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Große Freude: Schalke 04 gewann mit dem Supercup den ersten Titel der Saison © getty

Schalke feiert nach dem Supercup-Erfolg gegen den BVB seinen neuen Neuer. Elfer-Held Fährmann ist erleichtert, aber bescheiden.

Aus Gelsenkirchen berichtet Matthias Becker

Gelsenkirchen - Das letzte Mal als Ralf Fährmann vor der Schalker Nordkurve stand, hatte er sich gerade zum Gespött der Bundesliga gemacht.

Am 12. März ließ sich der Torhüter, damals noch im Dress von Eintracht Frankfurt, von Raul im eigenen Strafraum den Ball vom Fuß klauen.

Das Symbolbild einer verkorksten Saison bei der Eintracht.

Gute vier Monate später stand Fährmann am Samstagabend mit einem Megafon in der Hand vor der tobenden Nordkurve und leitete die Feierlichkeiten nach dem 4:3 (0:0)-Erfolg nach Elfmeterschießen im Supercup gegen Borussia Dortmund.

Den Spott, den haben jetzt erst einmal andere.

Erleichterung bei Fährmann

"Als Held des Tages sehe ich mich nicht, wir haben als Mannschaft gegen Dortmund gewonnen. Das ist das Schönste und das Wichtigste", stapelte der 22-Jährige später tief.

Die Erleichterung, gleich im ersten Spiel vor großer Kulisse überzeugt zu haben, rann ihm aber wie der Schweiß aus jeder Pore.

Denn Fährmann hatte ja nicht nur die Elfmeter der BVB-Spieler Kevin Großkreutz und Ivan Perisic pariert.

Schon in der regulären Spielzeit stemmte er sich den Dortmunder Angreifern entgegen und zeigte einige sehenswerte Paraden.

Wie er etwa in der 43. Minuten den Schuss des frei vor ihm auftauchenden Robert Lewandowski parierte, erinnerte sehr genau an den Mann, den er auf Schalke ersetzen soll: Manuel Neuer.

Trotzdem blieb Fährmann bescheiden: "Manuel hat eine sehr große Lücke hinterlassen. Meine Aufgabe ist es, die Lücke in den nächsten Jahren zu schließen."

Heldt und Rangnick voll des Lobes

Da ihm das sehr viele im Schalker Umfeld nicht zugetraut haben, war die Gala-Vorstellung gegen den BVB natürlich eine Genugtuung - und richtig was fürs Herz.

"Wir haben zu null gespielt und Ralf hat ein klasse Spiel abgeliefert. Das freut mich, denn den Mut und das Selbstvertrauen braucht er", sagte Sportdirektor Horst Heldt.

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Fährmann hat sich den Platz im Schalker Tor damit wohl endgültig gesichert. "Ralf ist unsere Nummer eins, das haben wir schon vor dem Supercup gesagt", flötete Heldt.

Vor nicht allzu langer Zeit hatten die Verantwortlichen der Königsblauen aber noch mit anderen Torhütern geflirtet, unter anderem mit Jens Lehmann.

"Gut für die Moral, toll für die Fans"

Der Erfolg im 138. Revierderby war aber nicht nur gut für das Gemüt von Ralf Fährmann, sondern auch für die Stimmung im gesamten Verein.

"Der Sieg ist gut für die Moral und toll für die Fans", erklärte Trainer Ralf Rangnick.

Dass mit Großkreutz dann auch noch die größte Reizfigur im BVB-Dress einen Elfmeter verschoss, war für die Anhänger noch die Sahne auf dem Kuchen.

[kaltura id="0_0ivajm21" class="full_size" title="BVB holt den Liga total Cup wer darf ihn behalten "]

Sie sahen sie ein Team auf dem Rasen, dass sich zumindest mit viel Engagement der Kombinationswut des Meisters aus der Nachbarschaft entgegen warf.

In der Vorsaison war man gegen den BVB noch in allen Belangen unterlegen gewesen.

"Man merkt, dass in unserem Team die Harmonie stimmt", freute sich Rückkehrer Lewis Holtby im Gespräch mit SPORT1.

Klopp nicht unzufrieden

Spielerischen Anschauungsunterricht gab es für Holtby und Kollegen trotzdem über weite Strecken von den Dortmundern.

Wie so manches Mal in der Vorsaison vergaß die Elf von Trainer Jürgen Klopp aber, eine der zahlreichen Chancen auch zu nutzen.

"Es gibt zwei Gründe, warum man Fußball spielt: Um zu gewinnen, und um gut zu spielen. Das eine haben wir geschafft, das andere nicht", stellte Klopp trotzdem entspannt fest:

"Wir haben über 75 Minuten ein klasse Spiel gezeigt, haben es aber zum Elfmeterschießen kommen lassen."

Nach den zwei guten Auftritten im LIGA total!-Cup in Mainz zeigte sein Team auf Schalke, dass es auch über 90 Minuten unter Wettkampfbedingungen das gleiche Spiel wie im Titeljahr durchziehen kann. (433642DIASHOW: Die Bilder zum Spiel)

Gündogan stark - und bedient

Das lag zu einem guten Teil auch an Neuzugang Ilkay Gündogan. Der Ex-Nürnberger war sehr präsent und versorgte seine Offensivreihe mit mehreren sehenswerten Zuspielen.

Nach der Partie war er aber wie der Rest des Kaders trotzdem bedient. "Der Schalker Sieg ist unverdient", motzte der gebürtige Gelsenkirchener nach seinem ersten Revierderby.

Er muss nun auf seine nächste Chance in der Schalker Arena warten.

Aber das kann sich ja lohnen, Ralf Fährmann könnte ihm da einiges erzählen.

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