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Gute-Laune-Bayern: Ribery (rechts) und seine Kollegen sind schon gut drauf. © imago

Der SPORT1-Formcheck: Ein Überblick über den Stand der Vorbereitung bei den 18 Bundesligisten und ein Ausblick auf die Saison.

Von Maik Rosner

München - München Meister, Augsburg Absteiger und Bremen stürzt ins Chaos - nach den überraschenden Turbulenzen der Vorsaison verbieten sich eigentlich derart glasklare Prognosen.

Wer hatte mit Hannover und Mainz in der Europa League gerechnet? Wer mit Dortmund als Meister? Und wer mit Frankfurt als Absteiger?

Na gut, nach Christoph Daums Antrittsrede, in der es unter anderem um die Kräfte eines dritten Beins ging, prahlen nun Leute damit, es schon damals gewusst zu haben.

SPORT1 wagt sich nicht an derartige Weissagungen, sondern versucht sich an einem Überblick zur Situation der 18 Bundesligisten.

Stadtmusikanten im Aufsichtsrat?

Und danach fällt die Prognose doch nicht mehr schwer: Die Bayern können sich nur selbst schlagen, Augsburg steigt sang- und klanglos ab und bei Werder wünscht man sich die Bremer Stadtmusikanten in den Aufsichtsrat.

Oder doch nicht?

Der SPORT1-Formcheck als Diskussionsgrundlage, zehn Tage vor den ersten Pflichtspielen im DFB-Pokal (SERVICE: Die Sommerfahrpläne).

DIE TOPTEAMS:

Die Laune beim FC Bayern München Dank Trainer Heynckes jetzt schon meisterlich. Neuer, Boateng und Rafinha sollen für neue Stabilität sorgen. Bisher keine erstzunehmenden Gegner, dennoch traf Katars Nationalmannschaft beim 4:2 schon zweimal.

Heynckes will die erste Elf nach den Eindrücken im Liga total!- und Audi-Cup zusammenstellen.

Und später auch mal Profis nach guten Spielen zur "Belohnung" auf die Bank setzen. Klingt selbstbewusst. Und das wohl auch zurecht.

Doppelbelastung? Langweilig!

Es sei denn Trainer Dutt macht mit Bayer Leverkusen das Unmögliche wahr. Sein Ziel: Platz eins. Bisher läuft's gut, in den ersten fünf Tests nur zwei Gegentore.

Ballack und Rolfes fit, Schürrle eine Verstärkung. Probleme nur: Der offene Poker um Vidal und die Verletzung von Torwart Adler.

[kaltura id="0_0ds31mz8" class="full_size" title=" Wahnsinniger Klopp ausgezeichnet"]

Meister Borussia Dortmund freut sich derweil auf den wiedergenesenen Kagawa als wichtigsten Zugang.

Der erfolgreichen Titelverteidigung stehen aber die Bayern, Leverkusen und die Doppelbelastung durch die Champions League entgegen.

Das Gerede von der Doppelbelastung? Findet Trainer Klopp langweilig und stereotyp. Hatte man doch schon in der Vorsaison, wegen der Europa League.

Aber er findet auch, dass es "Wahnsinn" wäre, wenn die Bayern nicht den Titel gewinnen.

Wolfsburger Überraschungen

Zumindest für eine Überraschung ist der VfL Wolfsburg gut. Beispiele: Der Titel 2009, der Beinahe-Abstieg 2011, natürlich Trainer Magath und Zugang Salihamidzic.

Magath sagt nun: "Keine großen Investitionen mehr." Aber man weiß bei ihm und dem VfL ja nie. Träsch ist nach wie vor Wunschspieler, angeblich auch Marin.

Träsch würde dem VfB Stuttgart im Mittelfeld fehlen. Dafür hat Zugang Kvist bisher einen guten Eindruck hinterlassen.

Genauso wie Innenverteidiger Maza aus Mexiko, außer nach dem angeblichen Verzehr von Fleisch ohne den Zutatenhinweis auf das Dopingmittel Clenbuterol. Allemal pikant.

Dem viertbesten Rückrundenteam ist was zuzutrauen, trotz komplizierter Vorbereitung mit unterschiedlichem Trainingsbeginn vieler Nationalspieler.

Schalker Mittelmaß?

Klaas-Jan Huntelaar hat im "kicker" Schalkes Pläne verraten: "Wir wollen zurück in die Champions League."

Will Trainer Rangnick auch. Problem nur: Er kann angesichts der immensen Schulden nicht so fürstlich einkaufen, wie er sich das wünscht. Trotz Neuers Verkauf.

Als Schnäppchen könnte Marica kommen. Klingt erstmal nicht nach Champions League (DATENCENTER: Der Bundesliga-Spielplan).

DIE MITLÄUFER:

Chelsea klingt danach, und beim Hamburger SV ist dank Sportchef Arnesen jetzt viel Chelsea drin.

Mit ihm kam der große Umbruch, eine stark verjüngte Mannschaft und bisher gute Stimmung. Aber reicht das? In Tests noch Luft nach oben, gegen Wolfsburg setzte es ein 1:5.

Arnesen ist natürlich trotzdem zuversichtlich, bezeichnet Trainer Oenning als "Glücksfall". Arnesen will mit dem HSV in "zwei, drei Jahren wieder ganz oben mitspielen".

Da war Tuchel mit dem FSV Mainz 05 zuletzt. Und auch jetzt geht's gut los, unter anderem mit einem überzeugenden 3:0 gegen Warschau.

Offen, ob Wetklo oder Müller die Nummer eins wird.

Fathi soll Fuchs auf linken Abwehrseite ersetzen, kommt aber mit viel Rückstand und wird wohl erst Ende August fit sein.

Tuchel schwärmt von Zugang Malli. Der könnte Schürrle ersetzen.

Kriegt Hannover die Krise?

Bei Hannover 96 sieht Manager Schmadtke "keine Krise auf uns zukommen". Aber ob's wieder so sensationell läuft wie zuletzt? Eher unwahrscheinlich.

Punktuelle Verstärkungen, unter anderem kamen der Norweger Hauger, Schalkes Dauerpatient Pander, und Stürmtalent Sobiech.

Problem: Pander und Sobiech sind gerade Patienten, genauso wie Torjäger Ya Konan. Dafür Stoppelkamp mit 26 Test-Toren. Kein Krisensymptom.

Trainer Stanislawski hat bei 1899 Hoffenheim viel Stimmung reingebracht, doch die Euphorie könnte sich schnell legen, wenn der Start durchwachsen verläuft.

Kaum personelle Veränderungen. Wozu auch? "Stani ist wie Mourinho", schwärmt Sigurdsson.

Werders Zugänge: Krach und Knatsch

Werder Bremen hat dagegen zwei Zugänge, die man dort nicht erwartet: Krach und Knatsch.

Sportdirektor Allofs und Trainer Schaaf liegen mit Aufsichtsratschef Lemke über Kreuz. Stimmt gar nicht, heißt es offiziell. Sonst heißt es: Lemke verweigert Transfer, trotz Verletzungssorgen.

Darunter Pizarro und fünf Verteidiger. Könnte Knatsch und Krach bedeuten.

Den gab's auch bei Hertha BSC, ehe es für ein Jahr in Liga zwei ging. Nun ist Berlin mit Trainer Babbel wieder da.

Kraft und Ottl sollen das Bayern-Gen mit aus München bringen, Lell war ja schon da. Naja. Gen-Doping? Ohnehin keine gute Idee. Ordentlich mitspielen könnte aber klappen.

DIE GEFÄHRDETEN:

Nur Ergänzungen statt Verstärkungen, weil Geld fehlt, heißt es bisher bei Borussia Mönchengladbach.

Soll sich Retter Favre anders vorgestellt haben und deshalb bei Sportdirektor Eberl vorstellig geworden sein. Zuletzt ein 0:0 gegen Porto. Nur oder immerhin, wie man will.

Favre muss jedenfalls weiter gegen den Abstieg tüfteln. Dürfte klappen.

Beim Nachbarn 1. FC Köln haben sie ihren Königstransfer gestemmt: Riether kam aus Wolfsburg. Trainer Solbakken ist bisher mit der Vorbereitung zufrieden. Die Debatten um die Kapitänsbinde sind eher ein Randthema. Kölner Kernthema wie immer: der Abstiegskampf. Und nach dem ersten Sieg: Europa.

Lauterer Völkerverständigung

Davon war der SC Freiburg zuletzt gar nicht weit weg. Dutt-Nachfolger Sorg mit zuletzt sechs Siegen in sechs Tests. Lässt sich gut an.

Und Hoffnungsträger Cisse hat Lust zu bleiben. Obwohl Europa lockt. Wird dem SC eher nicht gleich wieder passieren.

Auch nicht dem 1. FC Kaiserslautern, trotz knackiger Schlagzeilen. Hatte aber eher mit feucht-fröhlicher Völkerverständigung zu tun, nonverbal europäisch, wenn man so will.

Andere belegten das mit dem für Unbeteiligte lustigen Stigma "Suff-Puff-Affäre" ("Bild"). Shechter oder Kouemaha sollen Lakic im Sturm ersetzen.

Und Sippel weiter Bälle halten. In der Bundesliga wohlgemerkt.

Luhukays Freibrief

Beim 1. FC Nürnberg haben sie im Test nachgeholt, was sie im Saisonfinale knapp verpassten.

Das jüngste 2:0 gegen Ajax klingt nach Europa-Form. Trotz der Abgänge Ekici, Gündogan, Wolf und Schieber. Trainer Hecking ist Realist und erwartet eher Nürnberger Alltag denn weitere Höhenflüge. Heißt wohl: Abstiegskampf.

Dafür hat der FC Augsburg einen Freibrief: Trainer Luhukay darf 34 Mal verlieren und wird nicht entlassen. Versprach Chef Seinsch der "Welt". Zuletzt sechs Siege in sieben Tests.

An dieser Stelle wagt SPORT1 ausnahmsweise eine definitive Prognose: Augsburg wird nicht 34 Mal verlieren.

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