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Marc-Andre ter Stegen spielte vor seinem Aufstieg zur Nummer 1 in der Regionalliga © getty

Marc-Andre ter Stegen spricht im SPORT1-Interview über seine Rolle bei Mönchengladbach, Trainer Lucien Favre und die neue Saison.

Von Annette Bachert

München - Er war einer der Shhotingstars der vergangenen Bundesliga-Saison

Marc-Andre ter Stegen wurde bei Borussia Mönchengladbach in der entscheidenden Phase des Abstiegskampfes vom weniger bekannten Ersatzmann zur Nummer eins.

In den letzten sechs Bundesligaspielen sowie in den Relegationspartien gegen den VfL Bochum trug der 19-Jährige maßgeblich zum Klassenerhalt der "Fohlen"-Elf bei.

Seine starken Leistungen bringen ihm sogar Lob aus der Nationalmannschaft ein. DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke sieht in ter Stegen "das beste Beispiel" für einen modernen Keeper.

Im zweiten Teil der SPORT1-Interview-Serie vor dem Bundesligastart (Teil 1: FC Augsburg - Jos Luhukay) präsentiert spricht ter Stegen über seinen Aufstieg, Trainer Lucien Favre und die Hoffnung auf weniger Nervenkitzel mit der der Borussia.

SPORT1: In letzter Zeit war ja einiges los bei Ihnen: Wie läuft es im Moment im Training?

Marc-Andre ter Stegen: Ich bin jetzt seit dem 27. Juni dabei. Es war bis jetzt eine anstrengende Woche im Trainingslager. Gegen Düsseldorf habe ich meine ersten 45 Minuten gespielt und ich bin mit der Vorbereitung bisher ganz zufrieden. Es gehört ja auch dazu, dass man ein bisschen kaputt ist und dass man alles aufarbeitet, aber ich fühle mich ganz gut.

SPORT1: Wie sehen Sie ihren rasanten Aufstieg von Torhüter Nummer drei zur Nummer eins in wenigen Monaten?

ter Stegen: Die letzten Monate waren natürlich sehr lebendig. Ich saß vorher schon ein paar Mal auf der Bank, dann war ich komplett raus wegen der Verletzung und zwei Wochen später stand ich auf dem Platz und war die Nummer eins im Borussia-Park. Es ging sehr schnell und war wirklich schön. Diese Zeit habe ich auf jeden Fall genossen. Jetzt gilt es, Leistung zu bringen und sich auf dem Platz zu konzentrieren.

SPORT1: und auf jeden Fall die Nummer eins zu bleiben!

ter Stegen: Das sollte auf jeden Fall das Ziel sein. Das ist aber nicht das einzige Ziel, das ich habe.

SPORT1: Welche Ziele haben Sie sonst noch?

ter Stegen: Ich habe mir ganz persönlich ein paar Ziele gesetzt, die ich verfolgen will, die ich aber auch für mich behalten möchte. Ich denke jeder hat seine Ziele und jeder steckt sich seine Ziele anders. Ich bin im Moment im grünen Bereich und muss sehen, dass ich mich immer weiter entwickle und Woche für Woche gute Leistungen bringe.

SPORT1: Wo sehen Sie bei ihrem Torwartspiel noch Potenzial für Verbesserungen?

ter Stegen: Ich denke man kann immer etwas verbessern, es gibt immer Sachen die offen stehen. Man muss an Stärken und Schwächen arbeiten, nur so kommt man weiter. Man muss immer hellwach sein und darauf achten, was man besser machen kann. Der beste Prüfstand ist immer das Spiel am Wochenende. Dann sieht man genau wo man steht und danach richtet man sich.

SPORT1: Welche Schwächen als Torwart haben Sie denn?

ter Stegen: Ich denke, es wäre blöd, wenn ich meine vermeintlichen Schwächen nennen würde. Ich denke dass man an vielen Sachen arbeiten kann und dass man immer selbstkritisch sein sollte.

SPORT1: In der U-19-Nationalmannschaft sind Sie bereits eine feste Größe. Sehen Sie sich dort als Führungsspieler?

ter Stegen: Natürlich habe ich schon ein paar Bundesligaspiele gespielt und dementsprechend auch ein bisschen Erfahrung für die Nationalmannschaft mitgebracht. Aber ich bin da nicht der Einzige. Wir haben noch ein paar andere Spieler, die schon ein paar Bundesligaspiele absolviert haben. Ich denke, dass ich das, was ich in den letzten Wochen erfahren habe, ganz gut umsetzen kann ? auch für die Mitspieler. Man kann sich auf mich verlassen ? und auf die anderen Spieler auch.

SPORT1: Wollen Sie auch bei Borussia Mönchengladbach eine Führungsrolle übernehmen?

ter Stegen: Ich habe im Moment nur Sachen zu tun, die sich auf die Leistung auf dem Platz beziehen. Da ist es auf jeden Fall ein Thema, dass man eine Mannschaft mit führt. Gerade ich habe als Torwart eine spezielle Position und muss immer professionell mit der Situation umgehen und hellwach sein.

