vergrößernverkleinern
Christoph Daum stieg 2008 mit dem 1. FC Köln in die Bundesliga auf © getty

Nach der vierten Niederlage in Folge darf sich Köln keine Pleite mehr erlauben. Das beherrschende Thema war aber ein anderes - bis jetzt.

Von Thorsten Mesch

München/Köln - Sportlich befindet sich der 1. FC Köln auf dem absteigenden Ast. Vier Niederlagen in den letzten vier Spielen sind dafür ein klarer Beleg.

Doch Panik war deshalb rund um das Geißbockheim bisher nicht aufgekommen.

Schließlich ist der Vorsprung des Tabellen-Zwölften (19 Punkte) auf einen Abstiegsplatz mit acht Punkten immer noch komfortabel (zur Tabelle) .

Über den bei einer weiteren Pleite am Samstag in Bochum noch näher rückenden Tabellenkeller wurden kaum Worte verloren.

Daum genervt

Vielmehr war die "P-Frage" das alles beherrschende Thema: Kommt Podolski zurück? Wann kommt Podolski? Wieviel kostet Podolski?

Ein Thema, auf das Christoph Daum zunehmend genervt reagierte.

So genervt, dass er sogar den Namen des verlorenen Sohnes, den sich die Kölner Fans so innig zurückwünschen, nicht einmal mehr in den Mund nehmen wollte.

"Das Übergeordnete hier ist offenbar immer wieder der Phantomspieler", sagte Daum. "Der ist omnipräsent. Eigentlich interessiert gar nicht, was unsere Spieler machen."

"Vielleicht müssen wir den Abgrund sehen"

Daher rüttelt der Coach nun die Kölner Fußball-Gemeinde auf. "Vielleicht müssen wir hier mal den Abgrund sehen. Bisher stand da ja immer noch ein Geländer", stichelte der Trainer und ergänzte:

"Wenn wir gegen Bochum nicht mit Wut im Bauch spielen, dann hilft vielleicht nur eine böse Klatsche."

Denn in Bochum erwarte den FC "der reine Überlebenskampf".

"Unsägliches" Angebot

Der Kampf um Podolskis Rückkehr gestaltet sich ebenfalls schwierig. Am 25. November hatte die Kölner Vereinsführung mit Präsident Wolfgang Overath an der Spitze auf der Jahreshauptversammlung feierlich ein offizielles Angebot an Bayern München angekündigt.

Wie hoch die Offerte genau war, wurde nicht bekannt. Spekuliert wird über sieben bis acht Millionen Euro. In jedem Fall zu wenig, denn sonst hätte Bayern-Manager Uli Hoeneß das Angebot des FC wohl kaum als "unsäglich" abqualifiziert.

"Das ist typisch Hoeneß. Wenn man mehr Geld haben will, kann man das auch charmanter ausdrücken", sagte Michael Meier.

Der FC-Manager ließ durchblicken, dass sich das Angebot der Kölner an der Summe orientiert habe, die Bayern 2006 für den Jungstar bezahlt habe. Das sollen zehn Millionen Euro gewesen sein.

Andere Optionen für Poldi

"Wir wären bereit, schon jetzt eine Transfer-Zusage für den 1. Juli 2009 zu machen, wenn das Angebot stimmt", erklärte Hoeneß und legte nach:

"Es sind noch vier oder fünf andere Bundesligisten an Lukas interessiert. Wenn sich der FC nicht bald bewegt, wird Poldi sich anders entscheiden."

Zu den Interessenten soll auch Borussia Dortmund gehören, doch deren Trainer Jürgen Klopp bezeichnete den Transfer am Dienstag als nicht machbar.

Manager Meier will sich nicht unter Druck setzen lassen: "Wir sollten die Gespräche in den Räumen fortsetzen, in denen wir sie begonnen haben."

Kein alleiniger Heilsbringer

Kölns Trainer wünscht sich einerseits Verstärkungen. Die könne er sich "schon auf einigen Positionen vorstellen", erklärte Daum, schob aber sogleich nach: "Wir sind aber finanziell nicht in der Lage, dies zu bewerkstelligen."

Er weiß auch, dass Podolski allein ihm vermutlich auch nicht weiterhelfen würde.

"Kein Spieler ist so gut, dass er alle Probleme lösen kann", meinte Daum. Ihm gehe es darum, "das Optimale mit den Spielern zu erreichen, die ich habe".

Novakovic braucht Sturmpartner

Bis Podolski vielleicht im Sommer an den Rhein zurückkehren wird, muss Milivoje Novakovic (zum Spielerporträt) weiter den Alleinunterhalter im Angriff geben.

"Ich würde mir wünschen, dass Poldi kommt", sagte Novakovic, der zehn Tore der 17 Kölner Saisontore erzielte, dem "Express".

"Aber das würde auch Risiken mit sich bringen. Er hat einen großen Namen. Aber niemand kommt in eine neue Mannschaft und schießt sofort 20 Tore."

Der prekären Situation des FC ist sich der Slowene bewusst. Vielleicht habe sich die Mannschaft nach 19 Punkten zu früh zufrieden gegeben, vermutete der Kölner Kapitän und forderte:

"Wir müssen uns steigern. Schon am Samstag in Bochum. Da dürfen wir alles - nur nicht verlieren!"

FC-Fans aufgepasst: Hier gibt es eine echte Geißbock-Rarität zu gewinnen... Zum Forum - hier mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel