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Schalke 04 gewann sieben Mal die Deutsche Meisterschaft © getty

Nach dem Ende der Ära Magath besinnt sich Schalke auf alte Werte und startet mit einem Spiel gegen Bergleute in die Vorbereitung.

Von Christoph Gschoßmann

München - Das große Reinemachen ist fast beendet, jetzt startet Schalke neu.

Und der Auftakt der "Knappen" am Sonntag könnte richtungweisender kaum sein: Mit einem Benefizspiel gegen eine Auswahl des Deutschen Steinkohlebergbaus setzt S04 ein Zeichen.

Man will sich, nachdem der Tornado mit Namen Felix Magath über Gelsenkirchen hinweg gezogen ist und die Grundfesten des einstigen Arbeitervereins bis ins Mark erschüttert hat, wieder auf die Ursprünge besinnen.

"Knappen für Knappen" heißt das Motto des Spiels, nur waschechte Bergleute werden dabei gegen die Königsblauen auflaufen. Schalke denkt an seine Wurzeln und stellt nach der Ära Magath, in der stets alles dem Erfolg untergeordnet war, die Weichen für die neue Saison.

Ära Magath: Erfolg über alles

Alleinherrscher Magath wollte alles gewinnen, für Harmonie oder Ideologie blieb kein Platz.

Misserfolg konnte man ihm allerdings auch kaum nachsagen. Die Königsblauen haben mit dem Pokalsieg und dem Einzug ins Champions-League-Halbfinale eine der erfolgreichsten Spielzeiten der Vereinsgeschichte hinter sich und holten auch im Vorjahr die Vizemeisterschaft.

Doch Titel und Siege allein sind nicht mehr alles auf Schalke, das haben die Verantwortlichen nach einer Saison, in der das Verhältnis von Verein und Fans so zerrissen wie selten war, klar gestellt.

Auf der Jahreshauptversammlung, in der man das Experiment mit einer einzigen starken Führungsperson noch einmal ausdrücklich für gescheitert erklärte und ordentlich gegen Magath nachtrat, herrschte ein völlig anderes Credo vor als in den Jahren zuvor (Bericht: Schalke rechnet mit Magath ab).

Heldt: "Wärme und Identifikation"

Sportdirektor und Hoffnungsträger Horst Heldt will die ideologische Sanierung vorantreiben. "Dieser Verein braucht Wärme und Identifikation" stellte er klar und ging noch weiter: "Wir sollten aufhören, ewig dieser Schale hinterher zu hecheln."

Die Aufnahme des unter Magath geschassten Ex-Kapitäns Marcelo Bordon in die Schalker "Ehrenkabine" war ein Zeichen in Richtung harmonischem Zusammenseins. Bordon, unter dem Ex-Coach noch trotz Erfolgs nach Katar geflüchet, soll auch noch ein verspätetes Abschiedsspiel bekommen.

[kaltura id="0_ugun8a5l" class="full_size" title="Schalkes Weg zur Harmonie"]

Aufgeblähter Kader ausgedünnt

Schalke leckt seine Wunden und will nach Magaths Alleingang endlich wieder gemeinsam an einem Strang ziehen. Es gilt, mit den Relikten des jetzigen Wolfsburger Trainers aufzuräumen.

Und Heldt und Trainer Ralf Rangnick haben bereits ganze Arbeit geleistet: Der aufgeblähte Kader wurde extrem ausgedünnt.

Die Liste der Abgänge ist lang: Angelos Charisteas, Ali Karimi, Danilo Avelar, Ciprian Deac, Bogdan Müller, Christian Pander, Vasileios Pliatsikas, Marvin Pourie, Tore Reginiussen und Lukas Schmitz wurden bereits wegrationalisiert.

Auch Manuel Neuer wird nicht Teil des neuen Schalke sein, da er dem Werben, und den Erfolgsaussichten des potenten FC Bayern nicht widerstehen konnte.

Asamoah kehrt nicht zurück

Zwei weitere Namen gesellen sich nun noch dazu: Nicolas Plestan und Vereinslegende Gerald Asamoah laufen nicht mehr für S04 auf. Der Verein und Asamoah, der bei Schalke noch einen Vertrag bis 2016 besaß und die Aufgabe als Teambotschafter übernehmen sollte, lösten diesen in gegenseitigem Einvernehmen auf.

Fan-Liebling Asamoah wird nicht zurückkehren, aber gegen die Bergwerker wird dennoch ein Comebacker auf dem Platz stehen.

Neben den Neuzugängen Christian Fuchs (Mainz), Ralf Fährmann (Eintracht Frankfurt) und Marco Höger (Alemannia Aachen) läuft auch Lewis Holtby wieder für Königsblau auf.

Holtby pfeift auf den Urlaub

Der Nationalspieler will diesmal endlich den Durchbruch auf Schalke schaffen und kann es nach einer fantastischen Saison in Mainz kaum erwarten, für S04 gegen den Ball zu treten: Er verzichtet freiwillig auf neun Tage Urlaub und schließt sich seinem neuen, alten Verein daher umgehend an.

"Lewis möchte unbedingt vom ersten Vorbereitungstag an dabei sein. Es ist sein eigener Wunsch, er setzt sofort ein gutes Zeichen", lobte Ralf Rangnick das Talent gegenüber der "Bild".

Hoogland fehlt - kommt Lehmann?

Zunächst fehlen werden die Nationalspieler Kyriakos Papadopoulos, Atsuto Uchida, Klaas-Jan Huntelaar Benedikt Höwedes, Jefferson Farfan, Mario Gavranovic sowie die anderen Rückkehrer, Jermaine Jones und Jan Moravek.

Auch der angeschlagene Tim Hoogland wird weder beim Auftaktmatch, noch im anschließenden Trainingslager auf Rügen mit von der Partie sein.

Ob Rangnicks Team zusätzlich noch verstärkt wird, bleibt abzuwarten. Ein Stürmer soll noch kommen, dazu ist die Reaktivierung von Jens Lehmann als Fährmanns Konkurrent ist seit Wochen in der Schwebe.

Ob aber ausgerechnet der exzentrische Keeper, der zudem mit hohen Gehaltsforderungen auf sich aufmerksam macht, ein gutes Zeichen für den Neuaufbau wäre, ist zu bezweifeln (BERICHT: Lehmann zu gierig für Schalke?).

"Extrawurst" für Raul

Bei aller Fokussierung auf das Kollektiv und die Ideologie gibt es allerdings schon vor dem Auftakt eine kleine "Extrawurst".

Superstar Raul wird am Montag 34 und steigt erst einen Tag später in die Vorbereitung mit ein.

Schalkes Fans werden es dem allürenfreien Sympathieträger nachsehen - er wird der letzte sein, der dem neuen Schalke mit dem alten "Wir-Gefühl" im Weg stehen wird.

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