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Bayerns neuer Trainer Heynckes (M.) wurde letzte Saison mit Leverkusen Vizemeister © getty

Seine Mission startet nun so richtig: Im Trainingslager am Gardasee bläut "Don Jupp" dem FC Bayern seine Philosophie ein.

Aus dem Trainingslager des FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

Riva del Garda - Vieles ist mittlerweile kleiner als früher und digital - auch Diktiergeräte.

Jupp Heynckes hielt diese am Montag für Handys. Er benutzte später auch das Wort "Hüftbeuger".

Manchmal - beispielsweise beim Auftakt zum Pressetalk im Trainingslager am Gardasee - wirkt der neue alte Bayern-Trainer tatsächlich so alt wie er nunmal ist.425548(DIASHOW: Saisoneröffnung des FC Bayern)

Doch die Art des 66-Jährigen könnte sich durchaus als erfrischend für den deutschen Rekordmeister erweisen, der nach der insgesamt verkorksten vergangenen Saison wieder nach Titeln lechzt.

Der familiäre Verein schätzt Heynckes als Freund und Fachmann. Unmodern ist der ehemalige Leverkusener keineswegs.

Es ist sein insgesamt drittes Engagement in München, was Heynckes selbst immer noch "unglaublich" findet. Mit dem Schuften im schönen Trentino beginnt seine neue Mission so richtig. (AKTUELL: FC Bayern im Trainingslager: "Das werden vier harte Wochen")

Heynckes schmunzelte, als er daran dachte, dass einige seiner Spieler vor 20 Jahren noch gar nicht geboren waren. Damals, als er erstmals für Bayern arbeitete.

In dieser Woche will er ihnen "die gesamte Grundlagenpallette in der Ausdauer und Schnelligkeitsausdauer" bieten, wie er auf SPORT1-Nachfrage betonte.

"Verletzungen nicht verhindern, aber reduzieren"

"Wir beginnen auch mit der Prävention. Die körperlichen Voraussetzungen sind eminent wichtig. Wir können Verletzungen nicht verhindern, aber reduzieren", weiß der Fußballlehrer.

Seine ersten Eindrücke von seinem Stab sind hervorragend: "Ich bin sehr angetan von unseren Trainern, sie arbeiten erstklassig. Das ist sehr angenehm - so können wir erfolgreich sein."

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Die Ziele sind klar abgesteckt: Nach der Qualifikation für die Champions League werden Meisterschaft, Pokal und eben die europäische Krone ins Auge gefasst.

Das Spielermaterial, das Heynckes zur Verfügung steht, befindet er schon als "sehr gut", doch sollen mit Jerome Boateng (Manchester City) und Arturo Vidal (Bayer Leverkusen) noch zwei neue Spieler dazu kommen.

Vierter Innenverteidiger gewünscht

"Ein vierter Innenverteidiger würde uns noch gut zu Gesicht stehen", merkte Heynckes an.

Und zum Thema Vidal gab er zu Protokoll: "Ich weiß, was im Laufe einer Saison alles passieren kann, deswegen brauchen wir wenigstens 20 qualitativ hochwertige Feldspieler plus drei Torleute. Nur so kann man in vernünftig arbeiten, variieren und rotieren."

[kaltura id="0_od17hond" class="full_size" title="Bayern bläst zur Attacke"]

Die Woche am Gardasee wird der neue Trainer auch nutzen, um seine Philosophie zu vermitteln. Mittlerweile nimmt sie auch Konturen an.

Anders als sein Vorgänger Louis van Gaal duzt er die Spieler. Der Tag wird in Zukunft um 9 Uhr mit einer gemeinsamen Besprechung beginnen.

Schlüsselworte: Pressing und Polyvalenz

Am Montag wurden mit einer Videopräsentation die grundsätzlichen Taktiken vorbesprochen. Schlüsselworte dabei: Pressing und Polyvalenz.

Mit der druckvollen Spielweise, bevorzugt im 4-2-3-1, und neuer Vielseitigkeit, sollen die Gegner künftig wieder vor Angst zittern.

"Die Gegner sollen wieder sagen: Es ist schwer, gegen die Bayern ein Tor zu erzielen. Der Sturm gewinnt Spiele, die Abwehr gewinnt Meisterschaften", betonte "Don Jupp". Seine Mannschaft soll kompakt und defensivstark sein.241095(DIASHOW: Bayerns Planspiele)

"Ich bin auch flexibel im System. Der FC Bayern muss auf den Außenpositionen immer besetzt sein, um den Raum zu nutzen, weil der Gegner meist defensiv agiert."

Im Vordergrund steht bei ihm das Team - Sonderrechte können sich die Stars abschminken.

Leistung statt Status

"Ein Ribery muss sich wie jeder andere integrieren - genauso wie ein Müller, Schweinsteiger, Gomez oder Lahm. Heutzutage im modernen Fußball muss das Team funktionieren. Leistung ist entscheidend - kein Status", stellte er klar.

Um erst gar keine Diskussionen aufkommen zu lassen, legte er sich auch sogleich in der Kapitänsfrage fest: Philipp Lahm trägt weiterhin die Binde, Bastian Schweinsteiger bleibt dessen Stellvertreter.

"Eine Änderung war nicht notwendig. Lahm ist ein Dauerbrenner, er geht vorneweg und hat eine Meinung. Er ist ein wichtiger Bestandteil der Truppe. Schweinsteiger ist zum Weltklassespieler herangereift und auf einer Stufe mit den europäischen Spitzenspielern", schwärmte er und ließ den Blick durch den Raum schweifen.

Alter hin oder her - Heynckes brennt.

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