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Thomas Schaaf (r.) und Klaus Allofs arbeiten seit 1999 gemeinsam bei Werder Bremen © getty

Der Werder-Trainer warnt vor überhöhter Erwartungshaltung. Im Vertrags-Zwist dementiert Manager Allofs ein angebliches Ultimatum.

Von Tobias Hlusiak und Dustin Werk

München - Werder-Trainer Thomas Schaaf sorgt sich.

Die Personalsituation vor allem im Defensivbereich mit vielen Verletzten bringt die Saisonplanung und die Hoffnung auf eine bessere Saison arg ins Wanken..

"Ich denke, es ist meine Pflicht, dass man darauf hinweist, dass man eben nur diesen Kader zur Verfügung hat und mehr nicht. Deswegen muss man dann auch die Erwartungshaltung etwas runterschrauben", meinte der Coach am Donnerstagabend bei SPORT1.

Mit Andreas Wolf und den beiden Nachwuchsleuten Leon Balogun und Clemens Schoppenhauer steht Schaaf wohl keine bundesligataugliche Abwehr zur Verfügung.

"Eine Abwehr sollte man schon haben", stimmt Manager Klaus Allofs bei SPORT1 mit ein.

Manager und Trainer sind sich aber auch einig, dass der Kader in dieser Zusammenstellung Werders gewohnten Ansprüchen nicht genügt.

"Entweder du spielst gegen den Abstieg - oder oben mit. Wenn wir uns in der Abwehr noch verstärken, können wir zur oberen Gruppe gehören. Wenn nicht, muss man sehen, was sich entwickeln kann", malt Allofs ein düsteres Szenario.

"Wenn in der Innenverteidigung alle Spieler an Bord wären, würden wir über Transfers gar nicht diskutieren," behauptet indes Schaaf.

"Wir haben derzeit einen Engpass, was die zentrale Defensive angeht. Und deshalb denken wir, dass wir da nochmal handeln müssen", erläutert der Trainer die Situation.

Zoff zwischen Lemke und Allofs

Neben den sportlichen Problemen gehen auch die die Auseinandersetzung zwischen dem Aufsichtsrat und der sportlichen Leitung bei Werder in die nächste Runde.

Dass Willi Lemke als Boss des Kontrollgremiums Manager Klaus Allofs in Sachen Vertragsverlängerung ein Ultimatum gesetzt habe, dementiert dieser nun.

"Das stimmt so nicht", wird Allofs im "kicker" zitiert.

Lemke hatte nach monatelangem vergeblichem Baggern festgestellt, wenn Allofs den nächsten Termin zu Vertragsgesprächen nicht wahrnehme, sei offensichtlich, dass der seinen Kontrakt nicht verlängern wolle.

[kaltura id="0_hfjotlx9" class="full_size" title="Thomas Schaaf im Interview"]

Der Manager selbst will jedoch erst über sein eigenes Arbeitspapier sprechen, wenn die sportliche Marschrichtung klar ist.

Dazu müssen zunächst die akuten finanziellen Probleme geklärt werden.

Allofs räumt ein, dass er vom Aufsichtsrat nicht mal eine Freigabe von Mitteln in Höhe von 600.000 Euro für die geplante Ausleihe des griechischen Verteidigers Sokratis Papastathopoulos erhält (316092DIASHOW: Die Wechselbörse).

"Es geht nicht um Personen, sondern um die Sache", stellt der 54-Jährige fest. Und ungewohnt deutlich ergänzt er:

"Wenn es einfach nicht passen sollte, dann wäre es zum Wohle des Vereins ratsam, dass die Verträge nicht weiterlaufen."

Allofs vertraut Werder-Manier

Der Nordklub befindet sich in einem Teufelskreis: Für neue Spieler fehlt das Geld. Ohne neue Spieler fehlt die sportliche Perspektive.

Ist diese nicht gegeben, fehlt wohl bald die sportliche Leitung.

Allofs bewahrt in der Öffentlichkeit dennoch die Ruhe, gab gegenüber SPORT1 zu Protokoll, die Probleme nach "Werder-Bremen-Manier" lösen zu wollen.

Soll heißen: Mit Geduld, in Geschlossenheit und vor allem intern. So wie es in den vergangenen fast zwölf Jahren der Ära Allofs-Schaaf Tradition war.

Star-Verkauf als Ausweg?

Ein erster Schritt aus der Krise wäre der Verkauf eines Stars. Per Mertesacker, Marko Marin und Torhüter Tim Wiese, mit dem nur noch in diesem Sommer Geld zu machen ist, gelten als Kandidaten (Sommerfahrpläne: Von Bremen bis Augsburg).

Der Manager stellt jedoch fest: "Es gibt überhaupt keine Angebote. Im Moment können wir nicht verlängern, haben aber angedeutet, dass das in Zukunft der Fall sein kann."

Lemke fordert Verständnis

Aufsichtsrats-Boss Lemke kann die Forderungen nach frischen Kräften verstehen, gibt jedoch zu bedenken:

"Thomas muss auch Verständnis für die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aufbringen, die von der Geschäftsführung eingehalten werden müssen."

Hoffnung auf einen glimpflichen Ausgang der Sommerpausen-Krise ist indes vorhanden.

"Wenn die Dinge so laufen, wie ich mir das vorstelle, wenn wir handlungsfähig bleiben, gäbe es gute Voraussetzungen", stellt Allofs eine Vertragsverlängerung in Aussicht.

"Wenn nicht, wäre es auch positiv, wenn die Vertragssache anders gelöst wird."

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