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David Alaba (r.) war in der abgelaufenen Saison an 1899 Hoffenheim ausgeliehen © getty

Die Absage des Chilenen bringt die Bayern-Bosse nicht aus der Ruhe. Fünf Stars kämpfen um den Platz neben Schweinsteiger.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Anatoliy Tymoshchuk, Luiz Gustavo, Toni Kroos, David Alaba oder Danijel Pranjic?

Wer passt neben Bastian Schweinsteiger im defensiven Mittelfeld am besten ins Mannschaftsgefüge?

Es ist die letzte Lücke, die Bayern-Trainer Jupp Heynckes noch schließen muss, bevor es ernst wird.

Die Tests beim Audi-Cup in der nächsten Woche mit dem AC Mailand, dem FC Barcelona und Gremio Porto Alegre werden Aufschluss bringen.

Münchner Transferaktivitäten beendet

Denn nach dem Korb von Arturo Vidal, der einen Wechsel zu Juventus Turin vorzog, steht fest: Die Transferaktivitäten der Münchner sind für diesen Sommer beendet - zumindest was die Zugänge betrifft.

"Mit Neuer, Boateng, Rafinha und Usami haben wir die Transfers gemacht. Die Einkäufe sind abgeschlossen", sagte der Vorstandssitzende Karl-Heinz Rummenigge der "Bild".

Klar, erfreut waren die Bosse nicht, als sie von der Entscheidung des Chilenen erfuhren. Präsident Uli Hoeneß sprach von "Wortbruch" (Bericht und Video).

"Der beste Klub, der zu ihm passt..."

Vielleicht war Hoeneß aber auch einfach nur beleidigt. Dass der FC Bayern einen Spieler, den er unbedingt haben will, nicht bekommt, passiert schließlich selten.

Das Vereinsoberhaupt hatte ohnehin nicht allzu viel Zuversicht. Überrascht konnte er von der Entwicklung jedenfalls nicht gewesen sein. "Das war ein Transfer, den ich immer unter 50 Prozent gesehen habe", behauptete er.

Auch Rummenigge hatte für Vidal noch eine süffisanten Kommentar übrig: "Er hat sich für den besten Klub entschieden, der zu ihm passt..."

Suche nach dem zweiten "Sechser"

Christian Nerlinger sprach dann aus, was alle dachten, wenn sie sich fragten, was die Müncher überhaupt mit Vidal wollten: "Unser Mittelfeld ist top besetzt und genügt höchsten Ansprüchen", teilte der Sportdirektor gelassen mit.

Doch wer gewinnt den Fünfkampf? Wer übernimmt in der Zentrale den defensiveren Part neben Schweinsteiger?

Der Mann, den Heynckes für diese Position will, muss kompromisslos in den Zweikämpfen sein, schnell und sicher spielen, Dominanz ausstrahlen. Er muss sich gut anpassen und Kommandos geben.

Im Defensivverhalten des gesamten Teams, an dem die Bayern in der Vorbereitung verstärkt arbeiten, ist der "Sechser" eine treibende Kraft.

[kaltura id="0_ckugi84b" class="full_size" title="Vidal Hoene stellt Charakterfrage"]

Tymoshchuk liegt vorne

Momentan hat Tymoshchuk die Nase vorn. Der Ukrainer genießt großen Respekt. Zudem präsentiert er sich in diesem Jahr offener, gefestigter.

"Er macht auch mal einen Flachs", beobachtete Heynckes schon im Trainingslager am Gardasee.

Bekommt der Blondschopf tatsächlich von Beginn an das Vertrauen des Trainers, würde ihm das womöglich einen Leistungsschub verpassen und die Fans würden endlich den starken Tymoshchuk sehen, der einst bei Zenit St. Petersburg das komplette Mittelfeld allein ausfüllte.

Gustavo schwächelt

Luiz Gustavo muss sich hingegen zunächst hinten anstellen. Beim LIGA total! Cup konnte der Brasilianer nicht ausreichend Akzente setzen, um einen prägenden Eindruck zu hinterlassen. Ihm mangelte es noch an Kreativität.

Der Spielwitz ist Kroos' großes Plus, deshalb soll der 21-Jährige diesen auch weiter vorne einsetzen - als Ersatz für Thomas Müller, Arjen Robben oder Franck Ribery.

"Er hat bewiesen, dass er auch als Sechser spielen kann", sagt Heynckes. Kroos fügt jedoch an: "Ein klassischer Sechser bin sicherlich nicht - und ich denke, dass das auch der Trainer so sieht."

Alaba auf der Überholspur

Das wiederum bringt David Alaba auf den Plan. Der junge Österreicher sollte auf Heynckes Ansage hin unbedingt in München bleiben, obwohl er ein reizvolles Angebot von 1899 Hoffenheim vorliegen hatte und ihm dort ein Stammplatz sicher gewesen wäre.

Möglicherweise überholt der 19-Jährige seine Konkurrenten jetzt überraschend. In der Vorbereitung trumpfte er bislang groß auf, wurde links offensiv und auf seiner bevorzugten Position im defensiven Mittelfeld getestet.

Pranjic mit Außenseiterchancen

Obwohl wie überall am Ende nur der Trainer über die Aufstellung entscheidet, hat Alaba in der Mannschaft mit Kumpel Ribery einen mächtigen Fürsprecher und glänzte mit einem Tor gegen Mainz beim LIGA total! Cup.

Verfeinert er seine Fähigkeiten konsequent, steht ihm eine große Zukunft bevor.

Außenseiter im Fünfkampf um den Stammplatz ist derweil Pranjic. Seine Spielweise ist zwar solide, er macht wenig Fehler, ist aber auch unspektakulär.

Alaba oder Tymoshchuk? Gustavo oder Kroos? Wie auch immer Heynckes' Entscheidung ausfällt, in der nächsten Woche gibt es in jedem Fall einen Fingerzeig Richtung Saison.

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