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Beckenbauer (l.) ist Ehrenpräsident des FC Bayern, Sammer Sportdirektor des DFB © imago

Entgegen des Trends sprechen sich Sammer und Beckenbauer für Leader aus. Der "Kaiser" nimmt Schweinsteiger und Lahm in die Pflicht.

Von Christian Stüwe

München - Die großen Gewinner des vergangenen Fußballjahres waren Weltmeister Spanien, der spanische Meister und Champions-League-Gewinner FC Barcelona sowie in Deutschland der Meister Borussia Dortmund.

Was alle diese Mannschaften eint: Die Teams verfügen über hervorragende Individualisten, sie funktionieren vor allem aber als Kollektiv.

Ein echter Anführer, der auf und außerhalb des Platzes den Ton angibt, war Lionel Messi, Xavi und Nuri Sahin zum Trotz nicht auszumachen.

Auch Teams wie Hannover oder Mainz belegen die These, dass der Trend weg vom "Leitwolf" zu gehen scheint - was Matthias Sammer und Franz Beckenbauer nicht daran hindert, die Debatte neu zu entfachen.

Sammer: Titel dank Hierachie

"Wir haben die letzten 15 Jahre analysiert: Alle Welt- und Europameister sowie Champions-League-Sieger hatten eine klare Struktur und Hierachie", sagte Sammer der "Sport Bild".

"Das war auch Basis der deutschen Nationalmannschaften, die je dreimal Welt- und Europameister geworden sind", führte Sammer weiter aus.

Beim letzten Titelgewinn des DFB-Teams, bei der EM 1996 in England, war Sammer der unumstrittene Kopf des Teams. Sechs Jahre zuvor, bei der Weltmeisterschaft in Italien, führte Lothar Matthäus die Mannschaft zum Triumph.

Beckenbauer vermisst den "Leitwolf"

Und genau einen solchen Spieler wie Matthäus vermisst Franz Beckenbauer nun auch beim FC Bayern München.423213(DIASHOW: Bayern-Trainingsstart)

Bei Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm hat der "Kaiser" die Führungsqualitäten des Rekordnationalspielers jedenfalls nicht ausgemacht.

"Sie führen auf eine andere Art. Keiner von diesen Typen wird ein Matthäus. Ein Lahm wird ein Lahm bleiben, und ein Matthäus ist ein Matthäus", sagte Beckenbauer, der die Nationalmannschaft als Spieler 1972 zum EM- und zwei Jahre später zum WM-Titel führte, der "Sport Bild".

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"Kerl" van Bommel

Die Leistung bei Lahm und Schweinsteiger stimme, "vielleicht muss aber ihre Überzeugungskraft deutlicher sein."

Beckenbauer trauert "Aggressive Leader" Mark van Bommel hinterher, den der Rekordmeister zum AC Mailand ziehen ließ.

"Van Bommel ist ein echter Kapitän, nach dem sich die Mannschaft gerichtet hat", sagte Beckenbauer: "Mag sein, dass er nicht der beste Spieler war, aber er war ein Kerl. So einen brauchst du als Leitwolf."

Ballack? "Das hat nur Löw zu entscheiden"

Wie van Bommel verfügt Michael Ballack über eben diese Führungsqualitäten. Der 34-Jährige war über viele Jahre der Kopf der Nationalmannschaft. Trotzdem hat der frühere Kapitän nun keine Zukunft mehr im DFB-Team.

"Ob Ballack in unsere A-Mannschaft gehört, hat nur Joachim Löw zu entscheiden", sagte Sammer, der aber dennoch glaubt, dass ein Anführer dem DFB-Team gut tun würde. Sammer nennt Welt- und Europameister Spanien als Beispiel.

"Was ist heute ein Geheimnis der Spanier? Sie haben jahrelang gespürt: Wir spielen schönen Fußball, aber gewinnen keine Titel", erklärt Sammer: "Eine Schlussfolgerung war es, Strukturen und Hierachien mit mental starken Spielern zu schaffen, die im Misserfolg nicht die Köpfe hängen lassen und im Erfolg nicht abheben."

Khedira: Auf dem Weg zum Leader

Sammer hat in der deutschen Mannschaft auch schon einen Spieler im Blick, der die Führung übernehmen könnte: Sami Khedira. "Er ist auf dem Weg zum Leader", urteilt Sammer über den defensiven Mittelfeldspieler von Real Madrid:

"Er ist zielorientiert in seinem Handeln, hat schon eine große Reife."

Gerade Khedira war es aber auch, der sich bei der WM in Südafrika nahtlos in das bestehende Team einfügte und seine Rolle hervorragend und mannschaftsdienlich spielte.

Es scheint, als ob die Diskussion um Hierachien und Führungsspieler auch in der anstehen Spielzeit wieder ein großes Thema werden wird.

Elf Kapitäne beim FCB?

Und Beckenbauer wäre nicht Beckenbauer, wenn er nicht gleich ein Gegenargument zu seinen Forderungen nach einem "Leitwolf" beim FC Bayern mitliefern würde.

"Der FC Bayern braucht elf Kapitäne", sagt der 65-Jährige: "Keiner darf sich hinter dem Kapitän verstecken. Jeder ist dazu aufgefordert, die unsichtbare Binde zu tragen."

Das wiederrum hört sich ziemlich genau nach dem an, was Spanien, Barcelona und Dortmund in der vergangenen Saison erfolgreich gezeigt haben.

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