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Michael Oenning ist seit diesem Sommer Cheftrainer beim HSV © imago

Die Stimmung im Trainingslager ist bestens. Der Trainer, der Sportchef und zwei Zugänge sprechen bei SPORT1 über den neuen HSV.

Aus dem HSV-Trainingslager berichtet Thorsten Mesch

Hippach - Durch das Stadion des österreichischen Fünftligisten SC Hippach ging am Donnerstagmittag ein Raunen.

Soeben hatte Änis Ben-Hatira den Ball aus knapp 16 Metern kunstvoll in den Winkel gezirkelt.

Die etwa 400 HSV-Fans auf der Tribüne applaudierten, ein paar Teamkollegen gratulierten und am Spielfeldrand staunte auch Michael Oenning nicht schlecht.

"Ich bin echt zufrieden, weil wir uns entwickeln", sagte der Chefcoach des Hamburger SV nach der Übungseinheit und zog ein positives Zwischenfazit des Trainingslagers im Zillertal.

Stark verjüngte Mannschaft

Sieger der Saisonvorbereitung sei "die Mannschaft", betonte Oenning und ergänzte mit Blick auf den Bundesligastart in drei Wochen: "Ich glaube, dass wir Moment gut im Plan liegen."

Nachdem Routiniers wie Frank Rost, Joris Mathijsen, Collin Benjamin, Ze Roberto oder Ruud van Nistelrooy den Verein verlassen haben, wurde die Mannschaft stark verjüngt.

Zusammen mit Sportdirektor Frank Arnesen, der vom FC Chelsea kam und gleich vier talentierte junge Spieler aus London an die Elbe holte, bastelt Oenning am neuen HSV.

"Ich bin gespannt"

Am späten Donnerstagabend verkündeten die Norddeutschen den sofortigen Wechsel des Norwegers Per Skjelbred (24) von Rosenborg Trondheim, Oennings Wunschspieler für das offensive Mittelfeld.

Weil Alex Silva kurz vor der Unterschrift bei Flamengo Rio de Janeiro steht und der HSV somit mehrere Millionen Euro einsparen könnte, sind weitere Transfers nicht ausgeschlossen.

"Wenn morgen irgendeine Idee plötzlich möglich ist, werden wir schon was tun", sagte Oenning auf Nachfrage von SPORT1.

"Ich bin aber ganz entspannt, weil sich die anderen Dinge gut entwickeln."

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Andere Spieler im Fokus

Er glaube, "dass Spieler, die letztes Jahr nicht so im Fokus standen, jetzt eine andere Körpersprache haben. Alle helfen, und so wird es für jeden einzelnen einfacher", erklärte der Coach.

Die Stimmung im Team scheint bestens zu sein. Die Spieler haben, abgesehen vom Dauerregen am Donnerstag, der an typisches Hamburger Schmuddelwetter erinnerte, Spaß am Training, und auch der Begleittross ist zufrieden.

Trainer Oenning plauderte entspannt am Getränkestand, Sportchef Arnesen saß im kleinen Festzelt und diskutierte mit den Anhängern.(DATENCENTER: Der Bundesliga-Spielplan)

"Weiß nicht, was mich erwartet"

Beim Fanabend auf einem Beachvolleyballgelände mischten sich die Profis ohne Berührungsängste unter die Anhänger, die sich mit ihren Stars fotografieren ließen. Für Jeffrey Bruma und Michael Mancienne war diese Nähe eine neue Erfahrung.

"In England sitzen die Spieler da und die Fans gehen mehr oder weniger durch sie durch", erklärte Mancienne SPORT1.

"Hier mischen sich die Spieler unter die Fans. Ich finde das gut", meint der Chelsea-Neuzugang, der zusammen mit Jeffrey Bruma das neue Innenverteidiger-Duo bei den Rothosen bilden soll.

"Ich habe zwar noch kein Bundesligaspiel absolviert, und so weiß ich nicht genau, was mich erwartet. Aber das Niveau in England war sehr hoch, darum bin ich optimistisch", sagte Bruma zu SPORT1.

Keine Angst bei Arnesen

Am Freitagabend beim Testspiel gegen Al Ahli/Katar in Schwaz (ab 20.15 Uhr, LIVE im TV auf SPORT1) wird der Niederländer allerdings pausieren müssen.(SERVICE: Die Sommerfahrpläne)

"Meine Verletzung ist nicht so schlimm. Ich denke, dass ich bald wieder voll spielen kann", gibt er jedoch Entwarnung.

Angst, dass die neuen jungen Hoffnungsträger in der Bundesliga nicht bestehen könnten, hat Sportchef Arnesen nicht. Im Gegenteil.

"Die jungen Spieler, die wir geholt haben, besitzen alle Qualität", betonte Arnesen im Gespräch mit SPORT1. Man müsse den Jungen aber Zeit geben, sich einzugewöhnen.

"Das Land, die Sprache, die Liga - alles ist neu, darum müssen die erfahrenen Spieler den jüngeren helfen. Auf dem Platz und auch außerhalb."

Keine Freifahrtkarten

Heiko Westermann, Mladen Petric und David Jarolim gehören zu den Erfahrenen, die die Jungen führen sollen.

"Wenn man sich als junger Spieler an einem Spieler wie David Jarolim orientiert, kann man nichts falsch machen", findet Oenning.

Es sei aber auch bei Jarolim "nicht so, dass er eine Freifahrtkarte hat, bloß weil er der Älteste ist."

Kapitänsfrage weiter offen

Offen ist weiterhin die Kapitänsfrage. Zu den Kandidaten gehört Petric, mit dem die Hamburger gern verlängern würden. "Gegen Al Ahli wird wieder ein Kapitän auflaufen", meinte Oenning grinsend.

Die Atmosphäre beim HSV ist locker, aber Trainer und Spieler sind fokussiert. Nach einer enttäuschenden Saison ist Aufbruchsstimmung zu spüren.

"Ich kann nicht über letztes Jahr reden, weil ich nicht hier war", sagte Arnesen. "Aber ich sehe, dass die Atmosphäre in diesem Jahr sehr, sehr gut ist und dass die Spieler sehr gut arbeiten. Es ist ein guter Anfang."

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