die größten Unterschiede zu Ihrer Zeit in Mainz? Ist in Dortmund alles eine Nummer größer?

Klopp: Da lass ich mich überraschen. Was wir in Mainz gemacht haben, war auch wirklich überraschend groß und überraschend gut. Dortmund ist natürlich ein weitaus größerer Verein, es gibt viel mehr Abteilungen, wir haben mehr als 500 Fanklubs. Es ist alles einfach unfassbar groß. Aber das, was rund um das Training in Dortmund abläuft, ist nahe an der Aufgabe dran, die ich auch in Mainz gemacht habe.

Sport1: Fühlen Sie sich schon heimisch?

Klopp: Alle, die jetzt aus Mainz hierher nach Dortmund gekommen sind, sind wirklich sehr schnell mit dem BVB warm geworden und haben diesen Verein sehr schnell in sich aufgesaugt. Ich habe irgendwie nicht das Gefühl, als wäre diese Aufgabe ein normales Arbeitsverhältnis. Das hier ist schon eine besondere Kiste. Wenn man sich darauf einlässt, kann man das auch genießen.

Sport1: Man sagt ja, dass die Leute in Westfalen eine direkte Art haben und sehr offen sind. Kommt Ihnen die Mentalität entgegen?

Klopp: Das ist natürlich eine Mentalität, die mir entgegenkommt. Man muss aber auch sehen, dass wir bisher noch nichts Wirkliches geleistet haben. Wir sind uns darüber im Klaren, dass wir Ergebnisse liefern müssen, und genau darauf haben wir in der letzten Zeit hingearbeitet. Dementsprechend ist eine Mentalität natürlich immer davon abhängig, wie das tägliche Leben abläuft. Wenn wir dafür sorgen können, dass sich die Fans einfach deutlich wohler fühlen, dann haben wir schon einmal einen ordentlichen Job gemacht.

Sport1: Borussia Dortmund war 2002 noch Deutscher Meister, 1997 sogar Champions-League-Sieger. Seitdem hat der Verein einen großen Umbruch erlebt. In welcher Entwicklungsstufe sehen Sie Mannschaft und Verein?

Klopp: Vor drei Jahren war der Verein fast tot, und jetzt lebt er ? und das sogar sehr gesund. Es ist sicher eine Art Wunderheilung gewesen, aber diese Wunderheilung hat auch verschiedene Maßnahmen erfordert. Das bedeutet natürlich, dass man keine verrückten Dinge mehr machen kann und nur das Geld ausgibt, dass auch wirklich da ist. Wenn sich alle daran halten, dann wird der Verein auf lange, lange Jahre gesehen auch wieder eine tolle Zukunft haben.

Sport1: Die Erwartungshaltung ist in Dortmund immer recht groß...

Klopp: Ich glaube, dass wir dieses Jahr mit einer recht gesunden Erwartungshaltung in die Saison gehen. Das ist auch für uns sehr hilfreich. Von dieser Basis aus müssen wir so arbeiten, dass man erkennt: Wir wollen nach vorne kommen.

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