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Michael Rensing war von 2003 bis 2010 beim FC Bayern München unter Vertrag © getty

Michael Rensing hat als Profi schon viel erlebt. Im 9. Teil der SPORT1-Interviewserie spricht Kölns Torhüter über seinen Weg.

Von Mathias Frohnapfel

München/Köln - Michael Rensing ist wohl der inoffizielle Comeback-Spieler der Saison 2010/2011.

Beim 1. FC Köln hat sich der beim FC Bayern gescheiterte Torhüter mit sehr starken Leistungen aus der zeitweiligen Arbeitslosigkeit wieder ins Bundesliga-Rampenlicht gespielt.

"Ich glaube, man weiß seinen Beruf als Fußballprofi erst richtig zu schätzen, wenn man so etwas erleben musste wie ich", sagt Rensing bei SPORT1 über die schwere Zeit (DATENCENTER: Bundesliga-Spielplan 2011/12).

Auf dem Weg zum Führungsspieler

Nach seiner Verpflichtung holten die "Geißböcke" in 17 Rückrunden-Spielen neun Siege und kletterten vom Relegationsrang auf Platz zehn.

Der 27-Jährige ist für die Rheinländer und ihren neuen Trainer Stale Solbkken auch in der kommenden Spielzeit die unumstrittene Nummer eins und zudem auf dem Weg zum Führungsspieler.

Der ehemalige Junioren-Nationaltorwart hofft, sich mit seinem Verein frühzeitig nach oben orientieren zu können.

Im 9. Teil der SPORT1-Interviewserie spricht Rensing außerdem über die Vorbereitung unter dem neuen Chef, den FC Bayern und seine Zukunftspläne.

SPORT1: Herr Rensing, andere Profis stöhnen regelmäßig über die harte Vorbereitung - Sie auch?

Michael Rensing: Nein, in der Vorbereitung werden die Grundlagen gelegt, da ist es normal, dass man mehr trainiert als sonst. Ich habe damit keine Probleme - im Gegenteil.

SPORT1: Liegt diese Einstellung auch daran, dass Sie nach Ihrer Zeit beim FC Bayern ein halbes Jahr vereinslos waren?

Rensing: Ich glaube, man weiß seinen Beruf als Fußballprofi erst richtig zu schätzen, wenn man so etwas erleben musste wie ich. Ich freue mich jeden Tag darüber, dass ich wieder als Fußballprofi auf dem Platz stehen darf (SERVICE: Die Sommerfahrpläne).

SPORT1: War diese Zeit aus Ihrer Sicht wichtig oder hätten Sie lieber darauf verzichtet?

Rensing: Natürlich hätte ich gerne darauf verzichtet. Andererseits war sie auch sehr wichtig für mich und mein Leben, weil ich viel mitnehmen konnte.

SPORT1: In einer Umfrage unter den Bundesliga-Profis wurden Sie zum drittbesten Saisonkeeper gewählt. Macht Sie das stolz?

Rensing: Natürlich. Ich habe viel aus der Zeit bei Bayern und auch aus der vereinslosen Zeit gelernt. In diesem halben Jahr habe ich sehr viel trainiert, in verschiedenen Bereichen hart an mir gearbeitet, so dass ich mich sehr verbessern konnte. Da freut es mich natürlich umso mehr, dass es hier beim 1. FC Köln direkt so gut funktioniert hat.

SPORT1: Hand aufs Herz, träumen Sie jetzt von der Nationalmannschaft?

Rensing: Jeder Fußballer träumt natürlich von der Nationalelf. Ich bin froh und glücklich hier in Köln. Ich möchte meine Leistung weiterhin bestätigen. Darauf werde ich meine ganze Konzentration verwenden.

SPORT1: Wie ist bisher Ihr Eindruck vom neuenTrainer Stale Solbakken?

Rensing: Menschlich ist er sehr angenehm und sympathisch. Er ist auf der einen Seite locker, aber genießt auch Autorität. Genau die richtige Mischung, wie ich finde. Er hat sportlich ein klares Konzept, geht viel auf taktische Dinge ein. Jeder Spieler soll wissen, was er in welcher Situation zu tun hat. Das muss immer und immer wieder trainiert werden.

SPORT1: Im Trainingslager auf Langeoog hat er aber "nur" zweimal pro Tag trainieren lassen.

Rensing: Ich hatte in München mehrere Trainer, auch einen, der drei Einheiten gemacht hat. Letzten Endes warst du dann kaputt, als du auf dem Platz gestanden bist. Unser Trainer macht so gut wie alles mit Ball, das ist das A und O. Solche Einheiten können anstrengender sein als reine Läufe. Die taktischen Dinge sind auch sehr wichtig für uns.

SPORT1: Was muss in Köln passieren, damit der FC in der neuen Saison nichts mit dem Abstiegskampf zu tun hat?

Rensing: Wir wollen uns so schnell wie möglich aus dieser Zone entfernen. Unser Ziel ist es, einen Mittelfeldplatz zu ergattern, wir wollen rechtzeitig die Punkte holen und uns nach vorne orientieren. Auf Dauer heißt es, im Mittelfeld in ruhigeren Gewässern zu fahren.

SPORT1: Wie wichtig ist es für diese Ziele, dass alle an einem Strang ziehen?

Rensing: Sehr wichtig. Ich glaube, dass der Verein viel dafür getan hat. Es wird viel neu angegangen und wir haben jetzt viele gute Leute an Bord.

SPORT1: Wird es sich für die FC-Fans in der kommenden Saison lohnen, Auswärtsfahrten zu machen? Kommt das Team dann auch mit Punkten nach Hause?

Rensing: Schlimmer als zuletzt kann es ja nicht mehr werden (lacht). Ich hoffe ganz stark, dass wir uns steigern. Wir wollen eine Balance finden, heimstark bleiben, aber auch auswärts punkten.

SPORT1: Lukas Podolski hat in der vergangenen Saison 13 Mal getroffen. Wie sehen Sie seine Entwicklung?

Rensing: Ich finde, dass er sich enorm verbessert hat. Er hat viel Verantwortung übernommen, hat aber auch starke Leute hinter sich. In der aktuellen Situation kann er sich auf jeden Fall sehr gut entfalten.

SPORT1: Welches Verhältnis haben Sie heute zu Ihrem Ex-Klub, dem FC Bayern?

Rensing: Ich habe nach wie vor ein gutes Verhältnis zum Klub. Allerdings sind einige Freunde, die ich in München hatte, jetzt zu anderen Vereinen gewechselt, so dass der Kontakt zum Klub nicht mehr ganz so intensiv ist.

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