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Chrsitian Tiffert wechselte 2010 vom MSV Duisburg zum 1. FC Kaiserslautern © getty

Im 5. Teil der SPORT1-Interview-Serie spricht Chrsitian Tiffert über die Europa League, neue Gesichter und die Erwartungshaltung.

Von Tobias Hlusiak

München - Christian Tiffert war für den 1. FC Kaiserslautern vor der vergangenen Saison ein echter Glücksgriff.

Mit überragenden 17 Vorlagen - keinem Akteur gelangen mehr - hatte der Mittelfeldspieler aus Halle an der Saale großen Anteil am starken siebten Rang der Pfälzer und wurde sogar zum FCK-Spieler des Jahres gewählt.

Auch im schweren zweiten Jahr will Tiffert mit den in der Offensive umgekrempelten "Roten Teufeln" in der Bundesliga für Furore sorgen. (DATENCENTER: Der Bundesliga-Spielplan)

Im 5. Teil der SPORT1-Interview-Serie vor Saisonstart spricht der 29-Jährige über die Europa League, neue Gesichter und die Erwartungshaltung im Umfeld des Traditionsklubs.

SPORT1: Hallo Herr Tiffert, wie ist das Befinden mitten in der Vorbereitung?

Christian Tiffert: Die Beine sind natürlich sehr schwer. Ansonsten ist alles okay. Es ist zum Glück nicht so warm wie im letzten Sommer. Das ist schon ein Vorteil.

SPORT1: War es schwer nach der Sommerpause wieder in Tritt zu kommen?

Tiffert: Zum Glück war die Pause nicht so lang. Außerdem sind wir im vergangenen Jahr sehr gut damit gefahren, dass wir sehr viel und auch hart trainiert haben. Davon haben wir die gesamte Saison über profitiert. Deshalb machen wir das dieses Jahr ähnlich. (SERVICE: Die Sommerfahrpläne)

SPORT1: Legt Trainer Marco Kurz in dieser Vorbereitung das Hauptmerkmal auf Kraft, oder steht das Einspielen der neuformierten Offensive im Vordergrund?

Tiffert: Grundsätzlich haben wir natürlich einiges einzuspielen. Gerade im Offensiv-Bereich müssen wir uns ganz neu aufstellen. Viele Spieler, die in der letzten Saison noch den Stamm gebildet haben, sind mittlerweile nicht mehr da. Da liegt natürlich das Hauptaugenmerk drauf. Wir haben in Srdjan Lakic unseren wichtigsten Torjäger verloren. Auch auf den Außenpositionen hat sich einiges verändert. Das ist eine Herausforderung, an der wir intensiv gearbeitet haben und noch arbeiten. Da helfen viele Spielformen, die der Trainer üben lässt. Nebenbei laufen wir natürlich auch, ganz klar.

SPORT1: Wie ist ihr Eindruck von den neuen Mitspielern?

Tiffert: Grundsätzlich geht es in der Vorbereitung darum, dass zunächst jeder seine persönliche Basis findet. Da können jüngere Spieler zunächst deutlicher hervorstechen als ältere. Ich denke, wir haben ganz gute Neuzugänge. Im Training und in den Testspielen sah das bislang auch ganz gut aus. Ich weiß aber aus Erfahrung: Tests und Übungseinheiten sind das eine, Pflichtspiele sind etwas anderes. Wir wollen die gute Frühform natürlich mit in die Pflichtspiele nehmen.

[kaltura id="0_nh6qdl7r" class="full_size" title="LIGA total Fanreporter in Kaiserslautern"]

SPORT1: Kurzer Rückblick: Erklären Sie doch mal, was den FCK im letzten Drittel der vergangenen Saison ? als Kaiserslautern sieben von neun Spielen gewann - so stark gemacht hat!

Tiffert: Wir hatten im letzten Jahr ein Team, dass in den wichtigen Spielen extrem cool war. Da hat man bei den gegnerischen Mannschaften den Druck schon deutlich stärker gespürt. Ich fand es bewundernswert, dass wir uns selten etwas haben anmerken lassen. Man darf nicht vergessen, dass wir im vergangenen Jahr relativ jung und unerfahren waren. Dafür war unsere Leistung in der entscheidenden Phase doch schon recht abgezockt.

SPORT1: Können sie diesen Lauf mit in die neue Saison retten?

