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Horst Köppel war von April 2005 bis Mai 2006 Chefcoach der Gladbacher © getty

Der frühere Gladbacher Trainer Horst Köppel analysiert im Interview mit Sport1.de die Gründe für die Krise seines Ex-Vereins.

Von Mathias Frohnapfel

München - Mutmacher zu finden, damit tun sie sich im Moment schwer bei Borussia Mönchengladbach.

Ein Lichtlein im Advent scheint derzeit so weit weg wie ein besinnlicher Moment in einer Gruselshow.

Mal wieder ist Gladbach (Teamseite) , mit so großen Ambitionen in die Bundesliga zurückgekehrt, ganz unten.

Die alten Helden des einst so glorreichen Klubs sehen es mit Grausen.

Stefan Effenberg sprach dem Kader bei "Premiere" die Bundesliga-Tauglichkeit ab und kritisierte auch Trainer Hans Meyer, dass er die Mannschaft zusätzlich verunsichere.

Köppel bietet seine Hilfe an

Kritik kommt auch von Horst Köppel, als Spieler dreimaliger Meister mit Gladbach und erfolgreichster Trainer der jüngeren Vergangenheit:

Der 60-Jährige erreichte 2006 den zehnten Platz, die beste Platzierung der "Fohlen" in den vergangenen zwölf Jahren.

Bei Sport1.de spricht Köppel offen die Defizite des Teams an, bietet seine Hilfe an und sagt, wo gehandelt werden muss.

Sport1.de: Herr Köppel, was sind aus Ihrer Sicht die Gründe für die Krise Ihres Ex-Klubs?

Horst Köppel: Ich habe schon lange gesagt, dass es nicht richtig läuft mit den Ein- und Verkäufen. Und wenn es nicht läuft, wird bei Gladbach zu schnell geändert auf der Trainer- und Sportdirektor-Position. Es kann so keine Kontinuität reinkommen.

Sport1.de: Stefan Effenberg hat vor kurzem kritisiert, der Kader von Gladbach sei nicht bundesligatauglich. Sehen Sie es auch so?

Köppel: Man hat sich ein bisschen blenden lassen. Nach dem Aufstieg hat man gesagt, mit der Truppe kann man in der Ersten Liga bestehen. Ich habe gewarnt: "Leute, ihr müsst euch auf zwei, drei Positionen richtig gut verstärken." Da wurde man da nicht so richtig ernst genommen. Und die Spieler, die man geholt hat, spielen zum Teil gar nicht oder nicht so, wie man es sich vorgestellt hat.

Sport1.de: Gegen Leverkusen wirkte die Borussia verunsichert...

Köppel: Gegen Leverkusen sind sie ja nach dem 0:3 noch einmal zurückgekommen, aber gegen Cottbus war es noch schlechter. Da hätte man mehr erwarten müssen. Ich bin zwar ein Außenstehender, verfolge aber alles hautnah.

Sport1.de: Könnten Sie sich eine Mitarbeit vorstellen?

Köppel: Ich wohne hier, bin ja Gladbacher und Mitglied des Vereins. Von daher kann ich mir eine Beraterfunktion wie die von Paul Breitner bei den Bayern vorstellen. Aber die Frage ist, ob man das will.

Sport1.de: Haben Sie den Eindruck, dass in der Führung auf den Rat der Altgedienten wie Sie, Berti Vogts und anderer gehört wird?

Köppel: Das weiß ich nicht. Vielleicht haben Sie auch schon den ein oder anderen gefragt, ob sie mitwirken wollen. Aber die haben womöglich kein Interesse oder keine Zeit. Ich bin überzeugt, dass alle aus dem so genannten sportlichen Kompetenzteam am Verein hängen, aber denen fehlt die Erfahrung. Ich habe auch lange gebraucht, um Dinge zu erkennen, die ich als Spieler oder kurz nach meiner aktiven Zeit noch nicht so gesehen habe.

Sport1.de: Wie bewerten Sie konkret die Stärke des Kaders?

Köppel: Jos Luhukay und Christian Ziege haben damals gesagt, die Mannschaft ist stark genug, um in der Bundesliga eine gute Rolle zu spielen. Das haben sie bestimmt auch geglaubt. Das hat sich leider nicht bestätigt. Die Mahner sagten: Der eine Spieler ist vielleicht bisschen zu alt, der andere ein wenig zu langsam, der dritte ist noch nicht für die Erste Liga reif. Doch die Mahner wurden ja nicht gehört. Da hieß es: Was wollt ihr eigentlich? Wir sind doch souverän aufgestiegen.

Sport1.de: Können die jungen Spieler schon die Aufgabe schultern, die Ihnen Trainer Hans Meyer stellt?

Köppel: Ich kann nur sagen, dass zum Beispiel Tony Jantschke gegen Bayer ganz gut gespielt hat. Hans Meyer ist so erfahren, er weiß, was er dem Einzelnen zutrauen und was für die Mannschaft gut ist.

Sport1.de: Hat man sich zu sehr auf die Künste von Marko Marin verlassen?

Köppel: Nein, das glaube ich nicht. Das wäre auch vermessen gewesen. Er hat bis dato nur in der Zweiten Liga gespielt und man wusste nicht, dass er sich bis dato so gut entwickelt.

Sport1.de: Wie kann die Borussia rauskommen aus der Krise?

Köppel: Wichtig wäre in Dortmund noch mal irgendetwas zu erreichen. Denn eine Niederlage mit zwei oder drei Toren Unentschieden belastet noch mehr. Das trägt man ja die ganze Zeit mit sich rum. Schön wäre ein erfolgreiches Ergebnis. Ein Unentschieden wäre ganz gut, dann könnte die man Vorbereitung auf die Rückrunde etwas ruhiger angehen.

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