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Nach seiner Rekordstrafe ist Diego in Wolfsburg nur noch Profi auf Zeit © getty

Nach seinem Rauswurf hält sich der Brasilianer im Trainingslager für einen möglichen Wechsel fit. Über Magath wundert er sich.

Wolfsburg/Rio de Janeiro - Trainieren darf er, Testspiele sind aber tabu:

Der aussortierte Diego startete am Sonntag mit dem VfL Wolfsburg in sein wohl ungewöhnlichstes Trainingslager.

Nachdem ihm Trainer Felix Magath von der Trennung in Kenntnis gesetzt hatte, ist der Spielmacher nur noch Profi auf Zeit. (BERICHT: Diego verlässt Wolfsburg)

Viel deutet auf einen Wechsel zum brasilianischen Spitzenklub Botafogo hin.

Fit machen für einen neuen Klub

"Diego trainiert ganz normal mit der Mannschaft. Er ist doch Lizenzspieler und hat einen gültigen Vertrag. Wir erfüllen unsere Pflichten, schließlich hat er auch ein Anrecht darauf", sagte Magath am Sonntag vor der Abfahrt nach Oeversee in Schleswig-Holstein.

Der geschasste Spieler darf allerdings nicht zu atmosphärischen Störungen beitragen: "Er muss nur seine Arbeit so machen wie hoffentlich alle anderen auch." (420225DIASHOW: Der Start in die Vorbereitung)

Magath hatte Diego am Freitag mitgeteilt, dass der Klub nicht mehr mit ihm plane. Der Brasilianer soll sich im Vorbereitungscamp fit halten, damit einem sofortigen Wechsel nichts im Wege steht. (DATENCENTER: Bundesliga-Spielplan 2011/12)

Neun Millionen Euro Gehalt

Daran hat neben dem Spieler nämlich auch der VfL großes Interesse. Die Wechsel-Modalitäten sind allerdings schwierig genug.

Diego, der im vergangenen Sommer für rund 15 Millionen von Juventus Turin nach Wolfsburg kam, kostet den Werksklub jährlich zwischen sechs und neun Millionen Euro Gehalt. Sein Vertrag läuft bis 2014.

Selbst wenn die Wolfsburger den unerwünschten Brasilianer für die erhofften zehn Millionen Euro wieder loswerden, hätten sie binnen einen Jahres einiges an Kapital vernichtet.

Magath will haushalten

Trotz der zu erwartenden Millioneneinnahme will Magath auf seiner Shopping-Tour für die kommende Saison haushalten.

"Es wurde in den letzten Jahren sehr viel investiert. Jetzt geht es darum hauszuhalten", erklärte der 57-Jährige.

Und weiter: "Dass wir nicht so weitermachen können wie bisher, das liegt auf der Hand. Deshalb müssen wir nun etwas Neues probieren, was natürlich noch viel Ungewissheit und Unwägbarkeiten bedeutet."

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Stemmt Botafogo den Diego-Deal?

Am ehesten scheint Botafogo die finanzielle Herausforderung Diego stemmen zu wollen.

Wie südamerikanische Medien berichten, habe der Klub das Engenhao-Stadion in Rio de Janeiro bis 2027 angemietet und plant, dem Volkswagen-Konzern als Teil der finanziellen Leistungen für den Transfer Werbemöglichkeiten in der Arena Stadion bis hin zur Vergabe der Namensrechte zu geben.

In der kommenden Woche wollen Ricardo Rocha, Weltmeister von 1994, und Alexandre Torres, Sohn des legendären WM-Kapitäns Carlos Alberto Torres von 1970, von Botafogo nach Deutschland kommen.

Ein weiteres Indiz, das für Botafogo spricht: Der Klub hat jüngst Mittelfeldspieler Renato vom FC Sevilla verpflichtet, der mit Diego früher zusammen beim Pele-Klub FC Santos gespielt hatte, und noch heute sein Freund ist.

Nationalteam im Hinterkopf

Bei seiner Vorstellung hatte Renato versprochen, Diego den Wechsel zu Botafogo nahezulegen.

Auch sein Stammverein Santos soll an einer Verpflichtung interessiert sein.

Diego selbst sagte gegenüber dem dem Internet-Portal "Globoesporte": "Botafogo hat deutlich Interesse gezeigt, aber wir haben noch keine Einigung erzielt. Wenn ich nach Brasilien zurückkehre, bin ich auch wieder näher an der Nationalmannschaft dran. Das werde ich bei meiner Entscheidung auf jeden Fall berücksichtigen."

"Magath hat eine eigene Art"

Allerdings scheint sich Diego offenbar auch einen Verbleib in der Bundesliga vorstellen zu können, zumal er sich in Deutschland sehr wohl fühlt. "Es müsste nicht nur finanziell, sondern auch vom professionellen Umfeld stimmen", sagte der Südamerikaner im "Aktuellen Sportstudio".

Nach seinem Zerwürfnis mit Magath äußerte der torgefährliche Techniker auch Kritik am starken Mann in Wolfsburg: "Es ist nicht meine Art, mich mit Trainern anzulegen. Aber ganz ehrlich. Magath hat eine ganz eigene Art."

Diego hatte in Wolfsburg vor dem letzten Spiel der vergangenen Saison bei 1899 Hoffenheim für einen Eklat gesorgt, als er nach seiner Nichtberücksichtigung für die Startformation aus dem Mannschaftshotel geflüchtet war.

Wolfsburg schaffte ohne Diego durch einen 3:1-Erfolg den Klassenerhalt. "Ich habe einen Fehler gemacht", gab Diego zu, musste für diesen Ausrutscher aber eine Rekordstrafe von 500.000 Euro zahlen (BERICHT: Rekordstrafe für Diego).

Rückschlag für Friedrich

Bis auf Weiteres wird den "Wölfen" auch Nationalspieler Arne Friedrich fehlen.

Der Abwehrspieler hat erneut Probleme an seiner vor einem Jahr operierten Bandscheibe. Magath wollte über die Dauer der Pause am Sonntag nichts sagen.

"Auf jeden Fall war ich sehr überrascht, als ich hörte, dass er mit erneuten Rückenproblemen ausfällt. Bis zum Länderspiel Anfang des Monats war ja alles in Ordnung. Jetzt wollen wir sehen, dass das Problem durch die Behandlung in Berlin korrigiert wird", sagte der Coach.

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