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Sebastian Rudy wechselte 2010 vom VfB Stuttgart zu 1899 Hoffenheim © getty

Im 10. Teil der SPORT1-Interviewserie spricht Hoffenheims Sebastian Rudy über Holger Stanislawski, Ziele und das Startprogramm.

Von Matthias Becker

Zuzenhausen - Auf den ersten Blick fällt es schwer, sich Sebastian Rudy als "Aggressive Leader" vorzustellen.

Schüchtern und etwas schlaksig tritt der 21-Jährige im Trainingszentrum der TSG 1899 Hoffenheim in der kleinen Gemeinde Zuzenhausen auf.

Doch auf dem Feld zeigte der ehemalige Stuttgarter in der vergangenen Saison als defensiver Mittelfeldspieler derart überzeugende Leistungen, dass er von Bundestrainer Joachim Löw Anfang Juni als Ersatzmann für das EM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan nominiert wurde.

Zum Einsatz reichte es zwar nicht, für Rudy war die Nominierung aber eine Bestätigung - und zugleich ein Antrieb dafür, mit den Hoffenheimern in der kommenden Saison in der Bundesliga wieder für mehr Furore zu sorgen als zuletzt (DATENCENTER: Bundesliga-Spielplan 2011/12).

Im 10. Teil der SPORT1-Interviewserie für den Saisonstart spricht Rudy über den neuen Trainer Holger Stanislawski, neue Ziele und das anspruchsvolle Auftaktprogramm.

SPORT1: Herr Rudy, am 31. Juli geht es mit dem Pokalspiel bei Germania Windeck in die neue Saison. Sind Sie mit dem Stand der Vorbereitung zufrieden? (SERVICE: Die Sommerfahrpläne)

Rudy: Ja, auf jeden Fall. Wir hatten schon ein paar sehr gute Testspiele dabei. Man hat gesehen, dass wir noch ein bisschen Zeit brauchen, aber das ist bei jeder Mannschaft zu diesem Zeitpunkt so. Wir versuchen, unsere Fehler noch abzustellen, damit es in den ersten Punktspielen richtig gut aussieht.

SPORT1: Die ersten beiden Spiele bringen mit Hannover und Dortmund gleich zwei Teams aus den Top Vier der vergangenen Saison. Kalkuliert man einen Null-Punkte-Start da vielleicht sogar mit ein?

Rudy: Natürlich nicht! Letztes Jahr haben wir gegen Dortmund richtig gut ausgesehen. Wir haben einmal unentschieden gespielt, einmal gewonnen und damit als einzige Mannschaft gegen den Meister nicht verloren. Auch gegen Hannover haben wir ein Spiel gewonnen. Es geht bei null los und wir versuchen, einen guten Start hinzulegen. Dann ist alles möglich.

SPORT1: Die Bundesliga-Rückrunde war mit Platz 15 ziemlich zum Vergessen, Sie konnten sich aber immerhin noch über die erste Nominierung von Joachim Löw freuen. Gibt das einen zusätzlichen Schub?

Rudy: Für mich war das ein sehr guter Saisonabschluss, aber den kompletten Schub konnte ich natürlich nicht mitnehmen, weil dann Pause war. Aber das was an Schwung noch übrig ist, versuche ich mitzunehmen.

SPORT1: War die Nominierung eine Bestätigung, dass der Wechsel aus Stuttgart nach Hoffenheim die richtige Entscheidung war?

Rudy: Das war absolut die richtige Entscheidung. Wenn man die ganzen Spiele sieht (32 Einsätze in der vergangenen Bundesliga-Saison, Anm. d. Red.), spricht das ja für sich.

SPORT1: Mit Holger Stanislawski haben Sie in Hoffenheim einen renommierten Fachmann als neuen Trainer bekommen. Wie waren die ersten Wochen mit ihm?

Rudy: Die waren sehr gut. Er hat die Mannschaft sehr gut im Griff, bringt gute Stimmung rein und alle ziehen mit. Trainervergleiche will ich gar nicht machen. Er ist einfach eine starke Persönlichkeit und weiß, wie er mit den Spielern umgehen muss.

SPORT1: Wie kommt der Trainer Ihrem Eindruck nach mit der Umstellung vom großen Hamburg, ans Trainingszentrum im kleinen Zuzenhausen zurecht?

Rudy: Ach, das ist hier doch eine Gegend, in der man sich sofort richtig wohl fühlt. Ich glaube nicht, dass man da sehr lange braucht, um sich einzugewöhnen.

SPORT1: Mit Fabian Johnson und Sven Schipplock gab es bisher nur zwei Neuzugänge. Ist das auch ein Vertrauensbeweis an den bestehenden Kader? (316092DIASHOW: Bundesliga-Wechselbörse)

Rudy: Das ist schon ein Vertrauensbeweis. Mit Johnny (Johnson, Anm. d. Red.) und Sven Schipplock haben wir zwei Jungs bekommen, die sich richtig gut ins Team eingefügt haben. Wenn wir als Mannschaft gut funktionieren, können wir wieder angreifen.

SPORT1: Sven Schipplock vergrößert auch wieder die Fraktion der früheren Stuttgarter. Haben Sie ihn vom Wechsel überzeugt?

Rudy: Nein, die Entscheidung hat er schon alleine getroffen. Aber er hat mir natürlich sofort Bescheid gesagt, als es soweit war. Ich habe ja früher schon mit ihm bei den Amateuren des VfB zusammengespielt.

SPORT1: Hätten Sie sich trotzdem noch einen Neuzugang gewünscht? Mit David Alaba musste Ihr Partner auf der Sechser-Position ja zurück zum FC Bayern.

Rudy: Wir haben auf der Position auch so sehr viel Qualität. Natürlich ist es schade, dass David nicht mehr da ist, weil er ein super Typ ist. Ich habe gerne mit ihm zusammengespielt, weil das einfach super gepasst hat.

SPORT1: Mit Tom Starke haben Sie einigen einzigen Spieler in der Mannschaft, der älter als 29 ist. Wie funktioniert eine Mannschaft hierarchisch mit so vielen jungen Spielern?

Rudy: Jeder hat was zu sagen und wird voll und ganz respektiert. Die Meinung von allen wird akzeptiert. So wichtig ist eine strenge Hierarchie auch heute im Fußball nicht mehr.

SPORT1: Im Winter kam es zum Konflikt Ralf Rangnicks mit Dietmar Hopp, es ging auch um die Ausrichtung und Zielsetzung. Rangnick ist schließlich gegangen. Droht Hoffenheim jetzt zu stagnieren?

Rudy: So viel haben wir Spieler davon nicht mitbekommen, ich habe mich lieber auf die Rückrunde konzentriert. Das muss man beiseite lassen. An Stagnation glaube ich nicht, das ist jetzt auch eine Chance für die Jüngeren. Wir haben eine gute Mannschaft und können mit der sehr viel erreichen. Von uns wird man hoffentlich noch viel hören.

SPORT1: Welches Saisonziel stecken Sie sich denn?

Rudy: Wir wollen auf jeden Fall besser dastehen als letztes Jahr und versuchen, wieder in die obere Tabellenhälfte zu kommen.

SPORT1: Wer ist Ihr Titelfavorit?

Rudy: Die Bayern haben schon eine Wahnsinns-Mannschaft zusammen. Wenn die nichts falsch machen, sind sie der klare Titelfavorit.

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