Tiffert: Das ist natürlich schwer. Es geht in jeder Saison wieder komplett von vorne los. Im letzten Jahr sind gewisse Spieler herausgestochen, das wird in der neuen Saison nicht anders sein. Aber gerade unsere Offensive hat mit der aus dem Mai relativ wenig zu tun. Gewisse Spielsysteme werden sicherlich weiter gespielt. Allerdings verändern neue Spieler das Gesicht eines Teams schon sehr (316092DIASHOW: Die Wechselbörse).

SPORT1: Am Ende wurde Kaiserslautern Siebter. Kann das Ziel in der neuen Saison also nur Europa-League lauten? Da reicht ja schon Platz sechs...

Tiffert: Das glaube ich ehrlich gesagt nicht. Wenn man unsere Neuzugänge mal durchgeht, merkt man: Da ist kein Welt- oder Topstar dabei! Das ist mit den Möglichkeiten des FCK auch gar nicht möglich. Unsere Fans können den Lauf zum Ende der vergangenen Saison auch richtig einschätzen. Der siebte Platz hing ebenso auch mit Fehlern der Konkurrenz zusammen. Nach der langen Zeit in der Zweiten Liga haben wir uns gleich in der Bundesliga stabilisiert, das war schon eine riesige Sensation. Mit unseren Möglichkeiten Siebter zu werden, ist aller Ehren wert. Aber: Unser Ziel kann nicht Europa League lauten. Die Möglichkeiten bleiben ähnlich. Wir haben mit den geringsten Etat der Liga. Da sollten wir nicht anfangen zu spinnen.

SPORT1: Ist die gute Platzierung der letzten Saison vielleicht sogar eher Fluch denn Segen, weil die Erwartungen in der Öffentlichkeit steigen?

Tiffert: Jeder muss bei der Einschätzung versuchen, klar im Kopf zu bleiben. Da muss man sich der Realität stellen. Die kann nur lauten: Den FCK in der Bundesliga stabilisieren. Es kann nicht sein, dass Europa-League-Gerede aufkommt. Das hilft doch keinen weiter. Die Mannschaft weiß ohnehin, welches Ziel intern ausgegeben wurde.

SPORT1: Sie selbst spielten eine überragende Runde. 17 Vorlagen. Mit Lakic ist der Hauptabnehmer jetzt weg. Sinken damit auch ihre Statistiken?

Tiffert: Das wird man sehen. Wir haben beide extrem voneinander profitiert, das liegt auf der Hand. Wir haben vom ersten Tag an perfekt miteinander harmoniert. Dass er nun in Wolfsburg spielt ist nicht schön, aber im Bundesliga-Geschäft normal. Jetzt muss sich in der Vorbereitung eben ein neues Duo einspielen. Klar war die letzte Runde von mir persönlich toll. Ich werde daran arbeiten, diese Leistung zu bestätigen. Wenn allerdings andere in die Bresche springen und wir die Klasse halten, bin ich auch glücklich.

SPORT1: Haben Sie dennoch eigene, persönliche Ziele?

Tiffert: Nein. Nochmal 17 Vorlagen und zwei Tore zu machen, wird schwer. Das werde ich in den meisten Fällen nicht schaffen. Ich werde alles daran setzen, vielleicht ein, zwei Tore mehr zu erzielen.

SPORT1: Am 5. August geht es endlich los. Sind Sie schon wieder heiß auf die Bundesliga?

Tiffert: Natürlich! Jeder Profi ist froh, wenn es nach der Vorbereitung wieder in den gewohnten Rhythmus geht. Da geht es mir nicht anders.

SPORT1: Die Saison beginnt mit einem Auswärtsspiel in Bremen. Die haben Sie am 34. Spieltag mit 3:2 geschlagen. Dazu gewann der FCK die letzten vier Spiele auf fremdem Platz. Ist es in Ordnung, wenn wir Kaiserslautern nach dem ersten Spieltag schonmal an der Tabellenspitze notieren?

Tiffert: Auch in der vergangenen Saison haben wir auswärts begonnen, waren dann im Verlauf der Spielzeit dort extrem stark. Damals haben wir gleich in Köln gewonnen. Ein guter Start ist natürlich sehr wichtig. Ich hoffe einfach, dass in unserer neuformierten Mannschaft die Automatismen so schnell wie möglich greifen - daheim und auswärts.

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