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Toni Kroos (li., mit Nils Petersen) begann 1997 seine Karriere beim Greifswalder SC © getty

FCB-Trainer Heynckes macht Toni Kroos Druck und hat Großes mit ihm vor. Dabei hat er noch nicht einmal eine Position für ihn.

Aus dem Trainingslager des FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

Riva del Garda - Er lehnt lässig im Sessel - ein Bein hat er angezogen.

Auffällig: Sein Kreuz ist viel breiter geworden, die Statur, sogar sein Gang hat sich deutlich verändert.

Im Trainingslager am Gardasee geht er entschlossener in die Zweikämpfe, ist präsent. Toni Kroos hat seine Hausaufgaben gemacht.

Es war eine Bedingung seines Trainers Jupp Heynckes, der ihn in einem Telefonat eindringlich vor dem Faulenzen im Urlaub in Spanien warnte.

Denn vor zwei Jahren war Kroos, damals noch bei Bayer Leverkusen, mit zwei Kilo Übergewicht wieder aufgekreuzt 426376(DIASHOW: Bayern-Trainingslager in Trentino).

"Ich habe mir gesagt, das machst du nicht nochmal bei ihm", erinnert sich Kroos schmunzelnd.

Kroos sieht sich nicht als Talent

Der Mittelfeldspieler weiß, dass er in dieser Vorbereitung körperlich besonders fit sein muss ? denn diese Saison wird richtungsweisend.

Ewiges Talent oder Durchbruch: Für den 21-Jährigen, der noch immer seine Position sucht, stellen sich die Weichen.

Die Bezeichnung "Talent", die selbst von Heynckes noch verwendet wird, nervt Kroos.

"Ich sehe mich nicht so. Klar bin ich in meiner Entwicklung noch nicht am Ende, aber es ist jetzt schon meine fünfte Saison, ich habe 89 Bundesligaspiele und 18 Länderspiele gemacht."

"Viele Chancen gibt es nicht"

Seit 2006 steht er im Profikader des deutschen Rekordmeisters, doch konstant konnte er seine Leistung - im Gegensatz zu seinen Leistungen bei Bayer Leverkusen, wohin er anderthalb Jahre verliehen worden war - noch nicht abrufen.

"Bayern München ist etwas anderes als in Leverkusen - da konnte er regelmäßig spielen. Viele Chancen, sich hier hineinzuarbeiten gibt es nicht", warnt Heynckes seinen Schützling vor, obwohl er bereits angekündigt hatte, stetig rotieren lassen zu wollen.

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"Braucht mir nicht viel beizubringen"

Der 66-Jährige ist, wie er sagt, und das hat er mit seinem Vorgänger Louis van Gaal gemein, ein "Fan" von Kroos. Allerdings weiß der Coach, dass er nun Druck aufbauen muss, damit Kroos nicht zu bequem wird.

Er solle malochen, einen Zahn zulegen, hat er ihm mit auf den Weg gegeben. Weil er Angst hat, dass es langfristig nicht reichen könnte für Bayern?

"Fußballerisch braucht er mir nicht mehr viel beizubringen. Jetzt gilt es das, was in Leverkusen gut war, noch zu verbessern. Wenn das klappt, sieht es ganz gut aus", glaubt Kroos.

Kroos in's defensive MIttelfeld?

Aber wo ist überhaupt Platz für ihn?

In Leverkusen glänzte er im linken offensiven Mittelfeld, war torgefährlich und wurde gesucht. Bei Bayern ist diese Position für Franck Ribery reserviert, die erste Alternative ist Ivica Olic. Der "Zehner" ist Kroos' Lieblingsrolle, von dort setzt er allerdings zu wenig Akzente, außerdem gibt es da auch noch einen Thomas Müller.

[kaltura id="0_q14cdvpd" class="full_size" title="Kroos Ein Talent im Schatten"]

In der Nationalmannschaft agierte er zuletzt im defensiven Mittelfeld und machte seine Sache laut Heynckes "recht gut".

In München ist der Kampf um den Platz neben Bastian Schweinsteiger der härteste. Dort stehen sich Luiz Gustavo, Anatoliy Tymoshchuk, Danijel Pranjic und eben Kroos auf den Füßen 241095(DIASHOW: Bayerns Planspiele).

"Ich kenne Heynckes. Er sieht mich nicht als klassischen Sechser, das bin ich auch nicht. Es ist sicherlich eine Variante, aber grundsätzlich bin ich eher offensiver", sagt er.

Kroos lobt Vidal

Und was passiert, wenn irgendwann auch noch Arturo Vidal kommt, wovon aufgrund aller Tendenzen auszugehen ist?

"Ich sehe das nicht als Problem", betont Kroos. "Wir brauchen einen guten Konkurrenzkampf, um eins zu eins wechseln zu können."

Vor Vidal, mit dem er zusammen in Leverkusen spielte, hat er keine Angst: "Er hat in der letzten Saison einen großen Schritt nach vorne gemacht. Er ist ein sehr guter Spieler, der auch zu Bayern passen würde."

Es ehrt Kroos, dass er ehrlich und sachlich bleibt, obwohl mit der Verpflichtung des Chilenen auch seine Luft dünner wird. Die Verantwortlichen setzen auf ihn, sein Vertrag läuft bis 2015. Es ist an ihm zu zeigen, dass er ihn auch erfüllen will.

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