vergrößernverkleinern
Maik Franz erzielte in 185 Bundesliga-Spielen zwölf Tore © imago

Maik Franz gilt als härtester Bundesliga-Spieler. Im 4. Teil der SPORT1-Interview-Serie spricht er über Hertha und sein Image.

Von Reinhard Franke

München - Mit seinen letzten beiden Vereinen stieg Maik Franz ab. Auch bei seinem neuen Klub lautet das offizielle Saisonziel lediglich Klassenerhalt (SERVICE: Die Sommerfahrpläne).

Mit dem Wechsel zum Aufsteiger Hertha BSC erfüllt sich der Abwehrspieler allerdings einen Traum: "Das Paket war sehr verlockend", schwärmt der Abwehrspieler bereits. Dabei hatte er durchaus namhafte Alternativen.

Seine Rolle sieht er erstmal nicht als Führungsspieler: "Ich muss mich erstmal beweisen", weiß Franz.

Im 4. Teil der SPORT1-Interview-Serie verrät das 30-jährige Raubein, wieso er sich für Berlin entschieden hat, was Hertha ausmacht und warum er sein Image pflegt.

SPORT1: Herr Franz, ging mit dem Wechsel zu Hertha BSC Berlin ein kleiner Traum in Erfüllung?

Maik Franz: Auf alle Fälle. Mein Berater kommt aus Berlin und nachdem Frankfurt (Franz' letzter Verein, d. Red.) abgestiegen war, hat sich die Hertha gemeldet und da war für mich klar, dass ich nur nach Berlin wollte, weil ich aus der Region komme und weil ich schon zu meiner Zeit in Wolfsburg (2001-2006, d. Red.) öfter in Berlin war. Für mich war von vornherein klar, dass ich zur Hertha will.

SPORT1: Was ist das Besondere an der Hertha?

Franz: Ich finde den Klub sehr interessant und der Trainer Markus Babbel und besonders auch Manager Michael Preetz haben mir das Gefühl gegeben, dass sie mich unbedingt haben wollten. Das war mir wichtig. Dann war ein Grund natürlich die Stadt, also insgesamt war das Paket für mich sehr verlockend. Ich habe mich riesig gefreut, dass es geklappt hat mit dem Wechsel.

SPORT1: Für Sie ist Hertha der Traditionsverein. Sie kommen von Eintracht Frankfurt, einem Verein mit einer ebenfalls großen Tradition. Viele Experten müssen jetzt über Ihre Aussage zur Hertha schmunzeln...

Franz: Warum? Also wenn Hertha kein Traditionsverein ist, dann will ich nicht wissen, was Augsburg, Wolfsburg, Hoffenheim, Leverkusen für Vereine sind. Ich habe immer gesagt, dass ich bei einem Verein spielen will, der eine gewisse Tradition und eine große Fangemeinde hat. Beides trifft auf Hertha zu. Ich habe in Karlsruhe gespielt und da war auch eine große Fanszene im Hintergrund. Es ist ja kein Zufall, dass Hertha und der KSC eine dicke Fanfreundschaft pflegen. Ich war auch fünf Jahre in Wolfsburg, aber da war es leider nicht so, dass das Fußball-Feeling so recht rüberkam, das ist eben eher ein Werksklub. In Karlsruhe habe ich gemerkt, dass das auch anders abgehen kann. In Frankfurt war es überragend und sehr viel Tradition und Hertha ist in meinen Augen ein Klub, wo das auch gegeben ist.

SPORT1: Demnach wären Sie nicht zu den genannten Klubs gegangen. Wolfsburg wollte Sie. Welche Angebote hatten Sie noch?

Franz: Stimmt, Magath hatte sich mal gemeldet und auch Köln war ein Thema. Ich habe das aber alles nicht groß weiter verfolgt, weil ich unbedingt nach Berlin wollte 316092(DIASHOW: Bundesliga-Wechselbörse).

SPORT1: Haben Sie sich schon eingelebt in der Hauptstadt?

Franz: Ja. Klar kenne ich Berlin von früher noch, aber von der Stadt, wie sie jetzt ist, habe ich noch nicht viel gesehen. Ich kann nur sagen, dass Hertha ein tolles Vereinsgelände hat. Meine Freundin Eva und ich haben eine Wohnung in Charlottenburg gefunden und das ist nicht weit weg vom Stadion. Das liegt mir, da ist auch ein bisschen Leben und von daher ist das alles ganz angenehm. In Charlottenburg kann man schön raus gehen und auch mal eine Apfelschorle trinken (lacht).

