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Manuel Neuer absolvierte bisher 156 Bundesliga-Partien für den FC Schalke 04 © imago

Die Fans feiern den Bayern-Neuzugang begeistert. Philipp Lahm ist bei SPORT1 zuversichtlich, dass die Liebe hält.

Vom FC Bayern berichtet Matthias Becker

München - Der Ort war der gleiche, doch die Stimmung eine ganz andere.

Auf den Tag genau vor vier Monaten erblickte Manuel Neuer in der Münchner Allianz Arena tausende Plakate mit der Aufschrift "Koan Neuer" als er aus dem Spielertunnel trat. (BERICHT: "Alles Neuland" für Neuer)

Ein kleiner, aber lauter, Teil der Fans des FC Bayern München teilte auf diese Weise am 2. März vor dem Pokal-Halbfinale zwischen dem FC Bayern und dem FC Schalke 04 seine Ablehnung eines Transfers des Nationaltorwarts nach München mit.

Verhindern konnten sie ihn nicht. Und als Neuer am Samstagnachmittag bei der Saisoneröffnung des Rekordmeisters als letzter der 21 Profis zur Präsentation auf den Rasen gerufen wurde, gab es keinen Protest mehr, sondern nur ohrenbetäubenden Jubel von den etwa 30.000 begeisterten Anhängern 423213(DIASHOW: Bayern-Trainingsstart).

"Manuel ist jetzt einer von uns"

Es war eine Abstimmung mit den Händen darüber, ob Neuer in der Bayern-Familie willkommen ist. Der Applaus für den Ex-Schalker fiel sogar lauter aus als der für die Publikumslieblinge Ivica Olic, Franck Ribery, Arjen Robben und Thomas Müller.

Das Publikum bestätigte das, was Kapitän Philipp Lahm kurz zuvor auf SPORT1-Nachfrage vermutet hatte:

"Manuel ist ab jetzt ein Spieler von uns. Wir wollen erfolgreich Fußball spielen und deshalb bin ich sehr zuversichtlich, dass sich aber auch wirklich alle darüber freuen, dass Manuel da ist."

Neuer selbst war schon vor dem Beginn des Showtrainings auf dem Rasen "überzeugt", dass ihm ein freundlicher Empfang bevorsteht, gestand bei SPORT1 aber auch: "Ich war anfangs angespannt, weil ich nicht wusste was mich erwartet"

Auch Bayern Sportdirektor Christian Nerlinger zeigte sich "nicht überrascht" ob des warmen Empfangs des Keepers.

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Runder Tisch mit Fan-Vertretern

Obwohl sich diese Einschätzung bewahrheitete, so ganz sicher waren sie sich beim FC Bayern offensichtlich nicht. Noch am Mittag hatte der Klub zehn Fan-Klub-Vertreter zu einem runden Tisch über die Fan-Proteste der letzten Monate gegen Neuer und die Beleidigungen gegen Präsident Uli Hoeneß geladen.

Auch die dabei federführenden Gruppierungen "Schickeria" und "Club Nr. 12" waren vertreten. Von Seiten der Bayern saßen Hoeneß, Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, Finanzchef Karl Hopfner, Sportdirektor Christian Nerlinger und Kapitän Philipp Lahm mit am Tisch.

Als Moderator hatten die Bayern Wolfgang Salewski engagiert, ein ehemaliger Polizeipsychologe, der auch schon mit der RAF verhandelte und bei zahlreichen Geiselnahmen im Einsatz war.

Rummenigge "vorsichtig optimistisch"

So ernsthaft ging es diesmal zwar nicht zu, dass aber auch nicht alles eitel Sonnenschein war, ließ sich aus dem Gesichtsausdruck und den Aussagen Rummenigges aber problemlos ablesen.

[kaltura id="0_e3srgjmp" class="full_size" title="Neuer: "Bin über den Empfang erleichtert""]

"Das Gespräch hat in einer sehr guten Atmosphäre stattgefunden, die Meinungen und Positionen wurden ausgetauscht", erklärte der, und stellte fest: "Wir können vorsichtig optimistisch in die Zukunft schauen."

Über das Thema Neuer habe eine "rege Diskussion stattgefunden", so Rummenigge. Ohnehin sei es immer nur eine einzelne Gruppierung gewesen, die etwas gegen Neuer gehabt hätte.

"Dieser Tag ein Neubeginn"

Ob diese nach dem runden Tisch besänftigt sind, oder beim ersten Heimspiel am 7. August gegen Borussia Mönchengladbach neue Protestaktionen starten, wird sich zeigen. Die Vereinsspitze möchte das Thema jedenfalls so schnell wie möglich abhaken.

"Ich glaube, dass der heutige Tag ein Neubeginn zwischen dieser Gruppierung und Manuel Neuer sein wird", prophezeite Rummenigge. Über die sportlichen Qualitäten Neuers gäbe es sowieso keine Diskussion (BERICHT: Schweinsteiger - Führungsspieler auf Bewährung) .

Das unterstrich auch Nerlinger, der seine bisherige Bilanz mit den Neuverpflichtungen Neuer, Rafinha, Nils Petersen und Takashi Usami lobte: "Wir haben durch die Transfers einen großen Schritt nach vorne gemacht" 241095(DIASHOW: Bayerns Planspiele) .

Positive Rückmeldung aus der Heimat

Den erhofft sich auch Neuer, der nach seinem ersten Arbeitstag in neuen Farben am Freitag beim Leistungstest aus der alten Heimat nur positive Nachrichten erhalten hat.

"Ich habe gestern einige SMS und Anrufe bekommen, aber es war nicht kritisches dabei", sagte Neuer. Für ihn sei mit dem Tag der Bestätigung des Transfers vieles leichter geworden:

"Das war ein befreiendes Gefühl."

"Meister? Am besten im ersten Jahr"

Das nötige Selbstbewusstsein für einen Profi des Rekordmeisters hat er sowieso mitgebracht.

"Mein Ziel ist es, Titel zu holen. Persönliche Ziele habe ich natürlich auch, aber die Ziele der Mannschaft stehen im Vordergrund", erklärte Neuer: "Ich will Meister werden, am besten schon im ersten Jahr."

Wenn das gelingt, wird er den ohrenbetäubenden Jubel in der Allianz Arena noch häufig zu hören bekommen. Und die Erinnerung an den 2. März 2011 wird irgendwann ganz verblassen.

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