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Jerome Boateng (l., mit Christian Nerlinger) erhält beim FC Bayern einen Vertrag bis 2015 © getty

Jerome Boateng freut sich auf seinen neuen Job im Abwehrzentrum. "Bayern ist der größte Verein in Deutschland", sagt der Neuzugang.

Vom FC Bayern berichtetReinhard Franke

München - Jerome Boateng wirkte zurückhaltend, fast schüchtern.

Am Sonntag bei seiner offiziellen Vorstellung war der Neuzugang von Manchester City aber vor allem eins - glücklich und erleichtert.

Da saß er neben Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger und war "beeindruckt, dass hier so viel los ist."

Und: "Das ist etwas Besonderes, denn der FC Bayern ist schließlich der größte Verein in Deutschland", ergänzte der 22- Jährige.

"Hier bei Bayern ist alles größer. In England gibt?s im Training gar keine Fans und auch keine Presse."

"War nicht schwer, ihn zu überreden"

Jetzt ist er also ein Bayer. Und die Bayern-Bosse sind froh, dass es geklappt hat mit dem Transfer.

"Als wir auf Jerome zukamen und ihm sagten, dass wir planen ihn auf seiner besten Position als Innenverteidiger aufzustellen, da war es gar nicht schwer ihn zu überreden, Jerome war sofort Feuer und Flamme", so Nerlinger.

"Es war eine längere Auseinandersetzung. Wir waren im konstanten Austausch."

Doch: "Es waren zähe Verhandlungen, aber wir sind belohnt worden."

Seit Ende März außer Gefecht

Zum letzten Mal stand Boateng Ende März im Spiel gegen Kasachstan (4:0) im Kader der DFB-Elf, zog sich allerdings beim Warmlaufen eine Knieverletzung zu.

Nach der Meniskus-Operation war auch das Kapitel Manchester nach nur einem Jahr und 16 Einsätzen in der Premiere League beendet.

Nerlinger nennt den Transfer daher eine "Win-Win-Situation" - trotz der Ablöse von mindestens 13,5 Millionen Euro.

Bis zuletzt hatte Boateng gehofft, dass der Wechsel nicht doch noch scheitert. 241095(DIASHOW: Bayerns Planspiele)

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"Es war nicht einfach"

"Es war nicht einfach, ich habe gedacht, dass es vorher klappt und ich nicht noch mit Manchester ins Trainingslager muss, aber ich war in ständigem Kontakt mit Herrn Nerlinger und wusste, dass ich Geduld haben muss", sagte Boateng am Sonntag.

Die Geduld zahlte sich aus.

"Als ich dann am Donnerstag gehört habe, dass es klappt, war ich erleichtert und mir ist eine Last vom Herzen gefallen. Ich habe gleich meine Taschen gepackt, die Flugdaten gecheckt und dann ging's los."

Endlich auf der Lieblingsposition

In München hofft Boateng, der mit 13 wusste, dass er Fußballprofi werden will, endlich auf seiner Lieblingsposition im Zentrum der Innenverteidigung spielen zu können.

"Ich mag es einfach, zentral zu spielen. Da habe ich das Feld vor mir und den Ball oft am Fuß. Auch meiner Größe kommt die Position entgegen", sagte Boateng nach seinem ersten Training an der Säbener Straße.

Und genau diese Position hat er zuletzt nur beim Hamburger SV spielen können. Dabei fühlte sich der gebürtige Berliner dort schon bei den Junioren am wohlsten.

Beeindruckend bei den Junioren

So beeindruckte der jüngere der beiden Boateng-Brüder bei der U-21-EM 2009 in Schweden nicht nur Scouts, Trainer und Zuschauer, sondern führte die Elf von Horst Hrubesch mit Eleganz, Übersicht und Zweikampfhärte zum Titel.

Kaum ein Kopfballduell verlor der 1,92-Meter-Mann.

Jetzt ist er glücklich, dass ihn Bayern-Trainer Jupp Heynckes für seine Wunschposition einplant. Heynckes habe einen "sehr guten Eindruck" auf ihn gemacht. "Er hat klare Ziele."

SMS von Jogi Löw

Nicht nur die Bayern sind froh über den Transfer. Auch Bundestrainer Jogi Löw gratulierte Boateng per SMS zum Wechsel.

Im Hinblick auf die DFB-Auswahl hofft Boateng daher ebenfalls auf einen Schub: "Eine feste Position zu haben ist natürlich auch für die Nationalmannschaft wichtig."

Der FC Bayern ist für Boateng ein Neuanfang.

"Ich bin sehr gut aufgenommen worden, ich kenne ja schon einige von der Nationalmannschaft", sagte Boateng.

"Die Voraussetzungen sind top, ich freue mich, dass ich jetzt hier bin und hoffe, dass ich der Mannschaft helfen kann."

Achter deutscher Nationalspieler beim FCB

Als achter deutscher Nationalspieler läuft er in der kommenden Saison im Münchener Trikot auf.

Am liebsten neben Nationalmannschaftskollege Holger Badstuber, mit dem er vor Torwart Manuel Neuer auch die Zukunft der Löw-Defensive sein könnte.

Doch bis zum gemeinsamen Startelfdebüt des hoffnungsvollen Trios könnte es noch ein weiter Weg sein.

Probleme beim ersten Training

Im ersten Training an der Säbener Straße ließ Heynckes Boateng in der B-Mannschaft neben dem Ukrainer Anatoliy Tymoshchuk verteidigen.

Die Kombination hatte noch sichtlich Abstimmungsschwierigkeiten und verlor im lockeren Trainingsspiel etliche Zweikämpfe.

Bislang hat der belgische Routinier Daniel van Buyten noch einen Vorsprung im Kampf um den Stammplatz in der Innenverteidigung.

Familie noch in Berlin

Und auch privat muss sich Boateng noch in Geduld üben. Seine Lebensgefährtin und die beiden vier Monate alten Zwillinge Soleil und Lamia sind noch in Berlin.

Er will sich jetzt ganz auf den FC Bayern konzentrieren.

"Ich muss mir hier jetzt erst mal eine Wohnung oder ein Haus suchen. Das wichtigste aber ist, dass ich jetzt erst mal hier ankomme", sagte er.

Und gefragt nach seinem teilweise extravaganten Auftreten neben dem Platz: "Ich bin hier, um Fußball zu spielen und nicht, um modisch aufzufallen."

Das werden die Bayern gerne hören.

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