SPORT1: Sie müssen ihre Teamkollegen dann ja auch zurechtweisen, wenn es in der Abwehr nicht stimmt.

ter Stegen: Das ist richtig, aber das gehört im Fußball dazu, dass der Eine den Anderen auf Dinge aufmerksam macht. Damit hat niemand ein Problem.

SPORT1: Lucien Favre hat die Borussia im Februar übernommen, die Mannschaft neu motiviert und eine Siegesserie gestartet. Was zeichnet ihn besonders aus?

ter Stegen: Wir haben es geschafft, die Klasse zu halten. Das war sehr wichtig für die Borussia, aber auch für ganz Mönchengladbach. Lucien Favre hat natürlich ein bisschen was geändert. Seine ganze Art hat Auswirkungen auf uns gehabt. Er ist ein Perfektionist und möchte sein Spiel durchbringen. Das hat uns stark gemacht. Wir haben in der Kompaktheit auf jeden Fall zugelegt in den letzten Spielen und haben relativ wenige Gegentore bekommen. Das ist auch das Ziel für die nächste Saison: So oft wie möglich die Null zu halten.

[kaltura id="0_jyex4sb6" class="full_size" title="BVB Hei auf neue Herausforderungen"]

SPORT1: Was muss sich in der neuen Saison ändern, damit Gladbach nicht wieder in Abstiegsgefahr gerät?

ter Stegen: Wir müssen von Anfang an versuchen, die Punkte zu sammeln. Wir müssen sehen, dass wir die Kompaktheit aus den letzten Spielen mit in die neue Saison nehmen und dass wir nicht aufhören, an uns zu arbeiten. Dann sind wir auf einem guten Weg, damit sich eine Situation wie in der letzten Saison nicht wiederholt.

SPORT1: Meinen Sie mit Kompaktheit auch, dass der Mannschaftsgeist vorher nicht so gestimmt hat?

ter Stegen: Kompaktheit bezieht sich erst einmal auf den Platz, dass jeder für den anderen läuft und dass die Abstände stimmten. Natürlich haben wir uns auch zusammengerissen. Jeder hat dazu beigetragen, dass wir ein Team sind und dass wir es alle zusammen geschafft haben. Jeder hat sich reingehängt, ob er gespielt hat oder nicht. Es ist immer ein ganzer Kader entscheidend, nicht nur die elf Spieler die auf dem Platz stehen.

SPORT1: Und sie haben wieder an sich geglaubt ...

ter Stegen: Ja, absolut. Wir waren in der Situation, dass alle uns abgeschrieben haben. Wir haben trotzdem die Chancen, die wir hatten, noch genutzt um die Klasse zu halten.

SPORT1: Zwölf Zugängen stehen bislang zehn Abgänge gegenüber. Ein richtiger Top-Transfer ist für die kommende Saison noch nicht dabei. Hoffen Sie noch auf Verstärkung im Team?

ter Stegen: Wir Spieler haben am wenigsten damit zu tun. Wir werden unser Bestes geben. Ich denke dass wir, wie im letzen Jahr, eine gute Mannschaft haben. Natürlich haben wir es im letzen Jahr nicht geschafft, das umzusetzen.

Aber wenn man die letzten Spiele sieht, kann man trotzdem sagen, dass wir gut Fußball spielen können. Wir haben trotzdem Verstärkungen bekommen und Konkurrenz belebt den Kampf. Deswegen hoffe ich, dass wir eine vernünftige und sehr gute Saison spielen. (316092DIASHOW: Die Wechselbörse)

SPORT1: Zum Saisonauftakt geht es gleich gegen den FC Bayern: Fluch oder Segen?

ter Stegen: Erst einmal haben wir das Pokalspiel gegen Regensburg. Da müssen wir in die nächste Runde kommen und uns voll auf das erste Spiel der Saison konzentrieren. Eine Woche später fliegen wir dann nach München. Natürlich ist das ein brisantes und emotionales Spiel. Wir werden Alles dafür geben, um auch dort Punkte mitzunehmen. Wir müssen sehen, dass wir die Punkte von Anfang an sammeln.

SPORT1: Wäre es Ihnen zum Auftakt lieber, gegen einen kleineren Gegner oder sogar einen Aufsteiger zu spielen?

ter Stegen: Nein, absolut nicht. Es ist egal gegen wen man spielt, die Spiele kommen auf jeden Fall. Von daher ist es egal, ob es nun Bayern München ist oder Augsburg oder Freiburg. Es ist wirklich egal.

SPORT1: Wo landet die Borussia am Ende der Saison?

ter Stegen: Das kann man vorher nie so sagen. Wir versuchen auf jeden Fall, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Nicht so wie im letzten Jahr. Wir wollen uns vernünftig präsentieren und eine ruhige Saison spielen.

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