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Die beiden gesperrten Sünder Pizarro (l.) und Diego haben Özil im Moment besonders gern © imago

Die neue Werder-Hoffnung heißt Mesut Özil. Der junge Spielmacher zeigte gegen Inter Mailand, dass er die Mannschaft führen kann.

Aus Bremen berichtet Martin van de Flierdt

Bremen - Nach dem Desaster von Karlsruhe fühlte sich manch Bremer Fan, als ob er Weihnachten ohne Geschenke und Festtagsbraten erleben müsste.

Eine trübselige Vorstellung.

Denn die Hoffnung darauf, dass Werder mit Beginn der Rückrunde zur großen Aufholjagd in der Liga ansetzen würde, war stark geschwunden.

Drei Spiele Sperre für Claudio Pizarro, gar vier für Diego.

Wie sollte Werder ohne seinen Spielmacher wieder in die Spur finden?

Seit Dienstagabend hat man in Bremen mehr als nur eine Ahnung davon.

Özil entscheidender Mann

Denn in der zweiten Spielhälfte des letzten Champions-League-Gruppenspiels gegen Inter Mailand (2:1) schwang sich Diegos Vertreter Mesut Özil (Spielerporträt) auf der Position hinter den Spitzen zum entscheidenden Mann auf.

"Die erste Halbzeit von mir war auch schon okay, aber in der zweiten Hälfte war meine Leistung besser", meinte der ehemalige Schalker nach der Partie. "Da haben wir gut nach vorne gespielt."

Was in erster Linie an ihm selbst lag. "Man hat schon gesehen, dass wir aggressiv zu Werke gegangen sind und die entscheidenden Zweikämpfe auch in der Offensive angenommen haben", urteilte Per Mertesacker. "Wir haben dort Bälle gewonnen, die wir direkt verwertet haben vor dem Tor."

Beide Tore vorbereitet

Dass der Nationalspieler damit auf Özil anspielte, war nicht zuletzt deshalb klar, weil der 20-Jährige beide Treffer gegen Mailand (Nachbericht) direkt vorbereitete.

Vor Pizarros 1:0 konnte Inter-Schlussmann Julio Cesar einen Flachschuss Özils mit dessen vermeintlich schwachem rechten Fuß nicht festhalten. Vor dem 2:0 von Markus Rosenberg passte er den Ball nach einem dynamischen Flügellauf präzise von der linken Seite in den Rücken der italienischen Abwehr.

Dass sich der Deutsch-Türke in der Zehner-Rolle wohlfühlt, war schlichtweg nicht zu übersehen. "Das ist ja meine Lieblingsposition, in der Jugend war ich immer der Spielmacher", erklärte er diesen Umstand.

"Er soll Diego nicht ersetzen"

Zweifel daran, dass er Diego bis zum Ablauf von dessen Sperre würdig vertreten kann, hegt er nicht im Geringsten: "Das ist kein Problem, die Mannschaft wird mich sicher unterstützen."

Trainer Thomas Schaaf (Porträt) sieht Özil keineswegs als "Diego-Ersatz" im eigentlichen Sinne. "Er muss Diego nicht ersetzen, das ist völliger Unsinn", meinte Schaaf. "Er soll sein Spiel machen und Mesut Özil sein."

Gegen Inter gelang das dem talentierten Linksfuß hervorragend. Was für das Samstagsspiel gegen Wolfsburg (ab 15 Uhr LIVE) nicht zwangsläufig etwas heißen muss, zu schwankend hat sich Werder in dieser Hinrunde präsentiert, auch Özil hatte Höhen und Tiefen.

Fehlerhaft, aber selbstbewusst

"Wir sind keine Roboter", verteidigt Özil sich und sein Team.

"Wir machen Fehler. Die müssen wir reduzieren. Wenn wir immer so spielen wie gegen Mailand, werden wir in der Bundesliga noch oben mitspielen. Dann sind wir kaum zu schlagen." Was schon gegen Wolfsburg zu beweisen wäre.

Erschwert wird Werder die Aufgabe dadurch, dass neben Diego und Pizarro auch noch die Offensivkräfte Hugo Almeida (Wirbelverletzung), Boubacar Sanogo (Mandeloperation) und Martin Harnik (Bänderriss) ausfallen.

Markus Rosenberg ist somit der einzige verfügbare Angreifer. Für Schaaf stellt das kein Problem dar: "Ich bin mir sicher, dass Aaron Hunt auch im Sturm eine gute Leistung zeigen könnte."

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