SPORT1: Auf dem Platz sind Sie der unbequeme Typ. Was machen Sie gerne in der Freizeit?

Franz: Ich habe hier in Berlin meinen Freundeskreis und wir treffen uns abends auch zum Essen. Ja gut, dann geht man auch nicht um neun nach Hause. Dann trinkt man auch mal ein Gläschen, es muss halt immer zur Situation passen. Wenn es im Verein vernünftig läuft, dann kann man das auch feiern gehen. Meine Freundin und ich sind schon so, dass wir sagen "wir haben unseren Spaß".

SPORT1: Wann haben Sie das letzte Mal über die Stränge geschlagen?

Franz: Vor dem Urlaub. Ich war erst mit meiner Freundin in Griechenland und dann mit den Kumpels in der Türkei. Und da haben wir es einmal krachen lassen (lacht).

SPORT1: Kann es die Hertha in der neuen Saison auch krachen lassen? Was ist drin?

Franz: Der Trainer und der Manager haben es ganz klar formuliert. Der Klassenerhalt ist das primäre Ziel. Hertha ist nicht der typische Aufsteiger. Die Liga ist verdammt eng und total ausgeglichen und da muss man aufpassen mit den Prognosen. Wir müssen Schritt für Schritt gehen und dürfen keine großen Töne spucken. Wir müssen erst mal in der Liga ankommen.

SPORT1: Würde es Sie stolz machen Kapitän zu sein? Es gibt ja immer mal den ein oder anderen Zugang, der gleich Kapitän wurde.

Franz: Nein. Der Andre Mijatovic wird sehr geachtet im Team, er hat das letztes Jahr sehr gut gemacht - und macht dies weiterhin ganz hervorragend. Damit beschäftige ich mich gar nicht. Ich muss erstmal meine Leistung bringen. Ich war drei Monate verletzt. Jetzt konnte ich in Berlin jede Einheit mitmachen, da bin ich sehr froh. Ich will erst mal hundertprozentig fit werden. Es bringt nichts, da jetzt die großen Sprüche rauszuhauen. Ich muss mich neu beweisen und in der Truppe den Respekt erarbeiten. Wenn ich das geschafft habe, dann kann man mal von Führungsspieler reden.

SPORT1: Sie klingen sehr zufrieden. Kribbelt es schon beim Gedanken an den Anpfiff zur neuen Saison?

Franz: Klar freue ich mich auf die neue Saison. Ich habe Karlsruhe damals nach dem Abstieg verlassen, weil ich Bundesliga spielen wollte. Der Abschied tat mir weh - auch jetzt in Frankfurt waren es zwei schöne Jahre. Bis am Schluss mit Daum, da lief es sportlich nicht so toll. In der Bundesliga ist es einfach geil. Die Stadien sind immer voll, klasse Gegenspieler, der ganze positive Bundesliga-Zirkus, das ist doch ein super Gefühl, wenn man da dabei ist (DATENCENTER: Der Bundesliga-Spielplan).

SPORT1: Wollen Sie Ihre Karriere bei der Hertha beenden?

Franz: Ich bin jetzt 30 und habe einen Dreijahresvertrag unterschrieben, will meine Verträge immer erfüllen. Mit 33 wird nicht mehr so viel gehen. Es hört sich aber blöd an, wenn ich nach zwei Wochen, wo ich jetzt bei Hertha bin, sage, dass ich hier meine Karriere beenden will. Mein Dreijahresvertrag zeigt, dass ich mir in Berlin etwas erarbeiten will.

SPORT1: Lassen Sie uns noch über Ihr Rüpel-Image sprechen. Das leben Sie schon aus, oder?

Franz: Ich bin einer, der, wenn es nötig ist, hart sein kann auf dem Platz. Der Zweikampf ist meine Stärke. Wenn ich da zurückschraube, dann werde ich auch nicht mehr Bundesliga spielen.

SPORT1: Und privat?

Franz: (lacht) Der liebe Schwiegersohntyp! Ich habe auch meinen Spaß, ziehe los. Aber ich bin ein Typ, der sagt, dass der Respekt das allerwichtigste ist. Das, was man gibt, bekommt man wieder. Das ist meine Lebensdevise. Ich bin ein guter Typ. Wenn man menschlich korrekt ist, dann wird man auch dementsprechend behandelt. Wenn man privat ein Arsch ist, dann wirst du auch so behandelt. Ich habe eine tolle Erziehung gehabt und das können die Leute, die mit mir privat zu tun haben, bestätigen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel