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Klaus Allofs (r.) und Thomas Schaaf arbeiten bei Werder seit zwölf Jahren zusammen © getty

Allofs und Schaaf setzen sich im Transferstreit gegen Lemke durch. Große Sprünge kann Werder dennoch nicht wagen.

Von Tobias Wiltschek

München - Am Ende wurden die Sorgen um die sportliche Konkurrenzfähigkeit von Werder doch zu groß.

Nach tagelangen Diskussionen im Transferstreit mit der sportlichen Leitung gab Aufsichtsratschef Willi Lemke schließlich nach und erteilte Grünes Licht für die Verpflichtung von Sokratis Papastathopoulos (316092DIASHOW: Die Wechselbörse).

"Ich bin froh, dass wir das hinbekommen haben", gab sich Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs nach dem Transfer des griechischen Nationalspielers erleichtert.

Der Innenverteidiger vom FC Genua, der zuletzt für den AC Mailand aktiv war, wird für 500.000 Euro für ein Jahr ausgeliehen und bekommt die alte Frings-Nummer 22.

Zudem sicherten sich die Bremer eine anschließende Kaufoption für rund vier Millionen.

Doch woher kam das Geld jetzt überhaupt?

Selbst die für Bundesliga-Verhältnisse bescheidende Summe von einer halben Million war Lemke ursprünglich zu hoch. Denn der ehemalige Manager des Vereins hatte einen rigorosen Stopp von Neuerwerbungen verfügt, wenn keine weiteren Einnahmen generiert werden.

Der Grund: Die Personalkosten für den sportlichen Bereich sind weiter hoch und belaufen sich auf rund 50 Millionen Euro. Für die neuen Spieler Mehmet Ekici, Lukas Schmitz und Andreas Wolf wurden bereits sechs Millionen Euro ausgegeben.

Auf der anderen Seite fehlen dem Verein aber 25 Millionen Euro, nachdem er sich nicht für die kommende Champions-League-Saison qualifizieren konnte.

Einigung auf weiteres Vorgehen

Dennoch lenkte (oder knickte?) Lemke ein, obwohl in letzter Zeit weder Spieler verkauft wurden noch ein neuer Sponsor an Land gezogen werden konnte. Vier Stunden lang hatte er sich zuvor mit Allofs ausgesprochen und auf das weitere Vorgehen bei der Verpflichtung neuer Spieler geeinigt.

[kaltura id="0_imuu8ftk" class="full_size" title="Werder im Schlingerkurs"]

Der Aufsichtsratsboss hielt danach zwar weiter an seiner Forderung fest, dass nur das vorhandene Geld ausgegeben werden dürfe. Doch von einem Transferstopp war danach nicht mehr die Rede (DATENCENTER; Spielplan 2011/12).

Mit diesem Ergebnis darf sich auch Trainer Thomas Schaaf als Sieger des Machtkampfs fühlen. Das Werder-Urgestein hatte sich zusammen mit Allofs für eine Verstärkung des Kaders eingesetzt.

"Wir brauchen ihn"

"Gut, dass er endlich da ist", sagte Schaaf zur Verpflichtung von Papastathopoulos. "Wir brauchen ihn für unseren Abwehrverbund." Denn gerade die Verteidigung bereitet den Hanseaten kurz vor dem Start in die neue Saison große Probleme.

Mit Per Mertesacker, Naldo und Mikael Silvestre fallen drei Abwehrspieler weiter auf unbestimmte Zeit aus. Vor dem Transfer von Papastathopoulos hatte Werder damit in Neuzugang Wolf nur einen fitten gestandenen Bundesliga-Verteidiger.

Dazu kommt der verletzungsanfällige Stürmer Claudio Pizarro, der noch immer an den Folgen eines Innenbandrisses im Knie laboriert.

Ekici fällt für unbestimmte Zeit aus

Das Verletzungspech trifft Werder aber auch in der Kreativabteilung. Mittelfeldspieler Mehmet Ekici kann schon seit knapp zwei Wochen nicht mehr normal trainieren. Der Neuzugang vom 1. FC Nürnberg leidet an Adduktoren-Problemen, die ihn bereits in der vergangenen Saison behindert hatten.

Der Fünf-Millionen-Einkauf gab zu, dass er für den Club nur dank Schmerz stillender Spritzen spielen konnte. Wie lange Ekici ausfällt, ist ebenfalls nicht abzusehen (Sommerfahrpläne: Von Bremen bis Augsburg).

Das Fehlen des 21-jährigen Kreativspielers trifft die Wederaner doppelt hart. Denn dadurch könnten sie auch gezwungen sein, Marko Marin doch zu behalten. Der Mittelfeldspieler mit Vertrag bis 2013 wird immer wieder genannt, wenn es um mögliche Abgänge geht.

Hohe Erwartungen nicht erfüllt

Als Nationalspieler, der in Bremen die hohen Erwartungen bislang nicht erfüllt hat, könnte er die leeren Kassen bei Werder zumindest etwas füllen. Angeblich hat Wolfsburg bereits Interesse angemeldet.

Weitere Kandidaten für einen Wechsel sind Mertesacker, der nach wie vor von einem Engagement in England träumt, und Torhüter Tim Wiese. Der hatte jüngst mit seinem Abschied gedroht, falls sein Vertrag nicht vorzeitig verlängert werde.

"Gesicherter Platz im Mittelfeld"

Im Interview mit dem "kicker" wollte Wiese diese Drohung nicht wiederholen. Auf Ziele für die kommende Saison mochte er sich aufgrund der Verletzungssorgen im Team noch nicht festlegen: "Wenn die Sorgenkinder nicht schnell fit werden, müssen wir einen gesicherten Platz im Mittelfeld anpeilen."

Die Ansprüche bei Werder sind gesunken. Daran wird wohl auch ein weiterer möglicher Neuzugang nichts ändern. Laut Manager Allofs stehe man mit Mittelfeldspieler Aleksandar Ignjovski in Kontakt.

Der spielte bis zur letzten Saison beim Zweitligisten 1860 München.

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