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Zoltan Stieber (r.) wechselte in der Sommerpause von Aachen nach Mainz © imago

Mit Holtby, Schürrle und Fuchs haben die Erfolgsgaranten die Rheinhessen verlassen. Doch Tuchel will den nächsten Coup.

Von Christian Stüwe und Christoph Gschoßmann

München - In Mainz beginnt eine neue Zeitrechnung.

Am Sonntag wird das neue Stadion der 05er feierlich eröffnet, in der vergangenen Saison gelang zudem erstmals die sportliche Qualifikation für die Europa League.

Allerdings gibt es auch sportlich einen Schnitt, denn die Mainzer "Boygroup" ist Geschichte.

Der selbsternannte "Karnevalsverein" hatte die ersten sieben Partien der vergangenen Spielzeit gewonnen, als einziges Bundesliga-Team die ganze Saison über auf einem der ersten fünf Plätze gelegen und war schließlich als Fünfter über die Ziellinie gekommen.

Leistungsträger weg

Doch mehrere Hauptdarsteller der Mainzer Erfolgsgeschichte sind fort. Andre Schürrle wechselte nach Leverkusen, Christian Fuchs zu Schalke, dorthin kehrte auch der ausgeliehene Lewis Holtby zurück.

So manch einem Fan der Mainzer dürfte angesichts der Abgänge Angst und Bange werden.

Zuletzt setzte es im Testspiel gegen den Drittligisten Darmstadt 98 auch noch eine deftige 1:4-Niederlage (News).

Tuchel holt hungrige Spieler

Doch die Sorgen sind nur auf den ersten Blick begründet. Denn genauer betrachtet tut Mainz genau das, was im letzten Jahr zum Geheimnis des Erfolges wurde und die ganze Fußball-Nation verblüffte und begeisterte.

Die Mainzer setzen auf junge und unverbrauchte Spieler, die zur Philosophie des Klubs und der von Trainer Thomas Tuchel passen.

Zuletzt wurden Julian Baumgartlinger und Anthony Ujah als Neuzugänge präsentiert. Der Österreicher ist 23 Jahre alt, der Nigerianer sogar noch drei Jahre jünger.

Auch Eric Maxim Choupo-Moting (22.), Zoltan Stieber (22) Deniz Yilmaz (23), Fabian Schönheim (24) oder Nicolai Müller (23) gehören in diese Kategorie, nur der Champions-League-erfahrene Verteidiger Zdenek Pospech fällt mit 32 Jahren aus dem Rahmen.

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"Kein Grund, Trübsal zu blasen"

Dementsprechend lässt Tuchel die Bedenken nicht gelten. "Ich habe keinen Frust wegen der Abgänge und sage auch, dass es nicht angesagt ist, Trübsal zu blasen", meint der 37-jährige. 316092(DIASHOW: Bundesliga-Wechselbörse)

Tuchel plant, den Coup der vergangenen Saison zu wiederholen. "Wir machen jetzt den nächsten Schritt, führen die nächsten Spieler an dieses Niveau, auf diesen hohen Level, damit der gleiche Effekt wieder eintritt", erklärt der Erfolgscoach.

Ujahs Torquote beeindruckt

Denn die Neuzugänge sind zwar noch relativ unbekannt, aber durchaus hoffnungsvoll. Ujah, der aus Lilleström kommt, erzielte in Norwegens erster Liga 27 Treffer in 36 Spielen.

Tuchel lobt den wuchtigen Strafraumstürmer vor allem für seine "enorme Sprungkraft und Schnelligkeit, sein Timing und seine Abschlussstärke".

Stieber und Müller überzeugen als Vorbereiter

Mit dem Aachener Stieber und dem Fürther Müller kommen zwei Akteure, die trotz ihrer jungen Jahre gestandene Zweitligaspieler sind und dort zuletzt für Aufsehen sorgten.

Gemeinsam kamen die Youngster in der vergangenen Saison auf 41 Scorerpunkte.

Baumgartlinger, der in der Zweiten Liga schon für 1860 München spielte, wird von Österreichs U-21-Trainer Andreas Herzog als "dominanter Typ, eine richtige Nummer 8" beschrieben.

Gibt es eine "Boygroup 2.0"?

Die Mainzer Neuverpflichtungen könnten allesamt durchstarten, ein Risiko ist aber immer dabei, wenn ein Klub fast ausschließlich auf junge Spieler setzt.

Es gehöre schon ein wenig Glück dazu, erklärte Tuchel kürzlich in der Mainzer "Allgemeinen Zeitung", das alles so passe wie zuletzt und sich die "Charaktere der Neuen bestätigen".

In der letzten Saison passte alles perfekt, nun kommt noch die Euphorie rund um das neue Stadion hinzu.

Zumindest die Voraussetzungen für eine "Boygroup 2.0" haben die Mainzer also geschaffen.

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