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Er hätte besser kaum starten können als VfB-Teamchef: Markus Babbel © imago

Zum Hit gegen Bayern hat der neue Teamchef den VfB auf Kurs gebracht: Im Gespräch mit Sport1.de wird deutlich, was ihn ausmacht.

Von Christian Paschwitz

München - Was zwei Siege doch so bewirken können:

Vor dem Süd-Schlager am Samstag (ab 15 Uhr LIVE) gegen den FC Bayern versprüht der VfB Stuttgart plötzlich ein Selbstvertrauen, das vor zwei Wochen noch völlig verschwunden war.

"Unser Kader ist gut besetzt, die Spieler stehen nicht von ungefähr beim VfB Stuttgart unter Vertrag", sagt Markus Babbel (Trainer-Porträt) im Gespräch mit Sport1.de.

Worte als eine Mischung aus Lob und Selbstüberzeugung, die bei den Schwaben für eine neue Aufbruchstimmung stehen, für die Neu-Teamchef Babbel selbst der Schlüssel ist.

Die sportliche Wiederauferstehung im Ländle - ausgerechnet durch einen Lehrling, nachdem unter dem entlassenen 2007-Meister-Coach Armin Veh zuletzt kaum noch was gelungen war.

Der vorherige Co-Trainer Babbel hat innerhalb der Mannschaft binnen kürzester Zeit offenbar an den richtigen Stellschrauben gedreht.

Nicht bloß wegen der zwei Zu-Null-Siege gegen Schalke (2:0) und in Cottbus (3:0), mit denen er den VfB zurück auf Erfolgskurs brachte. (Datencenter)

Lockerheit wieder da

Vielmehr ist es der Glaube an die eigene Stärke, die der 36-Jährige seiner Mannschaft eingeimpft hat.

Wie er das gemacht hat, mag oder vermag Babbel gegenüber Sport1.de zwar nicht verraten: "Die Mannschaft war nach den negativen Ergebnissen verunsichert. Dementsprechend war natürlich auch die Stimmung innerhalb des Teams."

Dass er jedoch einen Code gefunden hat, der die verloren gegangene Lockerheit reanimiert, ist unübersehbar: Roberto Hilbert (Spielerportrait) sprach kürzlich von einer "anderen Atmosphäre". Der unter Veh zeitweise degradierte Kapitän Thomas Hitzlsperger wirkt im Aufwind.

Simak wird zur Stütze

Und Jan Simak wiederum, der monatelang das Los des Bankdrückers trug, ist seit zwei Partien plötzlich eine tragende Mannschaftssäule.

Der Tscheche, endlich auf dem richtigen Weg zu einem Spielmacher und nach fünf Jahren gar wieder Bundesliga-Torschütze, meinte in der "Stuttgarter Zeitung": "Vielleicht haben wir diesen Impuls gebraucht."

Als Nachtreten gegen Veh will Simak (Spieler-Porträt) das nicht verstanden wissen: "Ein Trainerwechsel allein macht aus mir persönlich keinen besseren Spieler."

Der 30-Jährige vermittelt dennoch das Gefühl, als läge Babbel eher auf einer Wellenlänge mit der Mannschaft, treffe den richtigen Ton - und spiele deshalb den besseren Motivationsförderer.

Auto-Freak und DJ

Unwichtig, ob es mit daran liegt, dass Babbel im Gegensatz zu seinem unnahbar bis autoritär wirkenden graumelierten Vorgänger Veh einen Ohrring trägt, bekennender Fan schneller Autos ist und gern als Hobby-Discjockey fungiert.

So oder so kämpft die Mannschaft um den Verbleib ihres Teamchefs, dem ohne die Teilnahme an einem zehnmonatigen DFB-Lehrgang die Trainer-Lizenz fehlt für ein Engagement auf der Bank übers Saisonende hinaus - eine nicht gerade alltägliche Wertschätzung in der schnelllebigen Branche.

Lehmanns Plädoyer

Vor allem Keeper Jens Lehmann macht sich stark: " Man sollte sich freuen, dass da ein Mann ist aus einer neuen Generation, der in England in der Topliga der Welt gespielt hat. Er muss eine Chance bekommen."

Und der frühere VfB-Trainer-Coach Arie Haan sagte kürzlich in der "Stuttgarter Zeitung": "Wenn man weiß, was Markus in seiner Karriere alles erreicht hat, muss man einfach den Hut ziehen."

Womöglich ist es aber auch Babbels Vita jenseits des Platzes, die den Europameister, zweifachen UEFA-Cup-Sieger und mehrfachen Deutschen Meister mit anderen Augen wahrnehmen lässt: "Am meisten imponiert mir an Markus, dass er eine Kämpfernatur ist", sagte Ex-Mitspieler Silvio Meißner.

Kämpfernatur, die den Rollstuhl besiegt

"Der beste Beweis dafür ist, dass er vor einigen Jahren sehr krank war und sogar im Rollstuhl saß (Guillain-Barre-Syndrom/Nervenkrankheit, Anm.d.Red.). Dennoch ist er als Fußballer zurückgekommen. Viele hätten das nicht geschafft."

Für den dritten Sieg in Folge als Teamchef beim Abschluss-Knaller der Hinrunde ließ der gebürtige Gilchinger Babbel am Donnerstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit gleich zweimal trainieren - gegen seinen Ex-Klub Bayern bereitet sich das Münchner Kindl besonders akribisch vor.

Wenn es Babbel gelingt, dem Rekordmeister um Kumpel Jürgen Klinsmann eins auszuwischen ("Nur weil der Gegner Bayern heißt, will ich nicht nur einen Punkt holen"), in der Rückrunde wieder anzugreifen und obendrein den in München nicht mehr ganz so begehrten Mario Gomez doch beim VfB zu halten, hat der Trainer-Wechsel wirklich gewirkt. (VIDEO)

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