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Klaus Allofs (r.) gehört seit 1999 dem Vorstand von Werder Bremen an © getty

Bremens Aufsichstrat setzt Trainer und Manager unter Druck. Allofs und Schaaf gehen in die Offensive. Die Transfers stocken.

Von Tobias Hlusiak

München - Es herrscht akute Seenot an der Weser.

Nach der verkorksten vergangenen Saison kehrt auch in der Vorbereitung bei Werder Bremen keine Ruhe ein (Sommerfahrpläne: Von Bremen bis Augsburg).

Im Gegenteil: Es geht drunter und drüber. Der einstige Vorzeige-Klub droht an den internen Streitigkeiten und der bedrohlichen Finanznot zu zerbrechen.

Nun steht sogar die konstanteste Manager-Trainer-Verbindung der Liga auf der Kippe. Klaus Allofs und Thomas Schaaf wollen ihre Verträge derzeit nicht verlängern.

Allofs sieht Zeitpunkt nicht gekommen

"Es gibt eine Vereinbarung zwischen dem Aufsichtsrat und mir, dass ich signalisieren sollte, wann Gespräche über eine Verlängerung geführt werden sollen", rechtfertigt sich Allofs, dessen Vertrag - wie der von Schaaf - 2012 ausläuft, in der "Sportbild".

"Dies werde ich tun, wenn die Planungen für die neue Saison abgeschlossen sind."

Ultimatum von Lemke

Aufsichtsrat-Boss Willi Lemke will darauf jedoch nach monatelangem vergeblichem Baggern am Manager nicht warten, stellt diesem nach "Welt"-Informationen nun ein Ultimatum.

Nimmt Allofs den nächsten Termin zu Vertragsgesprächen nicht wahr, sei offensichtlich, dass der Sportdirektor seinen Kontrakt nicht verlängern will. Ist dies so, müsse die Zusammenarbeit mit Allofs nicht weitergeführt werden, so Lemke.

Schaaf macht sich "keine Gedanken"

Schaaf, der seit 1999 hauptsächlich erfolgreich ein Team mit Allofs bildet, lässt sich ebenfalls nicht unter Druck setzen.

"Ich mache mir darüber im Moment überhaupt keine Gedanken, weil wir derzeit eine ganz andere Situation haben", knurrt der 50-Jährige. "Wir müssen erst einmal arbeiten, damit wir eine gute Vorbereitung absolvieren und gut in die Saison starten."

[kaltura id="0_imuu8ftk" class="full_size" title="Werder Modell in der Krise"]

Allofs steht seinem Kompagnon treu zur Seite: "Ich habe mit Thomas die Situation erörtert. Und er ist, was seinen Vertrag angeht, der gleichen Auffassung wie ich für meinen."

"Thomas Schaaf wird nicht aus einer Laune heraus sagen, dass er nicht verlängern möchte", stellt der Manager fest. "Wichtig wird sein, dass er genau weiß, wie die sportliche Perspektive bei Werder aussieht. Wenn man da klarer sieht, ist auch wahrscheinlicher, dass man verlängern kann."

In Sachen sportlicher Perspektive scheint es jedoch im Moment beim Nordklub nicht rosig auszusehen.

Nicht einmal Ausleihen sind möglich

Der Coach arbeitet in diesen Tagen im Trainingslager auf Norderney mit einem unvollständigen und besonders in der Defensive nicht bundesligatauglichen Kader.

In Neuzugang Andreas Wolf steht dem Werder-Urgestein nur ein fitter Innenverteidiger von Format zur Verfügung.

Die fest eingeplante Verpflichtung des Griechen Sokratis Papasthatopoulos stockt seit Wochen (316092DIASHOW: Die Wechselbörse).

Obwohl es lediglich um eine Summe von 600.000 Euro Leihgebühr geht, schob der Aufsichtsrat dem Transfer nun einen Riegel vor. Ein Vorgang, der die Eingefahrenheit der Prozesse deutlich zeigt.

Stars müssen weg

Erst wenn einer der Stars Tim Wiese, Marko Marin oder Per Mertesacker verkauft wird, will der Aufsichtsrat Geld für Zugänge freigeben.

Dass dies jedoch öffentlich kommuniziert wurde, lässt die Preise der Nationalspieler nicht eben in die Höhe schnellen. Die Konkurrenz weiß: Werder braucht Geld und setzt auf den Faktor Zeit.

Für alle drei Spieler liegen lose Anfragen, jedoch keine verbrieften Angebote vor.

Auch ein Verkauf eines der fünf Stürmer erscheint logisch. Doch außer dem als unverkäuflich geltenden Claudio Pizarro bringt wohl keiner seiner Kollegen - Marko Arnautovic, Markus Rosenberg, Sandro Wagner, Danni Avdic - die erhofften Millionen.

Schaaf fordert "vernünftiges Maß"

Trainer Schaaf befindet sich in einem Dilemma. Er ist sich der der angespannten finanziellen Lage bewusst, sieht allerdings im sportlichen Bereich seine Felle davonschwimmen.

"Man will ein vernünftiges Maß an Risiko", meint er. "Man will seriös bleiben. Aber auf der anderen Seite muss man wissen, was das bedeutet. Wenn man sieht, wie die anderen Mannschaften aufgerüstet haben, dann weiß man, welcher Konkurrenz man gegenübersteht."

Der Trainer ist gefragt

Schaaf ist auf dem Trainermarkt ein gefragter Mann, schlug in jüngster Vergangenheit Angebote von Wolfsburg und dem HSV aus.

Die heile Werder-Welt ist längst Geschichte. Lemkes Vorstoß in der Öffentlichkeit könnte bei rigoroser Durchführung dazu führen, dass er dem vierfachen Deutschen Meister im Sommer 2012 einen neuen Trainer und Manager suchen muss.

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