vergrößernverkleinern
Timo Hildebrand wechselte zur Saison 2007/2008 vom VfB nach Valencia © getty

Die Winterpause ist noch nicht angelaufen, da landet 1899 schon den ersten Transfer-Coup: Der Ex-Nationaltorwart kommt zum Spitzenreiter.

Von Christian Paschwitz

München - Es ist der Transfer-Hammer der Rückrunde - und das bereits vor der Winterpause: Timo Hildebrand kehrt zurück in der Bundesliga.

Gerade mal fünf Tage nach Auflösung seines ursprünglich bis 2010 datierten Vertrags beim spanischen Pokalsieger FC Valencia hat der ehemalige deutsche Nationaltorhüter (sieben Einsätze) schon einen neuen Arbeitgeber gefunden und wechselt zu Sensationsaufsteiger 1899 Hoffenheim.

Bereits am Mittwochnachmittag wurde der 29-Jährige in Sinsheim während einer eilig einberufenen Pressekonferenz beim Spitzenreiter vorgestellt. "Ich will in Hoffenheim einen Neuanfang machen und zu meiner alten Topform zurückfinden", sagte Hildebrand.

Ab der Rückrunde wird er dann zwischen den Pfosten stehen.

Haas und Özcan auf die Bank

Was wohl auch bedeutet: Hoffenheims bisherige Schlussleute, Daniel Haas (Porträt) sowie Aufstiegs-Keeper Ramazan Özcan (nach nur sechs Spieltagen als Nummer eins abgelöst), müssen sich fortan mit der Reservistenrolle begnügen.

Der ablösefreie Transfer von Hildebrand kommt nicht völlig unerwartet. Schließlich sind die Ansprüche innerhalb der Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick in den vergangenen Monaten dank des Höhenflugs enorm gestiegen.

Als Tabellenführer gibt es derzeit nur wenige Bereiche in denen Hoffenheim nicht die Nase vorn hat: Elf Siege sind ebenso Liga-Spitze wie 41 erzielte Tore.

Einzig in punkto Gegentoren steht 1899 mit 22 kassierten Treffern nicht ganz oben - und bessert deshalb nun mit Hildebrand nach. (Die Tabelle)

Lob von Löw und Hitzfeld

"Ich freue mich für Timo, dass er durch seinen Wechsel nach Hoffenheim jetzt wieder Planungssicherheit und Klarheit hat", erklärte Bundestrainer Joachim Löw.

"Nachdem er in den letzten Monaten in Valencia ziemlich in der Luft gehangen hat, geht er jetzt zu einem Trainer, der mit ihm plant. Das zu wissen, ist generell wichtig für einen Spieler."

Auch Ottmar Hitzfeld, der mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund sieben Mal Deutscher Meister wurde, hält die Verpflichtung für konsequent: "Wenn man so einen Torhüter holt, ist das natürlich auch ein Zeichen, um die eigenen Ambitionen zu unterstreichen", sagte der Schweizer Nationaltrainer bei "Premiere".

Für den gebürtigen Pfälzer Hildebrand ist es gleichermaßen die Rückkehr in den heimatlichen Südwesten wie die Chance zum sportlichen Neuanfang.

Während der eineinhalb Jahre nach seinem Wechsel vom VfB Stuttgart nach Valencia kam Hildebrand auf gerade mal 26 Pflichtspiel-Einsätze in der Primera Division. Selbst wenn er auf Anhieb spanischer Pokalsieger wurde.

Nach der EM-Ausbootung verlor der 221-fache Bundesliga-Torwart seinen Stammplatz dann endgültig und war sogar nur noch dritte Wahl. In dieser Saison kam er weder in der Liga noch im Pokal zum Einsatz.

Letztes Pflichtspiel im August

Sein letztes Pflichtspiel absolvierte der 29-Jährige am 24. August im spanischen Supercup gegen Real Madrid.

Hildebrands Leidenszeit dokumentierte sich auch auf seiner Homepage, deren letzten beiden Einträge von Ende Oktober/Anfang November rühren: "Erstmal ein Sorry dafür, dass ich mich schon so lange nicht mehr hier gemeldet habe. Doch irgendwie gab es eben auch nix zu berichten."

Inzwischen schon: Die Frustration dürfte nunmehr beendet sein, in Hoffenheim will Hildebrand neu angreifen - auch die Bayern.

Denn: Das Letzte, was der Torwart in der Bundesliga zu halten bekam, war 2007 die Meisterschale. Wiederholung nicht ausgeschlossen, schließlich wird 1899 bereits seit Wochen zum Kreis der Titel-Anwärter gezählt.

Rückkehr zu Ziehvater Rangnick

Wohl aber auch ein wichtiger Grund für den Wechsel: Ralf Rangnick. Hoffenheims Coach hatte Hildebrand vor acht Jahren in Stuttgart zur Bundesliga-Premiere verholfen.

Auch in den Geschichtsbüchern der Statistik verewigte er sich: In den Spielzeiten 2002/03 und 2003/04 blieb Hildebrand 884 Bundesliga-Minuten ohne Gegentor und knackte damit den Bestwert von Oliver Kahn.

Bereits diesen Sommer schien der Schlussmann gewillt, zurück in die Bundesliga und dabei nach Hoffenheim zu wechseln. Der Transfer scheiterte jedoch, weil Hoffenheim aufgestoßen sein soll, dass Hildebrands Management seinen Klienten gleichzeitig noch zahlreichen anderen Klubs anbot.

Neue Berater - weniger Geld?

Mittlerweile hat Hildebrand ein neues Beraterteam um sich geschart, darunter Franz Beckenbauers Manager Marcus Höfl. Der Konflikt von damals ist somit aus der Welt - und Hildebrands Karriereknick gestoppt.

Wie es heißt, muss der Schlussmann bei seinem neuen Arbeitgeber aber einige finanzielle Abstriche hinnehmen. Das dürfte er allerdings verschmerzen angesichts des Wechsels vom Tribünenhocker zur Nummer eins beim Bundesliga-Tabellenführer.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel