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William Kvist (l.) bestritt bislang 16 Länderspiele für Dänemark © imago

Der Stuttgarter Neuzugang William Kvist spricht bei SPORT1 über seine Ziele und die Vorzüge von Tanzstunden.

Von Thorsten Mesch

München/Stuttgart - Beim VfB Stuttgart erinnert man sich an die vergangene Saison ungefähr so gern wie an einen verregneten Urlaub.

Mit hohen Erwartungen gestartet, fanden sich die Schwaben lange Zeit am Tabellenende wieder und zogen erst kurz vor Schluss den Kopf aus der Schlinge.

In der bevorstehenden Saison will der VfB mit dem Abstiegskampf nichts zu tun haben. (DATENCENTER: Bundesliga-Spielplan 2011/12)

Auch deshalb verpflichtete er einen Siegertypen wie William Kvist.

Der Däne spielte sechs Jahre lang beim dänischen Serienmeister FC Kopenhagen, der zuletzt bis ins Achtelfinale der Champions League vorgestoßen war.

Siegermentaliät aus Dänemark

"Ich bin es gewohnt zu gewinnen, Titel zu holen", sagt der defensive Mittelfeldspieler im 8. Teil der SPORT1-Interviewserie vor dem Saisonstart.

Er hoffe, diese Siegermentalität in Stuttgart einbringen zu können.

Außerdem spricht der 26-Jährige über seine Vergangenheit in anderen Sportarten, seine großen Stärken und die Vorfreude auf den Saisonauftakt.

SPORT1: Herr Kvist, Ihr Deutsch ist schon sehr gut. Wie kommt das?

William Kvist: Ich hatte in der Schule sechs Jahre lang Deutsch, so etwa bis ich 19 war. Für Dänen ist es sehr wichtig, andere Sprachen zu beherrschen. (420225DIASHOW: Der Start in die Vorbereitung)

SPORT1: Sie beherrschen nicht nur Sprachen und den Fußball, sondern sind auch in anderen Sportarten spitze. Welche haben Sie ausprobiert?

Kvist: In meiner Jugend war ich dänischer Meister im Handball. Damals war ich schnell und groß, ich war Kreisläufer, aber die Anderen haben mich überholt. Ich habe auch Badminton gespielt und auch zwei Jahre lang Klassischen Tanz trainiert. Ich tanze zwar nicht im Fußball, aber das ist gut für den Körper und für den Kopf.

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SPORT1: Beim Torjubel tanzen Sie aber eher selten, oder?

Kvist: Das stimmt. Ich bin leider nicht so torgefährlich. Ich habe nur etwa zwölf oder 13 Tore in 300 Spielen für Kopenhagen erzielt. Das ist nicht meine Stärke und darum hat mich Stuttgart auch nicht geholt. (BERICHT: Gegenwind für Hundt)

SPORT1: Warum hat der VfB Sie denn geholt? Weil Sie so vielseitig sind?

Kvist: Zu Beginn meiner sechs Jahre in Kopenhagen habe ich auch rechts in der Abwehr und im Mittelfeld gespielt. Erst später bin ich auf die Sechs gerückt. Die Position ist die beste für mich, ich mag es, die Fäden im Mittelfeld zu ziehen. Unsere Angreifer sind stark im Dribbeln oder im Abschluss, ich bin defensiv besser.

[kaltura id="0_ozaz6oor" class="full_size" title="Alt und neu in Stuttgart"]

SPORT1: Beim VfB sind viele Nationalspieler im Kader. Hat es Sie überrascht, dass die Mannschaft in der vergangenen Saison so große Probleme hatte?

Kvist: Warum es zu Beginn der letzten Saison nicht lief, weiß ich nicht. Nach Weihnachten war es ganz okay. Ich glaube, dass keine Mannschaft gut spielen kann, wenn die Stabilität und der Erfolg fehlen.

SPORT1: Was sind Ihre Ziele mit dem VfB?

Kvist: Wir wollen stabil sein und ich möchte, dass es der Mannschaft auch Spaß macht, den Gegner unter Druck zu setzen. Es kann auch Spaß machen, den Ball zu erobern, nicht nur den Ball zu besitzen. So haben wir es in Kopenhagen auch gemacht.

SPORT1: Mit dem FC Kopenhagen haben Sie Meisterschaften gewonnen und in der Champions League gespielt. Was können Sie aus dieser Zeit jetzt beim VfB einbringen?

Kvist: Ich bin es gewohnt zu gewinnen, Titel zu holen. Ich hoffe, dass ich diese Siegermentalität einbringen kann.

SPORT1: Sie haben in der Champions League gegen Barcelona 1:1 gespielt. Hätten Sie gern etwas von den Barca-Stars?

Kvist: Das ist leicht zu beantworten. Natürlich wäre ich gern wie Xavi, Busquets oder Messi. Aber um zu spielen wie Xavi ist es für mich zu spät. In Kopenhagen habe ich andere wichtige Dinge gelernt, wie zu Beispiel die gute Organisation in der Defensive. Wir haben 1:1 gegen Barca gespielt, weil wir als Team sehr kompakt waren. Messi ist gut, aber wenn immer zwei Mann bei ihm sind, hat er Probleme. Eng stehen, kompakt sein, Spaß haben und Druck machen - das bringe ich mit.

SPORT1: Warum sind Sie nicht mit Stale Solbakken nach Köln gegangen, sondern nach Stuttgart? (316092DIASHOW: Bundesliga-Wechselbörse)

Kvist: Weil ich mich als Spieler entwickeln will und Stuttgart den besten Plan für mich hatte. Sie wollten einen Spieler wie mich. Ich mag den Fußball, den Bruno Labbadia spielen lassen will und ich mir gefällt sein Enthusiasmus auf dem Platz. Ich war sechs Jahre mit Stale in Kopenhagen - vielleicht wollte ich auch mal etwas anderes sehen als immer nur seinen Glatzkopf (lacht).

SPORT1: In Kopenhagen haben Sie unter Solbakken in einem 4-4-2 gespielt. Labbadia hat zwei Systeme: 4-1-3-2 oder 4-2-3-1. Können Sie alles spielen?

Kvist: Ich kann nicht alles (lacht). Ich denke, dass wir meine Stärken wie Kommunikation oder Taktik erst nach einiger Zeit zu hundert Prozent sehen werden. Mein Ziel ist es möglichst bald bei hundert Prozent zu sein. Aber ich arbeite natürlich jeden Tag so hart wie möglich, um mich einzufügen.

SPORT1: Wie sehr freuen Sie sich schon auf den ersten Spieltag gegen Schalke?

Kvist: Sehr, denn das Stadion ist umgebaut, es wird mit über 60.000 Zuschauern ausverkauft sein. Das ist es auch, warum ich gekommen bin. In Dänemark gibt es auch gute Mannschaften, aber nicht so viele. Und hier sind die Stadien immer voll und ich kann jede Woche gegen starke Gegner spielen. Das ist sehr wichtig für meine Entwicklung.

SPORT1: Im Europacup spielt der VfB aber nicht. Was erhoffen Sie sich konkret?

Kvist: Wir spielen gegen Bayern, Dortmund oder Schalke - das ist für mich jedes Mal wie ein Spiel im Europapokal. Ich kann viel lernen.

SPORT1: Was kann der VfB erreichen?

Kvist: Die Bundesliga ist momentan die Liga mit der höchsten Leistungsdichte. Wir haben eine gute Mannschaft, aber im Fußball kann man schwer etwas voraussagen.

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