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2010 dand das Finale der Europa League in der Hamburger Arena statt © imago

Der 56-Jährige hat große Ziele mit Hamburg, warnt aber vor einer schwierigen Saison. Mit den Fans geht er auf Kuschelkurs.

Von Olaf Mehlhose

München - Nach den Turbulenzen der vergangenen Saison sucht der neue Vorstand des Hamburger SV die Nähe der Fans.

Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Beim Trainingsauftakt am Sonntag stellen sich HSV-Boss Carl-Edgar Jarchow und Marketingchef Joachim Hilke höchstpersönlich für die Fans hinter den Grill.

Die Klub-Oberen haben sich bereit erklärt, die von einem HSV-Sponsor spendierten 1500 Grillwürstchen zuzubereiten.

Ob die gutgemeinte Geste allerdings ausreicht, um die Fans zu versöhnen, bleibt abzuwarten. Viel wichtiger wird den Anhängern sein, dass der Klub endlich wieder in die sportlich von sich Reden macht und die Unruhe in und um den Verein verschwindet.

2014 in der Champions League

Jarchow zumindest hat große Pläne für den sechsmaligen Deutschen Meister. Nach der verkorksten vergangenen Saison mit Tabellenplatz acht träumt der Vorstandsvorsitzende bereits wieder von der großen europäischen Fußball-Bühne.

Der 56-Jährige stellte einen Dreijahresplan vor, der das Gründungsmitglied der Bundesliga spätestens 2014 in die Champions League führen soll.

"Es muss ganz klar unser Anspruch sein, dort hinzukommen", sagte Jarchow der "Hamburger Morgenpost".

Europa League kein Muss

Die anstehende Spielzeit bezeichnet der neue starke Mann beim HSV als "die schwierigste", an deren Ende "ein gesicherter Mittelfeldplatz bis hin zu Platz sechs" zu Buche stehen soll.

[kaltura id="0_qgqpqv54" class="full_size" title="Mancienne in Hamburg gelandet"]

Die Qualifikation für die Europa League sei kein Muss, sollte dann nach den Planungen Jarchows aber in der Saison 2012/2013 geschafft werden.

Allerdings mahnte der Klubboss angesichts des Umbruchs im gesamten Verein zur Geduld: "Wir sollten jetzt zunächst einmal etwas bescheidener sein. Unser Ziel ist es, einen Schritt nach dem anderen zu machen."

Shaqiri auf der Liste

Die Hoffnungen ruhen in Hamburg vor allem auf dem neuen Sportdirektor Frank Arnesen, der vom FC Chelsea an die Elbe gelotst werden konnte.

An Tatendrang lässt es der Däne zumindest nicht vermissen: Mit dem 23-jährigen Michael Mancienne, sowie den drei 19-Jährigen Jeffrey Bruma, Jacopo Sala und Gökhan Töre verpflichtete Arnesen gleich vier hoffnungsvolle Talente seines ehemaligen Klubs. (BERICHT: "Blaue Welle" bei den Rothosen)

Dazu passt, dass mit Xherdan Shaqiri vom FC Basel noch ein weiterer Jungstar auf der Liste der Hanseaten steht. Der 19-Jährige hatte in der vergangenen Spielzeit bereits Champions-League-Erfahrung sammeln können.

Aufgrund der von Basel geforderten Ablösesumme von acht Millionen wäre eine Verpflichtung Shaquiris aber ein Widerspruch zu den angekündigten Hamburger Sparmaßnahmen beim Personaletat.

Jugend für Erfahrung

Es hat ganz den Anschein, als wolle der HSV Erfahrung gegen Jugend eintauschen.

Im Gegenzug wurden routinierte Spieler wie Ruud van Nistelrooy, Ze Roberto oder Joris Mathijsen abgegeben. Außenverteidiger Guy Demel und Dribbler Jonathan Pitroipa sollen ebenfalls gehen. 316092(DIASHOW: Bundesliga-Wechselbörse)

Für Pitroipa ist eine Ablösesumme von bis zu fünf Millionen Euro aufgerufen. Vielleicht ließe sich darüber der Shaquiri-Deal ja doch stemmen.

Seeler hofft auf Mittelfeldplatz

Die Frage, die sich nun wahrscheinlich nicht nur die HSV-Anhänger stellen, ist allerdings, ob die vermutlich sehr junge Mannschaft den Anforderungen der Bundesliga gewachsen ist.

Klub-Idol Uwe Seeler schraubte seine Erwartungen schon mal deutlich nach unten.

"Ich würde mich riesig über einen gesicherten Mittelfeldplatz freuen", sagte der 74-Jährige dem "Abendblatt": "Dass ein Team nicht alles gewinnen kann, wenn du sie mit Jungen umbaust, ist logisch."

Spiel mit dem Feuer?

Dass eine mit überwiegend jungen Spielern bestückte Mannschaft durchaus erfolgreich spielen kann, hat nicht zuletzt Borussia Dortmund bewiesen.

Tatsache ist aber auch, dass Hamburgs Neuzugänge entweder im Reserveteam des Abramowitsch-Klubs zum Einsatz kamen oder an andere Klubs ausgeliehen waren. Dass sie den HSV direkt verstärken, darf bezweifelt werden.

Vor allem wenn es aber mal nicht laufen sollte und die Hamburger in die Abstiegsregionen geraten, könnte sich die Strategie als Spiel mit dem Feuer erweisen.

Dann würden sich die Fans wahrscheinlich auch mit Würstchen nicht mehr versöhnen lassen.

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