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Borussia Dortmund erzielte mit 67 Treffern die zweitmeisten Tore der letzten Saison © getty

Fehlende Cleverness vor dem Tor kostet Dortmund den Supercup-Titel. Noch wiegeln Trainer Klopp und Kapitän Kehl jedoch ab.

Von Matthias Becker

Gelsenkirchen/München - Einen kleinen Unterschied gab es zu einem echten Pflichtspiel.

Die Laune von Jürgen Klopp blieb auch nach der Niederlage im Supercup-Derby beim FC Schalke 04 blendend (Bericht).

Der Meister-Trainer von Borussia Dortmund spazierte mit einem Lächeln im Gesicht durch die Katakomben der Schalker Arena.

Ob er eine Niederlage in einem Bundesliga-Derby wohl auch so locker hingenommen hätte? Und ob er auch noch lachte, als er am späten Sonntagabend von der Verletzung von Lucas Barrios hörte?

Barrios droht Pause

Momentan bangen die Dortmunder um ihren Torjäger. Der Paraguay-Stürmer hatte im Copa-America-Finale gegen Uruguay (Bericht) zunächst 77 Minuten auf der Bank geschmort, wurde dann erst eingewechselt und zog sich nach seinem ersten langen Sprint vermutlich einen Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel zu.

Sollte sich die erste Diagnose bestätigen, würde Barrios wohl mindestens zwei Wochen ausfallen.

Dabei bräuchte der BVB dringend einen "Knipser" - das wurde gegen Schalke überdeutlich. Trotz bester Chancen hatte es die Klopp-Crew nicht geschafft, den Ball im gegnerischen Tor unterzubringen.

Bittere Momente

Diese Erkenntnis aus dem letzten Härtetest vor dem Pokalspiel bei Drittligist Sandhausen am kommenden Wochenende trübte die Laune der BVB-Spitze dann wohl doch.

Die Dortmunder haben das Beste und das Schlechteste aus ihrem Meisterjahr mit in die neue Saison herübergebracht.

Der Ball läuft auch ohne den zu Real Madrid abgewanderten Taktgeber Nuri Sahin teilweise berauschend durch die Reihen der Borussia (433642DIASHOW: Die Bilder zum Spiel).

"Noch nicht da, wo wir hin wollen"

Aber: "Wie viele hundertprozentige Chancen wir vergeben haben, habe ich lange nicht erlebt", stellte der aus Nürnberg hinzugekommene Ilkay Gündogan fest. Er gefiel im Mittelfeld, scheiterte freistehend von der Strafraumgrenze jedoch ebenso kläglich an Schalkes Torhüter Ralf Fährmann wie seine Kollegen.

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"Wichtig ist, dass wir uns die Chancen herausspielen, die Tore werden wir dann schon machen", wiegelte Kapitän Sebastian Kehl ab. Coach Klopp mahnt zur Geduld:

"Wir sind noch lange nicht da, wo wir hin wollen. Aber wir beschäftigen uns sehr intensiv damit."

Schalker Marschroute als Vorbild

9:3 Torchancen rechnete sich der BVB auf seiner eigenen Homepage zu. Das erinnert an letzte Saison, als die Klopp-Truppe teilweise bis zu 30 Torschüsse in einem Spiel abfeuerte.

Die mangelhafte Verwertung der Gelegenheiten wurde damals dadurch überdeckt, dass sich die Borussia immer noch eine und noch eine Chance herausspielte - irgendwann fiel das Tor dann meistens doch.

[kaltura id="0_0ivajm21" class="full_size" title="BVB holt den Liga total Cup wer darf ihn behalten "]

Doch diese Marschroute muss nicht zwangsläufig aufgehen, wie sich am Samstag auf Schalke zeigte. Mit viel Laufarbeit und einem guten Torwart wehrten sich die Gastgeber erfolgreich. Eine Kombination, die auch andere Teams aufbieten können, sowohl in der Bundesliga als auch international.

Zweiter Knipser gebraucht?

Wenn es im Dortmunder Kader eine Schwachstelle gibt, dann liegt die im 4-2-3-1-System ganz vorne.

Für Barrios steht Ersatzmann Robert Lewandowski parat. Doch dieser bewies nicht erst beim Supercup, dass er zwar ein wertvoller Mannschaftsspieler, aber eben kein eiskalter Vollstrecker ist.

Ein weiterer solcher Typ würde dem Team gut zu Gesicht stehen. Kurzzeitig liebäugelte der BVB mit der Verpflichtung von Miroslav Klose, verwarf den Gedanken aber schnell wieder.

Champions League vor der Brust

Einen Mangel an Cleverness vor dem Tor könnte der Klub in der Champions League teuer bezahlen, wenn er mehr als nur die Teilnehmer-Urkunde mitnehmen will.

Internationale Top-Gegner lassen pro Spiel nur zwei, drei Chancen zu. Nutzt man die nicht, ist der Ausflug nach Europa ganz schnell vorbei.

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