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Borussia Dortmund siegte im Supercup gegen Bayern München © getty

Im zweiten Teil des Sport1-Interviews spricht Jürgen Klopp über seinen Umgang mit der Öffentlichkeit und seinen Kapitän Sebastian Kehl.

von Thorsten Mesch

Im zweiten Teil des Sport1-Interviews spricht Dortmunds neuer Trainer Jürgen Klopp über das Derby gegen den Erzrivalen Schalke 04, betont die Bedeutung seines neuen Kapitäns und nennt die Saisonziele.

Sport1: So schlecht wie nach der vergangenen Saison stand Borussia Dortmund seit 20 Jahren nicht mehr da. Es kann also eigentlich nur aufwärts gehen, oder?

Jürgen Klopp: Zwischen Platz 13 und dem internationalen Geschäft ist ein ganz schön großer Raum, den es zu überwinden gilt. Die Vereine, die zwischen uns stehen, haben sich natürlich auch verstärkt und haben versucht, noch einmal eine Schippe drauf zu legen. In welcher Entwicklungsstufe wir sind, weiß ich nicht. Wir wollen zurück in die Erfolgsspur. Wo diese dann endet, werden wir noch sehen.

Sport1: Sie gelten in Dortmund als großer Hoffnungsträger. Wie gehen Sie mit dieser Verantwortung und dem Druck um?

Klopp: Wenn man in diesem Geschäft als Bundesligatrainer tätig ist, dann ist man einer von 18. Jeder schaut auf einen. Mit diesem Druck kann ich sehr gut umgehen, das ist unproblematisch. Den Druck, diese Mannschaft und den Verein nach vorn zu bringen, den mach ich mir selbst so riesengroß, dass er eigentlich nicht mehr erhöht werden kann.

Sport1: Also wollen Sie auch beim BVB Ihrem Mainzer Stil treu bleiben?

Klopp: Ich habe jedenfalls nicht das Gefühl, dass ich mich irgendwie umstellen muss. Dass Borussia Dortmund eine riesige Herausforderung für mich ist, muss ich nicht erwähnen. Das ist für mich einer der Topklubs in Deutschland und in Europa. Dabei zu sein beim Versuch, diesen Verein zurück in die Erfolgsspur zu führen, finde ich hoch spannend.

Sport1: Was halten Sie von der Schlagzeile "In Dortmund ist der Trainer der Star"? Trifft sie zu?

Klopp: Da sage ich ganz klar nein. Die Stars sind ja immer die, die gut kicken können, und ich glaube, da habe ich eine ganze Menge Spieler in diesem Verein, die das besser können als ich. Das geht runter bis zur Jugend.

Sport1: Aber in der Öffentlichkeit sind Sie derzeit trotzdem das Aushängeschild.

Klopp: Wenn es darum geht, wer im Moment am bekanntesten ist, dann kann das stimmen. Aber das ist einfach so und auch nicht weiter schlimm. Die Jungs konnten sich jetzt völlig gezielt und ruhig auf die Runde vorbereiten und haben die Möglichkeit, das Bild in der Öffentlichkeit zurecht zu rücken. Ich nehme alles mit, was der Mannschaft hilft und halte alles von uns fern, was uns schadet. Dementsprechend interessiert es mich nicht, wer mich als Star dieses Vereins bezeichnet.

Sport1: Was erwarten Sie von Ihrem neuen Kapitän Sebastian Kehl?

Klopp: Sebastian ist die logische Wahl gewesen. Er bringt alles mit, was man als Kapitän mitbringen sollte. Er spielt eine zentrale Position, von wo er das Spiel lenken kann und auch soll. Er ist im Verein auch zu einhundert Prozent anerkannt - in allen Gremien. Und er ist auch ein tolles Bindeglied zwischen der Mannschaft und mir. Das passt schon. Und wenn er jetzt noch verschont bleibt von Verletzungen, dann sind wir alle glücklich.

Sport1: Fällt es Ihnen durch Ihre Rolle in den Medien als Experte eigentlich immer leicht, Sie selbst zu bleiben?

Klopp: Ja, natürlich schaffe ich das. Darüber muss ich nicht einmal nachdenken. Das war für mich noch nie anderes. Natürlich bin ich ja auch jemand, der Extreme immer wieder auslebt - sowohl im Positiven als auch manchmal im Negativen. Aber immer in einem sehr legalen Rahmen. Ich bin vielleicht nicht mit allem super glücklich, was ich mache, aber ich weiß auch, dass ich als Mensch niemandem absichtlich auf die Füße trete. Ich versuche einfach nur das, was mir wichtig ist und was mir als Aufgabe gegeben wird, zu einhundert Prozent zu erfüllen. Und da gehören Emotionen eben manchmal auch dazu.

Sport1: Wie gehen Sie mit Kritik an Ihrem Auftreten um?

Klopp: Wenn Leute zu mir sagen, da hast du aber ein bisschen komisch ausgesehen, und da bist du ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen, dann nehme ich mir das natürlich zu Herzen. Ich weiß aber auch, dass es wahrscheinlich nicht ganz so schlimm war und dass ich es beim nächsten Mal wahrscheinlich auch nicht viel anders machen werde.

Sport1: Schon am 4. Spieltag kommt es zum Derby gegen Schalke. Haben Sie die besondere Rivalität zwischen Dortmund und Schalke schon verinnerlicht?

Klopp: Ich lese seit meinem sechsten Lebensjahr den kicker. Also ich muss ja nicht in Dortmund aufgewachsen sein, um zu wissen, dass es da einen Rivalität gibt. Dafür gibt es ja historische Gründe, so etwas entsteht nicht von alleine. Es dauert zwar noch ein bisschen bis zu diesem Spiel. Aber wenn es soweit ist, wird jeder Spieler mitbekommen, was es bedeutet, für Borussia Dortmund gegen Schalke zu spielen.

Sport1: Wie lautet Ihr Saisonziel mit der Borussia?

Klopp: Wir wollen uns fußballerisch weiterentwickeln. Und zwar extrem.

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