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Uli Hoeneß ist ein Mann der klaren Worte. Wenn den Ex-Präsidenten des FC Bayern  jemand verärgert, dann tut er dies ungefiltert und oftmals lautstark kund. Freunde macht er sich damit eher nicht
Uli Hoeneß ist seit November 2009 Präsident des FC Bayern © imago

Der Bayern-Präsident ist verärgert, dass der Chilene zu Juventus wechselt. Als Grund vermutet er: "Da sind einige Gelder geflossen."

Von Martin Volkmar

München - Der FC Bayern hat eine erste Niederlage in seinen Transferbemühungen einstecken müssen.

Nachdem das wochenlange Tauziehen um Manuel Neuer und Jerome Boateng für die Münchner erfolgreich endete, gelang das bei Arturo Vidal nicht.

Der Chilene gab am Donnerstag vor der Abreise aus seiner Heimat den Wechsel von Bayer Leverkusen zu Juventus Turin bekannnt.

Deshalb ist Uli Hoeneß sauer auf den heftig umworbenen Mittelfeldspieler, den der neue Coach Jupp Heynckes unbedingt haben wollte.

"Ich hatte keine großen Hoffnungen"

"Da wurde ein Wort gebrochen. Aber ich habe auf das Wort auch nicht viel gegeben. Da war ein südamerikanischer Spielervermittler involviert, also hatte ich keine große Hoffnung, dass Worte noch etwas zählen", sagte FCB-Präsident Hoeneß.

"Vidals Worte pro Bayern sind schon wieder 14 Tage her. In der Zwischenzeit sind einige Gelder über den Tisch geflossen, das verändert die Gefechtslage", erklärte Hoeneß.

Telefonat mit Heynckes am Sonntag

Vidal soll Heynckes, der den 24-Jährigen zuvor in Leverkusen trainierte, sein Kommen zugesagt haben. Davon ging der Bayern-Coach bis zu einem Telefonat am Sonntag fest aus.

"Da hat er mir von seinem Angebot von Juventus Turin erzählt. Und auch von seiner großen Sorge, aufgrund des schriftlichen Beschlusses von Bayer 04 nicht nach München wechseln zu dürfen und noch ein Jahr in Leverkusen spielen zu müssen", sagte der 66-Jährige.

`Insofern ist die Entscheidung für mich keine Überrauschung."

"Wohl und Wehe der Bayern hängt nicht von Vidal ab"

Ohnehin hänge "das Wohl und Wehe des FC Bayern nicht von Arturo Vidal ab", meinte Hoeneß und äußerte in gewisser Weise sogar Verständnis für die Entscheidung:

"Man braucht schon ein großes Rückgrat, um ein Jahr bei Bayer Leverkusen zu spielen mit der Aussage: Ich gehe zum FC Bayern. Und dieses Rückgrat habe ich dem Spieler nicht zugetraut."

[kaltura id="0_ckugi84b" class="full_size" title="Vidal Hoene stellt Charakterfrage"]

Nach der Absage von Vidal wollen die Bayern zunächst einmal nicht mehr auf dem Transfermarkt tätig werden.

Im defensiven Mittelfeld gibt es laut Heynckes in Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos, David Alaba, Luiz Gustavo und Anatoliy Tymoshchuk ohnehin genügend Alternativen.

Hoeneß hatte Scheitern nicht ausgeschlossen

Ohnehin hatte zumindest Hoeneß ein Scheitern nicht ausgeschlossen. "Das war so ein Transfer, den ich immer unter 50 Prozent gesehen habe", meinte er.

"Ich habe mir gedacht: Wenn's klappt, ist's schön, wenn's nicht klappt, ist auch gut."

Letztlich lag es wohl vor allem am Veto der Leverkusener, die per schriftlichem Vorstandsbeschluss einen Transfer zum Ligarivalen ausgeschlossen hatten.

"Leverkusen wollte mich nicht in Deutschland verkaufen"

"Es gab ziemlich viele Vereine, die mich wollten. Bayern war immer dabei, aber Leverkusen wollte mich nicht in Deutschland verkaufen. Mit Juve es gab also kein Problem", erklärte Vidal.

Zumal die Münchner den chilenischen Nationalspieler auch nicht für die Summe bekommen hätten, die der italienische Rekordmeister nun bezahlt - und damit auch die Konkurrenten FC Chelsea, Inter und AC Mailand ausstach.

Die Ablöse soll bei 10,5 Millionen Euro liegen und könnte erfolgsbedingt bis auf 12 Millionen Euro steigen.

Gut dotierter Fünfjahresvertrag bei Juve

"Ich möchte unter Beweis stellen, dass ich das viele Geld wert bin. Meine Erfahrungen in Deutschland werden mir in Italien helfen", sagte Vidal, der einen Fünfjahresvertrag und rund 2,5 Millionen Euro plus Boni pro Saison erhält.

30 Prozent der Ablöse (bis zu 3,6 Millionen Euro) gehen an Vidals früheren Klub Colo Colo aus Chile.

Obwohl der Wechsel erst nach der medizinischen Untersuchung am Freitag offiziell bestätigt werden soll, rechnen alle Seiten fest mit dem Ende von Vidals vierjährigem Bundesliga-Gastspiel.

Ziel ist die Meisterschaft

"Ich bin mehr als zufrieden mit der Möglichkeit, die mir gegeben wird. Ich habe jetzt das Alter, um bei einem der größten Klubs Europas anzuheuern", sagte er über das Engagement beim letztjährigen Siebten der Serie A.

"Ich weiß, dass ich mit Juventus viel erreichen kann. Es ist ein großes Team, das noch weiter wachsen wird mit den Spielern, die kommen. Es ist eine neue Mannschaft, die sich im Aufbau befindet, um Meister zu werden."

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