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Mit Christian Lell sprachen die Redakteure Mathias Frohnapfel (l.) und Daniel Rathjen (r.) © getty

Der Bayern-Profi kennt die Herausforderungen der Champions League. Zudem spricht er über den FCB-Trainer und Kompromisse.

Vom FC Bayern berichten Mathias Frohnapfel und Daniel Rathjen

München - Ein gemütliches, tiefes Sofa, ein kleiner Beistelltisch: Das Räumchen, in dem die Bayern-Profis Einzel-Interviews geben, besitzt Wohnzimmer-Atmosphäre.

Auch Christian Lell kommt da im Leistungszentrum an der Säbener Straße in Plauderlaune.

Zugleich steckt der Verteidiger professionell die eigenen Ziele und die des Rekordmeisters ab.

Seit September steht der 24-Jährige (Spielerporträt) im Dauerwettstreit mit Massimo Oddo um die Position auf der rechten Außenbahn.

Der Italiener kassierte im letzten Hinrundenspiel gegen Stuttgart eine Rote Karte, ist in der Rückrunde für die ersten drei Ligaspiele gesperrt. Lell bringt das gute Chancen auf Einsätze nach der Winterpause.

Mit Sport1.de sprach der gebürtige Münchner über den internationalen Anspruch des FC Bayern, den verschärften Konkurrenzkampf im Team und ungewöhnliche Kompromisse des neuen Trainers.

Sport1.de: Herr Lell, seit Sommer führt Jürgen Klinsmann das FCB-Team. Welchen Eindruck haben Sie von ihm in der Bundesliga-Hinrunde gewonnen?

Christian Lell: Jetzt sind fünf, sechs Monate um. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Außerdem gab es viele Veränderungen, an die man sich anpassen musste.

Sport1.de: Philipp Lahm hat gesagt: "Jürgen Klinsmann ist ein radikaler Trainer". Er habe viel getestet, auch die Stärken der Spieler und die Frage, welches System zum FC Bayern passt. Wie haben Sie die erste Phase erlebt?

Lell: Jeder Trainer hat seine Visionen, seine Vorstellung. Und jeder Trainer hat eine Mannschaft, die er am Anfang nicht kennt. Das heißt, seine Vorstellungen müssen mit der Mannschaft und den Spielertypen eins werden. Das dauert seine Zeit. Er muss seine Sachen durchsetzen und schauen, wie passt es im Team. Das macht Jürgen Klinsmann sehr gut. Er ist sehr straight, hat eine klare Vorstellung, wie was laufen soll.

Sport1.de: Ist Klinsmann nahbarer als seine Vorgänger Ottmar Hitzfeld und Felix Magath?

Lell: In unserem neuen Trainingszentrum ist alles offen, auch die Trainer sitzen offen in ihrem Bereich. Da ist also mehr Offenheit und Nähe da und auch mehr Kontakt. Das war bei Ottmar Hitzfeld und Felix Magath nicht so, ohne das jetzt bewerten zu wollen.

Sport1.de: Man hat gehört, dass in der Mannschaft auch über das System gesprochen wurde. Bezieht Klinsmann die Spieler so stärker ein?

Lell: Ich kann mir schon vorstellen, dass die erfahrenen Spieler und die Spieler vom Mannschaftsrat ihre Meinung gesagt haben. Der Trainer will das auch. Er versucht dann das mit seinen Ideen zu verknüpfen.

Sport1.de: Außerdem gab es die Frage, ob das Team vor Heimspielen wie bisher im Hotel "Limmerhof" oder im "Arabella Sheraton" übernachten soll. Sie haben mannschaftsintern darüber gesprochen, oder?

Lell: Ja, natürlich. Wir wollten erst ins "Arabella", um so die Fahrzeit zum Stadion zu verkürzen. Das ist ja auch sinnvoll. Doch dann musste man feststellen, dass einfach zu viel Betrieb im "Arabella Sheraton" war, zu viele Leute und zu viel Trouble. Das kann man sich doch eingestehen. Und so sind wir eben zurück zum "Limmerhof" gewechselt. So geht man eben auch mal Kompromisse ein, da hat die Mannschaft relativ viel mitzureden.

Sport1.de: Die Champions-League-Auslosung hat dem FC Bayern mit Sporting Lissabon eine machbare Aufgabe beschert. Innerhalb der Mannschaft gibt es unterschiedliche Ansichten, ob die Bayern schon in dieser Saison in der Königsklasse triumphieren können. Wie sehen Sie es?

Lell: Wir sollten uns nicht unter Druck setzen. Wir haben Ziele, wollen angreifen. Doch jetzt zu sagen, wir müssen das Ding holen, das wäre vermessen.

Sport1.de: Welche Qualitäten braucht der FCB in der K.o.-Phase?

Lell: Es geht darum zu zeigen: Jetzt sind wir auf den Punkt da, jetzt sind wir eine Mannschaft, die ein Spiel kontrollieren und lesen kann, entsprechend reagieren kann.

Hier geht's zum zweiten Teil des Interviews - Christian Lell schildert den Konkurrenzkampf beim Meister

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