vergrößernverkleinern
Für Jürgen Klopp ist Borussia Dortmund die zweite Trainerstation in der Bundesliga © getty

Jürgen Klopp sieht bei seinem Team noch Luft nach oben. Den Münchnern schiebt der Meistertrainer die Favoritenrolle zu.

Von Andreas Kloo

München - Für Jürgen Klopp war der Meistertitel mit Borussia Dortmund der Gipfel seiner bisherigen Karriere. Doch am Ziel sieht sich der BVB-Trainer längst noch nicht.

"Es geht jetzt wieder von Null los" stellt der 44-Jährige in der "Bild" klar und zieht einen Vergleich mit einem aktuellen Sport-Ereignis.

"Der Titel war wie ein Etappensieg bei der Tour de France. Der ist zwar geil, aber wenn man dann drei Tage feiert, sind die anderen 800 Kilometer weiter." (BERICHT: Klopp und Dortmund "noch nicht satt")

Von seinen Spielern erwartet Klopp die gleiche Einstellung und fordert von jedem Einzelnen eine Steigerung im Vergleich zur überragenden Vorsaison.

"Wenn ich jeden einzelnen Spieler frage: 'Wieviel Luft nach oben hast du noch?', müsste bei jedem 30 bis 40 Prozent als Antwort kommen", ist sich der frühere Mainzer Coach sicher.

"Bayern gefühlte Nummer eins"

Bei solchen Sätzen müsste der Konkurrenz Angst und Bange werden. Mit einem Vorsprung von sieben Punkten holte die Borussia im Mai souverän die siebte Meisterschaft der Klubgeschichte. Und dennoch sieht Klopp noch Potenzial für mehr. Wer soll da den BVB aufhalten?

Die Antwort fällt Klopp nicht schwer. "Wir können den Bayern normalerweise nicht das Wasser reichen", schiebt er dem Rekordmeister die Favoritenrolle zu und füpgt hinzu: "Für unsere Titel-Verteidigung müssten schon Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen."

Ähnlich tief stapelt auch Klopps Chef: "Bayern ist gefühlt die Nummer eins", glaubt Hans-Joachim Watzke im Interview mit den "Ruhr Nachrichten".

Watzke-Neid auf Bayer

Der Geschäftsführer sieht selbst Bayer Leverkusen in der inoffiziellen Rangliste vor den Schwarz-Gelben und nennt das Beispiel Andre Schürrle zur Veranschaulichung. 316092(DIASHOW: Bundesliga-Wechselbörse)

[kaltura id="0_sfesiccn" class="full_size" title="Das neue Gesicht des Meisters"]

"Wir konnten nicht elf Millionen Euro für so einen Jungen zahlen", blickt Watzke ein wenig neidisch Richtung Vizemeister.(DATENCENTER: Der Bundesliga-Spielplan)

Dennoch berichtet er auch von wirtschaftlichen Fortschritten: "Der Titelgewinn hat uns in die Lage versetzt, erstmals eine 40-Millionen-Euro-Personaletat stemmen zu können", zeigt sich der 52-Jährige stolz.

Positive Seiten des Sahin-Transfers

Auch die zehn Millionen Euro für den zu Real abgewanderten Nuri Sahin taten der Dortmunder Kassenlage gut. Stellt sich die Frage, ob der Mittelfeldstratege zu ersetzen ist.

Doch Klopp sieht im Fortgang des besten Spielers sogar einen Vorteil. "Daraus kann eine Chance erwachsen, unser Spiel variabler zu gestalten. Weg von der Nuri-Lastigkeit.", erläuterte Klopp in der "Bild".

Watzke pflichtet dem Trainer bei: "Man darf definitiv von keinem Spieler abhängig sein, sonst hat man etwas falsch gemacht", sagt der erfahrene Funktionär.

Stars nicht erwünscht

Dortmund versucht die Sahin-Lücke mit dem Trio Ivan Perisic (22), Ilkay Gündogan (20) und Moritz Leitner (18) zu schließen. Sie sollen in Zukunft tragende Rollen beim Meister übernehmen.

Ihr Potenzial haben vor allem Perisic und Gündogan bei ihren Ex-Klubs schon bewiesen. Aber als großen Transfer-Coup, den sich der ein oder andere Fan wohl nach dem Meister-Coup gewünscht hatte, man die beiden nicht bezeichnen. (SERVICE: Die Sommerfahrpläne)

Klopp hält aber ohnehin wenig von der Verpflichtung großer Namen: "Wir brauchen keinen, der uns in Mailand den Weg in die Kabine zeigt."

"Kloppo" bestätigt zwar Verhandlungen mit Nationalstürmer Miroslav Klose: "Miro war asblösefrei. Wer da nicht über ihn nachdenkt, hat einen Lattenschuss." Der Angreifer sei aber "gehaltsechnisch" nicht zu stemmen gewesen.

Ärger über EM-Qualifikation

Dortmund vertritt also weiterhin das Anti-Bayern-Modell: Der Star ist die Mannschaft.

Zumal Klopp einen Nachteil von zu vielen Stars bereist schmerzlich erfahren musste: Die Abstellung großer Teile des Kaders für Länderspiele.

Wegen der EM-Qualifikationsspiele Anfang Juni hat Klopp noch immer einen dicken Hals: "Das nervt mich wirklich. Länderspiele in der Sommerpause gehören abgeschafft. Sonst machen wir die Spieler kaputt."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel